Als Ausländer in Kleinmachnow?

Der malende Feuerwehrmann und seine Chinesin

Kleinmachnow – „offene Stadt“. Stimmt das wirklich? Wie fühlt man sich als Ausländer in der Gemeinde der Intellektuellen?
Das wollten wir beim Ehepaar Freyberg erkunden, das in vielen Beziehungen ungewöhnlich ist. So ist Steffen Freyberg ein typisches Kind von hier. Zu DDR-Zeiten wäre er sicher ein Vorzeige-Arbeiter geworden. Vater Melker, Mutter Küchenhilfe, eine echte Arbeiterfamilie. Der Sohn: Feuerwehrmann, also immer im Einsatz fürs Allgemeinwohl. Nur ist Steffen Freyberg ein sehr intellektueller und musischer Brandlöscher: Er schreibt, er malt und konnte als Hobbyfotograf beim Fotowettbewerb der MAZ den ersten Platz erringen! Freyberg ist Karl May Fan, entsprechend abenteuerlustig und wollte unbedingt China erkunden. Aber nicht wie jeder, per Flugzeug, sondern per Transsibirischer Eisenbahn, was wiederum ein Erlebnis für sich ist. Unabhängig davon hat er an China sein Herz verloren, an ein äußerst liebenswertes Stück China: Das heißt Yan Zhen, ist wie Steffen Freyberg 31 Jahre jung und eine äußerst zuvorkommende und charmante Gastgeberin...
Was die beiden verbindet: Natürlich der Ehering, den sie am 19. Juli 2002 getauscht haben und dann: „Die Liebe zu Kleinmachnow.“ Für beide ist die Gemeinde nämlich Wahlheimat! Steffen Freyberg stammt aus Babelsberg, wuchs in Leipzig auf, fuhr ein Jahr zur See. Dadurch kannte er sich in der Region Rostock besser aus als in Brandenburg. Und Yan Zhen hatte es noch viel weiter, sich in die Gemeinde vor den Toren Berlins zu verlieben. Sie stammt aus einer kleineren Stadt „500 Kilometer südlich von Peking“. In China hatte sie Geschichte studiert, war zwei Jahre als Journalistin tätig, bis sie im Management beim Ableger eines US-Konzerns im Golf-Staat Oman landete, wo sie drei Jahre für die Kontakte der Firma nach China aktiv war. Auslöser für ihr Interesse an Deutschland war die Begegnung mit einem Geschäftsmann in Shanghai: „Ich traf ihn am Flughafen und merkte, dass er ein erhebliches Problem hat. Er sprach kein Chinesisch, und mit seinem Englisch war es ebenfalls nicht so gut bestellt.“ Sie leistete spontan Schützenhilfe und überlegte sich: „Deutschland und China haben so viele wirtschaftliche Kontakte, da braucht man doch Chinesen, die Deutsch können.“ Nach einem Monat hatte sie ihr Visum. Aus ihrer Tätigkeit in Oman hatte sie genügend zurückgelegt, um sich Flug und erste Kosten in Berlin leisten zu können. In einer Gruppe von zwei Mitstreiterinnen sollte es erst mal darum gehen, aus den Schul-Deutschkenntnissen flüssige Spracherfahrung zu machen. Um dann alles an der Uni mit einem Studium abzuschließen. Die private Sprachschule schloss Exkursionen ein – unter anderem in die Feuerwache Wilmersdorf. Da muss es zwischen Steffen Freyberg, der die Führung machte, und der Chinesin sofort gefunkt haben. Und dieses entzündete Feuer konnte keine Feuerwehr löschen – das Paar fuhr wenig später in den Hafen der Ehe ein. Geankert wurde in Kleinmachnow, beruflich aktiv ist Yan Zhen Freyberg bei einem Tochterunternehmen der US-Firma Procter & Gamble in Kremmen. Deshalb hat sie nun einen guten Vergleich, wenn es um Toleranz geht: „In Kleinmachnow sind immer alle nett und freundlich. In Kremmen werde ich öfters komisch angesehen oder Kinder rufen mir unschöne Sachen hinterher!“ Einen Wermutstropfen hat das junge Glück für den künstlerischen Feuerwehrmann: „Seit ich mit Yan Zhen zusammen bin, habe ich nicht mehr gemalt. Das machte ich immer aus dem Gefühl heraus, wenn ich traurig oder einsam war...“

Die Braut trug bei Hochzeit rot – weiß ist in China die Farbe der Trauer.