Bösartige Fliegen und süße Miezekatzen

Kreativität für die Republik

Bösartige Fliegen und süße Miezekatzen zeugen in Deutschland von der Kreativität aus Kleinmachnow. Während Fans zwischen München und Hamburg sich um die originellen Holzplastiken, die eigentlich viel zu schade fürs Kinderzimmer sind, reißen, macht die Heimatgemeinde der Künstlerin viel Kopfzerbrechen.
Denn länger als geplant liegen die „jüngsten Kinder“ zuhause bei Julia Ehrt, notdürftig untergebracht – im Carport! Dort liegen sie, gerade mal mit ein par Planen bedeckt, statt vor der neuen Turnhalle der Eigenherd-Schule Aufstellung zu beziehen. „Erst sollten sie unter ein Vordach kommen, dann immerhin noch im Eingangsbereich aufgestellt werden. Als nächstes gab es Probleme mit dem Betonsockel“, berichtet die Kleinmachnowerin über Schwierigkeiten, wie sie bei Kunst am Bau eben mal auftreten können.
Dass Julia Ehrt dies keine Nerven raubt, ist ihrer langen Erfahrung mit kreativer Bereicherung öffentlicher Räume zu verdanken. Die Tochter des Eulenspiegel-Karrikaturisten Harald Kretschmer hatte die kreative Ader des Vaters geerbt, wollte sich aber als studierte Spielzeug-Designerin auf figürliche Arbeiten konzentrieren. „Ich war vom Bauhaus-Gedanken, Kunst und Gebrauchswert zu vereinigen, sehr fasziniert“, sagt sie. Bald nach dem Studium begann die 25-Jährige mit ihren Steckfiguren und Schaukelpferden Klein und Groß zu begeistern. Bald bekam sie Aufträge, Kitas und Schulen auszustatten. So wies sie mit ihren Skulpturen in einer Potsdamer Schule darauf hin, wie es aussieht, wenn das Geschirr nicht anständig abgetragen wird. Im Hennigsdorfer „Ziel“-Einkaufszentrum konnte sie eine ganze Wand über drei Etagen gestalten und bewies damit, dass ihre Kreativität die Systeme überdauert. „Deshalb freute ich mich ganz besonders, dass ich den Auftrag für den Eingangsbereich der neuen Turnhalle erhielt“, strahlt die Mutter dreier Kinder. Eigentlich sollte das Kunstwerk unter Dach stehen, doch „vorsichtshalber sah ich mich nach Eichenholz um, das hält im Freien ebenfalls“. Recht sollte sie haben, denn das Vordach fiel aus Kostengründen weg.
Nun ist Julia Ehrt schon wieder im Vorweihnachtsstress, denn im Herbst setzt in Galerien und bei Sammlern in ganz Deutschland ein regelrechter Ansturm auf ihre Tier-Motive ein. „Seit 22 Jahren nehme ich mir vor, diesem Stress zu entgehen“, stöhnt sie. Das Problem: „Mache ich Katzen, wollen die Leute Hunde, mache ich Hunde, wollen sie was ganz anderes. Wer soll das voraussehen?“ Übrigens ist Julia Ehrt gar keine ausgesprochene Tierfreundin, jedenfalls hält sie sich in ihrem Grundstück überhaupt keine Haustiere: „Wie Katzen aussehen sehe ich ja, wenn die vom Nachbarn übers Grundstück streifen.“ Vielleicht macht es gerade diese Distanz zu Haustieren aus, dass die Vierbeiner immer so lustig und unkompliziert bei ihr aussehen.

Infos: Tel. 03 32 03/2 30 87

Unterm schützenden Dach des Carports von Julia Ehrt warten ihre „jüngsten Kinder“ auf den Umzug vor die Eigenherd-Turnhalle