Kleinmachnow geht neue Wege

Vom Weinberg auf die Bretter der Welt!

Ihre erste Bühnenluft haben sie im Weinberg-Gymnasium geschnuppert. Nun haben sie längst das Abitur in der Tasche und gehen völlig getrennte Wege. Der eine studiert, der andere ist die Karriereleiter ganz nach oben gestiegen und in der Geschäftsstelle eines deutschlandweit tätigen Verbands. Doch wenn die Sonne anfängt, sich hinter den Häusern Kleinmachnows zu verstecken, dann beginnt ein emsiges Leben in halb vergessenen Räumen...
Denn dann wird in einem früheren Casino der US-Armee in Zehlendorf geprobt und geprobt. Hier ist eine äußerst vielseitigte Jung-Künstler-Truppe aus Kleinmachnow am Werk. Neun Theater-Begeisterte im Alter zwischen 22 und 29 Jahren haben sich zusammengefunden, um von Kleinmachnow aus die Bretter, die die Welt bedeuten, zu erobern. Andreas Bandow ist Vermessungs-Ingenieur und steht als Assessor der Geschäftsführung des Berufsverbands BDVI in der Luisenstraße um die Ecke von „Unter den Linden“, Berlins Nobeladresse also, zur Seite. Er war mit dabei, als am örtlichen Weinberg-Gymnasium 1990 eine Schultheatergruppe aufgebaut wurde. „Alle anderen Mitglieder unserer Truppe sind jünger. Wir spielten das erste Mal im Jahr 2000 miteinander. Damals suchte Regisseurin Kathrin Heilmann ehemalige Theater-am-Weinberg-Mitglieder, die zum Jubiläum ein Stück aufführten. Aus dem Jubiläumsstück entsprang die „Spätlese“, die mit der Aufführung des Dario Fo-Stücks&Mac226;Der Dieb‘ im Augustinum einen Riesenerfolg feierten“, erinnert sich Bandow.
Aus dieser Gruppe und dem TAW fanden sich neun Bühnen-Enthusiasten zur Theatergruppe „Die Kaktusse“ zusammen. Das waren Marian Heinze, Anja Hildenbrand, Stephanie Wolf, Patric Adam, Marcus Pfaff, Robert Lehmann, Rico Ramolla, Ulf Augustin und Andreas Bandow. Das war im Sommer 2003. Bereits ein Jahr später debütierten sie in den Kleinmachnower Kammerspielen mit der Boulevard-Komödie „Eins, Zwei...Viele“. Insgesamt sahen fast 300 Besucher die beiden Aufführungen. „Viele gestanden, dass sie völlig geschafft waren, weil sie sich vor Lachen die Bauchmuskeln überanstrengt hatten“, freut sich Bandow mit seiner Truppe über den Erfolg.
Nun soll die Komödie in der Region zum Einsatz kommen. Für den 9. Januar 2005 steht bereits die nächste Aufführung im Augustinum an. Weitere Auftritte sind geplant, auch das Publikum in Berlin und Potsdam soll in den Genuss kommen.
Ob daraus mal ein richtig professionelles Theater wird? Man darf gespannt sein. Denn viele der Protagonisten sind mittlerweile mit einem oder mehreren Beinen auf dem Sprung ins Show-Biz. So ist der gediegene Ingenieur Andreas Bandow seit zwei Jahren mit der A-Cappella-Band „Pitch Pipe Project“ als „Text, Drugs & A-Cappella“ auf den Bühnen der Region zu sehen. Bandow macht Standup-Comedy und steht damit vielleicht schon in den Startlöchern als neuer Harald Schmidt?
Zu Pitch Pipe Project, die gerade eine CD produzieren, gehören die Kleinmachnower Kaktusse Marian Henze, 22 und Robert Lehmann, 25. Letzterer lernte am Ort den Beruf des Fotografen und studiert jetzt Kunstgeschichte.
Robert Lehmann und Patric Adam wiederum kennen einige aus einer anderen Musik-Formation, der Young Brass Company, wo sie mit Trompete und Klarinette begeistern.
Jeder bei den Kaktussen hat seine originäre Aufgabe, sei es Bühnenbau, Maske oder Pressearbeit, zu erfüllen. Nur Regie führten bis jetzt alle zusammen. Was natürlich auch einige Schwierigkeiten mit sich bringt.
„Für weitere Stücke müssten doch bei einem die Fäden zusammenlaufen. Wir überlegen, dass das nächste Mal jemand aus der Truppe richtig Regie führt und derjenige dann selbst nur eine Nebenrolle spielt“, so Patric Adam. Jedenfalls kann das Theater am Weinberg mächtig stolz sein, mit seinem Zutun zu dem Entstehen einer neuen Theatergruppe den Status von Kleinmachnow als Künstlerort weiter befördert zu haben! Wer weiß, wie viele Jung-Talente noch im Ort schlummern?

Die nächste Aufführung findet im Herbst 2005 statt.
Infos Tel. 0173/4496633
www.die-kaktusse.de

Andreas Bandow ist gelernter Vermessungsingenieur und in der Führungsetage des VDI. Da versteht es sich von selbst, dass er schon mal Maß nimmt, ob bei Patric Adam alles richtig für die nächste Aufführung der Kaktusse sitzt.