Weill, Janka und Prof. Flimmrich als Nachbarn

Die Lage zwischen der Filmstadt Potsdam und der Metropole Berlin machte Kleinmachnow schon sehr früh zum beliebten Wohnort. Seit den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts wird die Gemeinde als „Künstlervorort von Berlin“ apostrophiert.Wir begaben uns auf Spurensuche! Berühmtester Bewohner Kleinmachnows war der Komponist Kurt Weill (2.3.1900-3.4.1950), einer der vielseitigsten Künstler des 20. Jahrhunderts.Er sorgte mit seiner Musik maßgeblich dafür, daß die „Dreigroschenoper“ des Augsburger Fabrikantensohns Bert Brecht zum Welterfolg wurde. Seine „Mackie Messer Ballade“ wurde zum internationalen Hit! Bevor es so jazzig auf der Bühne zuging, hatte Weill erfolgreich in der E-Musik debütiert.Noch 1932 war in der Städtischen Oper Berlin die Premiere von „Die Bürgschaft“. Der Text für diese Oper stammte von Brechts aus Augsburg stammendem Jugendfreund Caspar Neher. Damit war Weill auf dem Höhepunkt seines Ruhms, als er im März 1932 das Haus in der heutigen Käthe Kollwitz Straße 7 in Kleinmachnow kaufte.

Doch in guter Erinnerung wird er die Adresse nicht behalten haben: Kaum war er mit seiner Muse und Ehefrau Lotte Lenya eingezogen, ging die leidenschaftliche Beziehung zu Bruch: Lenya lernte bei Dreharbeiten mit Erwin Piscator in der Sowjetunion den Sänger Otto Pasetti kennen und lieben. Neben dem Schicksalsschlag der Trennung und Scheidung mußte Kurt Weill damit leben, ständig von den Nazi-Horden unter Beschuß genommen zu werden – schließlich war er Jude. Als Ausweg blieb nur, 1933 zu emigrieren. Sein Haus in Kleinmachnow konnte er also nur kurz „geniessen“.

Im März 1932 bezogen Kurt Weill und Lotte Lenya das Haus in der Wißmannstraße 7, heute Käthe-Kollwitz-Straße 7, in Kleinmachnow.

Übrigens heirateten Weill und Lenya 1935 zum zweiten Mal, in den USA. Dort wurde er am Broadway ebenso gefeiert wie in Hollywood, wo er für Filme großer Regisseure die Musik schrieb.Walter Janka war ebenfalls Bürger von Kleinmachnow. Seine internationale Bekanntheit ist allerdings vielfach seinem tragischen Schicksal geschuldet. Gelernter Schriftsetzer, Nazi-Gegner, Spanienkämpfer, Emigrant, der von Mexiko aus in seinem Verlag „El Libro Libre“ deutsche Exilautoren wie Anna Seghers, Heinrich Mann oder Egon Erwin Kisch verlegte, glaubte er wie viele andere Mitglieder der Arbeiterbewegung und Avantgarde der Weimarer Republik an einen Wiederanfang in der DDR. Dort ging es erst steil nach oben: Generaldirektor der DEFA, ab 1951 Leiter des Aufbau-Verlags.

1956 dann der jähe Absturz: Aufgrund der nach dem Ungarn-Aufstand von Stalin angeordneten „Säuberungs-Prozesse“ fünf Jahre Zuchthaus in einem Schauprozeß, schließlich Verlegung nach Bautzen. Dort, wo ihn 1933 schon die Nazis malträtierten. Erst nach internationalem Protest, unter anderem von Erika und Katia Mann, die sich an Chruschtschow persönlich gewandt hatte, von Lion Feuchtwanger oder Hermann Hesse, kam Janka per Verfügung von Walter Ulbricht am 23. Dezember 1960 frei. Am 1. Mai 1989 hängte der Kurzzeit-SED-Chef Egon Krenz dem Kleinmachnower scheinheilig den „Vaterländischen Verdienstorden in Gold“ um. Janka starb am 17.3.94.Aber auch lustiges ist mit Kleinmachnow verbunden: Welches DDR-Kind errinnert sich nicht an die Sendung von „Professor Flimmrich“? Der Professor, mit bürgerlichem Namen Walter Eberhard Fuß, war eigentlich Schauspieler, 1921 in Hamburg geboren und sorgte mit seiner Sendung 20 Jahre dafür, daß die Kleinen Spaß hatten. Er verstarb 1996 in seinem Wohnort Kleinmachnow.Hier war ebenfalls die Wohnadresse des Schauspielers Herbert Köfer, der bei der DEFA und im DDR-Fernsehen Geschichte schrieb. Er war einer der populärsten DDR-Künstler. Und nicht zuletzt wohnte hier der Bildhauer Prof. Ferdinand Lepcke (23.3.1866-12.3.1909), der das Denkmal für den Landrat und Teltow-Kanal-Begründer Ernst von Stubenrauch schuf, das heute den Markt in Teltow ziert.So wie gestern, ist Kleinmachnow heute wieder Wohnort von Prominenten – aus der früheren DDR und aus Westdeutschland.

Auch Herbert Köfer und...

... Walter Janka wohnten in Kleinmachnow.