Stand Dezember 2010
Vom Manager zum Künstler
Vom Tellerwäscher zum Manager – diese amerikanische Karriere ist in Europa ebenfalls möglich. Zumindest wenn als Antrieb die große Liebe wirkt. Das beweist ein ungewöhnlicher Künstler in Königs Wusterhausen.
Heute ist Elmar Huxoll 64 Jahre alt und sorgt von seinem Altstadt-Studio gegenüber dem Schloss des Soldatenkönigs für vielfältige Bereicherung der Kunstlandschaft.
Unter seiner Feder entstehen so unterschiedliche Dinge wie Zeitungscartoons und Schnellporträts für oft nur zehn Euro für Besucher von Märkten und Veranstaltungen.
Telefon-Abfall
Dann wieder macht er aus einem nervös beim Telefonieren bekritzelten Zettel ein ungewöhnliches Kunstwerk, das er als eines seiner Hauptwerke sieht. Dabei ist es auf den ersten Blick untypisch. Zwar erkennt man noch einen Torso, doch der ist so übermalt, dass das Bild des figürlich-arbeitenden Künstlers nahezu abstrakt wirkt. „Man sieht darin die Gefangenheit, aber auch die Möglichkeit von Auswegen“, deutet Huxoll selbst sein Bild.
Es hat lange gedauert, bis der Mann mit dem unglaublich abenteuerlichen Lebenslauf sich dazu durchringen konnte, die eigene Kunst zum Beruf zu machen. Vorher umrundete er lange Lebensjahre diesen Wunsch.
„In der Schule förderten die Lehrer mein Talent, doch die Eltern wollten nicht, dass ich daraus einen Beruf mache“, blickt der gebürtige Sauerländer zurück.
Berühmter Onkel
Huxoll wurde 1946 im beschaulichen Olsberg geboren. Die Faszination fürs Zeichnen hatte er im Kindergarten-Alter entdeckt, durch einen berühmten Verwandten. „Mein Onkel war Fritz Wolf. Ich war total fasziniert, wie der in wenigen Minuten Karikaturen zeichnete.“ Fritz Wolf war einer der renommiertesten westdeutschen Karikaturisten. Er stammt aus Osnabrück und arbeitete sich dort vom Lampenschirmgestalter bis zum Gebrauchsgrafiker hoch, bevor er als Zeichner Karriere machte. Er war Hauskarikaturist der Osnabrücker Zeitung, arbeitete für die „Welt“, das Flaggschiff des konservativen Axel-Springer-Konzerns und gleichzeitig für den linksliberalen „Stern“ des ebenso streitbaren Henri Nannen. In der Frauenzeitschrift „Brigitte“ waren seine Karikaturen ebenfalls zu sehen.
Heute erinnert die „Fritz Wolf Gesellschaft” an den 2001 mit 83 Jahren verstorbenen Künstler.
 Stoff in dem Träume sind
Bis Elmar Huxoll sich wirklich traute, in die Fußstapfen seines berühmten Onkels als Karikaturist zu treten, sollten lange Jahre vergehen. Erst näherte er sich der Kunst wie damals auch der Onkel im Dunstkreis der Industrie an und lernte Designs für Stoffe zum Träumen zu entwerfen. Das brachte ihn ausgerechnet in den heißen 1968-er Jahren ins quirlige West-Berlin. Von dort aus verschlug ihn „die Liebe“ ins kühle und nüchterne Finnland. „Da ich keinen Job fand, schlug ich mich als Tellerwäscher durch. Doch mein Traum war damals, als Designer in die Firma Marimekko einzutreten, die heute noch führend ist.“
Steile Karriere
Die suchten keinen deutschen Designer, hatten aber nichts gegen einen Helfer in der Handdruckerei. Als es um die Modernisierung und neue
Maschinen ging, war Elmar Huxol, der mittlerweile fließend finnisch sprach, wie gerufen da. „Die Maschinen kamen aus Deutschland und der Schweiz, da konnten sie einen Dolmetscher gut gebrauchen.“ Die Karriereleiter führte ihn bis ins Management. Schließlich wurde er Leiter der Druckabteilung in einer der führenden Weltfirmen für Bekleidungsstoff-Design. Doch wie so oft, wenn es geschäftlich klappt, hapert es privat.
Pech in der Liebe 
Die Ehe mit Eva Huxoll wurde geschieden, der Manager stieg aus und suchte zurück im heimischen Deutschland den Neuanfang. Ausgerechnet im Wendejahr 1989 kam er in Berlin an. Er versuchte sich als selbstständiger Kurierfahrer und fand dennoch Zeit für die Kunst: „1991 hatte ich meine erste Ausstellung“, freut er sich noch heute. Um die Werke auszustellen, mussten sie gerahmt werden. „Ich einigte mich mit der Bilderrahmenwerkstatt darauf, dass ich die Kosten abarbeite, wenn ich die Rechnung nicht bezahlen kann.“ Trotz pünktlicher Überweisung kam bald ein Anruf aus der Werkstatt: „Die wollten mich unbedingt haben.“
Reinfall in Prieros
So arbeitete Huxoll halbtags daran, Werke von Kollegen mit kunstvollen Rahmen zu versehen und freut sich noch heute, dadurch mit der Kunstszene fest verbunden zu sein. Das Glück winkte dem Stehauf-Männchen noch auf einem anderen Gebiet: Mit Gudrun Huxoll verband ihn bald neben dem Ehering ein neugebautes Atelier-Haus direkt am Wasser im idyllischen Ferien-Örtchen Prieros.
„Leider blieben die Besucher aus, es war einfach zu abgelegen.“ Die Liebe kühlte ebenfalls ab.
Künstler mit Lampenfieber
So kam es, dass Königs Wusterhausen mit Elmar Huxoll 2007 einen neuen Bürger bekam, der schon bald beschloss, endlich den Lebenstraum wahrzumachen: „Seit 2008 bin ich nur als Künstler tätig!“ Seine spitze Feder nimmt viel vom „Wortwitz“ des berühmten Onkels Fritz Wolf auf, der politische Anspruch findet sich in der Form von Wolf nicht: „Statt Tagespolitik nehme ich lieber meine Umwelt aufs Korn.“
Das mag manchmal überspitzt sein, vielleicht ein wenig boshaft, aber niemals bösartig. So machte er sich viele Freunde, als er die Abenteuer des „MAZ-Inspektors“ regelmäßig ins Bild setzte.
Während viele Elmar Huxoll mittlerweile als Künstler mit spitzer Feder kennen, weiß kaum jemand über seine musikalischen Talente Bescheid. Denn nur selten zeigt er sich mit seinem Hobby als Liedermacher. „Die Gitarre nehme ich nur noch privat. Früher bin ich öfter aufgetreten, doch nun, im Alter, ist das Lampenfieber einfach zu groß!“
Infos:
Tel. 0 33 75/21 16 34
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