Stand Dezember 2010
Zeit zum Hören
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Kann man Zeit hören? Wie fasst man sie in Töne? Mit dieser Frage beschäftigt sich einer der weltweit ungewöhnlichsten Komponisten.
Eine Geschichte wie aus dem Bilderbuch: Ein unbenutztes Klavier, ein Junge mit vielen Interessen.
Handball oder Musik?
Sein Leben ist geprägt durch Erfolge beim Handball-Spitzenverein in Wildau, durch viel Spaß beim Eintauchen in andere Länder im Zuge des Fremdsprachenunterrichts. Doch immer steht das Klavier in der Ecke und übt seinen unglaublichen Reiz aus. Und dann spürt eine Lehrerin, was in dem Kind steckt!
Heute ist der ungewöhnliche Junge mit der ostdeutschen Karriere im westlichsten Westen, in New York, der Stadt, die niemals schläft, gefragter Professor für Komposition. Er war als Jugendlicher an der  Spezialschule für Musik unterrichtet worden. Es folgte das Studium in Dresden, im texanischen Houston, in New York und in Südkorea. Schließlich ging es zurück an die Manhattan School of
Music, als gefragter Professor. Noch nutzt er ziemlich regelmäßig die Semesterferien, um die frühere Heimat zu genießen. Dann geht es geradewegs vom Jet ins Haus der Großeltern nach Niederlehme. Dort warten die Eltern natürlich voller Freude.
Weltweit gefragt
Reiko Füting zeigt gerne, was aus seiner kompositorischen Feder kommt, etwa bei regelmäßigen „Gesprächs-Konzerten“, die es nun schon dreimal im Sommer in der Schule von Niederlehme gab. „Mit etwas Einführung
können sich Menschen, die mit meiner Musik bisher nichts zu tun haben, in diese Klänge ohne übliche Harmonien hineinfinden“, freut sich Reiko Füting über die bisherigen Erfolge. Viel Möglichkeit, sich mit dem weltweit ungewöhnlichen Musiker auseinanderzusetzen, haben die Menschen in KW und sonstwo kaum, denn Reiko Füting gibt es nicht „auf Konserve“ sondern nur „live“.
Dabei ist er weltweit gefragt. Er feiert Erfolge in Süd- und Nordamerika, in Asien und Europa sowieso.
Leider konnte ihn bisher nur ein ausgewähltes Publikum hören. Sein Augenmerk galt Live-Konzerten. Deren Bandbreite reicht von internationalen Festivals über Berliner
„Salons“ bis zum Treffen von  „Kinderkomponisten“  am Konservatorium in Magdeburg.
Musik nach eigener Fasson
Wer aber denkt, Reiko Füting wolle sein Publikum mit sinntriefenden Tönen zum Nachdenken, Diskutieren oder
bestimmten Reaktionen „zwingen“, der irrt schon wieder: „Ich beziehe meine Anregungen am liebsten aus der Musik der Renaissance, denn die damaligen Komponisten wollten nichts vom
Zuhörer. Sie überließen es
jedem, wie er mit der Musik umgeht, was er dabei fühlt, wie er sie interpretiert. Ich sehe meine Konzerte so wie eine Ausstellung. Man kann vor einem Bild verweilen, es interessant finden oder eben nicht. Jeder kann sich dabei denken, was er möchte.“
Schüchterner Star
Reiko Füting wirkt introvertiert, fast schüchtern und ist dennoch ungemein herzlich, freundlich, zuvorkommend. Er ist auf seine Art ein Star, aber er lässt es niemandem spüren. Doch die kumpelhafte Art, Menschen einzuvernehmen, wie man es von Amerikanern oft kennt, ist ihm ebenfalls fremd. Dazu ist er zu sensibel, zu sehr ein Wanderer zwischen unterschiedlichen Welten.
Er kennt und schätzt seine europäische Heimat, lobt die Ernsthaftigkeit, mit der in Deutschland über Geschichte und Politik nachgedacht und gestritten wird. Er lobt die Menschen seiner zweiten
Heimat, den USA, „die sich im Leben immer mehrmals erfinden müssen“, und sieht auf der anderen Seite ihre Oberflächlichkeit. Er schätzt die Sensibilität und gedankliche Tiefe Asiens, hat er doch eine Zeitlang bei einem von ihm hochgeschätzten Komponisten in Südkorea studiert.
Seine Werke werden in Japan ebenso geschätzt wie in der Semper Oper von Dresden, egal ob Lieder, Kammermusik oder Orchesterwerke.
Nachwuchs in Sicht
Diese Liebe zum Fernen Osten könnte bald dafür sorgen, dass seine Heimat am Südrand von Berlin weniger oft in den Genuss kommt, mit Reiko Füting auf die musikalische Suche nach der Zeit zu gehen. Denn der Komponist wird im April 2011 Vater eines Jungen. Der wird dann die Gene mehrerer Kulturen in sich tragen, denn Mutter Nani Kang, 34, stammt aus Südkorea. Sie ist Mezzosopranistin und tritt vielfach in Opern auf. In der Region um KW ist sie durch gemeinsame  Konzerte mit Reiko Füting bekannt.
Hängt es mit dem sich andeutenden Wandel im Leben des feinfühligen Komponisten und „Klavierstars“ zusammen?
Jedenfalls hat sich Reiko
Füting nun doch zu einer
ersten eigenen CD entschlossen. Sie soll 2011 unter Obhut des New Yorker Spezial-Labels „New Focus“ erscheinen.
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