Stand Dezember 2012
RSV: Kein Platz fürs Jubiläum?
Die Paul-Dinter-Halle ist ein Wahrzeichen von Königs Wusterhausen. Darin haben viele Vereine ihre „Heimat“. Zuschauer erleben hier immer wieder spannende Wettkämpfe.
Umso erstaunlicher und fast schon beschämend ist es, dass ausgerechnet dem Verein des berühmten Namensgebers das Dach über dem Kopf fehlt!
2013 möchte der „Radsportverein 93 Königs Wusterhausen Wildau“, kurz „RSV KW“, gerne den 20. Geburtstag des Bestehens feiern. „Doch bis heute haben wir keine Ahnung, wie wir das hinbekommen, weil wir keine Vereinsräume haben“, bedauert Raimund Dinter. 
Er ist Sohn des Namensgebers der Vorzeige-Sporthalle der Stadt und selbst begeisterter Rad-Sportler.  
Legendäre Friedensfahrt
Sein Vater Paul Dinter ist
legendärer mehrfacher Teilnehmer der „Friedensfahrt“ der DDR. Er wurde 1922 geboren und war bis zu seinem Tod 2001 einer der populärsten Sportler. 1953 konnte die DDR-Mannschaft mit ihm und Täve Schur zum ersten Mal das Blaue Siegertrikot erringen. Damals war der Radstar hauptberuflich Lehrlingsausbilder im Schwermaschinenbau Heinrich Rau in
Wildau. In der Freizeit war er als Mitglied in der BSG Motor Wildau maßgeblich für die Blüte des Radsports in der Dahme-Region verantwortlich. Trotz des sportlichen Erfolgs, der für die junge DDR sehr wichtig war und groß
gefeiert wurde, kam es anschließend zu einem Bruch: „Er erhielt lobende Anerkennung durch die Parteioberen und sogar von Walter Ulbricht sowie mehrere Auszeichnungen. Dennoch geriet er in Konflikt zu den Vorstellungen der Partei, verlor seinen Posten als Ausbilder und nahm an keinen offiziellen Rennen mehr teil“, erinnert sich Raimund Dinter.  
Auszeichnung für KW
Damit hatte der Radsport in der Region sein wichtigstes Zugpferd verloren. Erst 1965 kam es zu einem Neubeginn: Dinter sollte wieder an der Friedensfahrt, die diesmal durch Königs Wusterhausen ging, teilnehmen. Das erforderte Trainingsmöglichkeiten: „Am 9.7.1965 wurde die Sektion Radsport deshalb wiedergegründet“, erinnert sich sein Sohn. Paul Dinter wurde sogar ins Organisationskomitee aufgenommen. Für Königs Wusterhausen war das Ereignis ein großer Gewinn: Die Stadt wurde als „bester Etappenort der XVIII. Friedensfahrt“ ausgezeichnet!
Star-Schmiede
In kurzer Zeit konnte Rad-Ikone Dinter die Region zu einer Schmiede für Nachwuchs-
Talente entwickeln. Seinem
systematischen Engagement für junge Fahrer verdankt die Sportwelt beispielsweise die Entdeckung von Klaus-
Dieter Scholz, der 1972 zusammen mit dem Berliner Thomas Husche „Internationaler Winterbahnmeister“ wurde.
„Er drückte mit mir die Schulbank“, erinnert sich der heute 59-jährige Raimund Dinter. Er trat ab 1966 in die Fußstapfen des berühmten Vaters. Besonders stolz ist er auf die Teilnahme am „Klassiker“ Drontheim-Oslo, wo es „540 Kilometer am Stück“ per Fahrrad zurück zu legen gilt!  
Abgewickelte Renn-Stars
Raimund Dinter ist nach dem Tod von Vater Paul Dinter 2001 einer der treibenden Kräfte des neuen Vereins RSV Königs Wusterhausen. Vorsitzender ist Reinhard Bock. Um den Rennsport kümmert sich Michael Zippan, der auf mehrere Landesmeister-Titel zurück blicken kann. Er ist der Sohn von Hans Zippan der  ebenso wie „Paule“ Dinter Radfahrgeschichte schrieb: „Er wurde 1990 letzter DDR-Meister.“
Für den Breitensport und
damit die Rennen, bei denen der Verein als Veranstalter auftritt, ist
Karsten Bienge 
zuständig, der DDR-Jugendmeister im Radcross war.
Sein Vater Fritz Bienge ist mit über 90 Jahren immer noch gerne auf dem Rad unterwegs.
Der neue RSV war 1993
gegründet worden, weil die Betriebssportgruppe im Zuge der Abwicklung des Schwermaschinenbaus in Wildau die bisherigen Vereinsräume verloren hat. „Wir sind etwa 50 Mitglieder, die meisten über 60 Jahre alt. Da wir weder
Trainingsmöglichkeiten noch Vereinsheim haben, können wir keine großen Aktivitäten entwickeln oder wie wie früher Jugendliche trainieren“, bedauert Raimund Dinter.  
Bekannt für attraktive Rennen
Dennoch hat sich der RSV 1993 in der Radsportwelt einen guten Ruf erarbeitet: Er ist Organisator für die jährlichen „Paul Dinter Gedächtnisrennen“, die von Jahr zu Jahr neue Teilnehmer-Rekorde verzeichnen. „2012 hatten wir das 11. Rennen mit über 80 Fahrern“, so Raimund Dinter. Zudem ist der Verein für
die Jedermann-Veranstaltung  „Vor den Toren Berlins“ bekannt, die 2012 bereits zum 22. Mal stattfand. Neu ist der „Dahme-Radmarathon“, den es seit 2010 gibt.
Kein Platz zum Feiern?
Zum 20. Geburtstag des Vereins gäbe es also eine Menge zu feiern. Allerdings, mangels Dach über dem Kopf fehlt dem Verein in der „Paul Dinter Stadt KW“ der Raum.
„Museum“ im Keller
Bedauerlicherweise gibt es
außerdem keine Möglichkeit, auf die herausragende Sport-Tradition öffentlich aufmerksam zu machen.
Raimund Dinter sammelt im Keller seines Einfamilienhauses den Nachlass seines
Vaters, der ja ein wichtiges Stück Radfahr-Geschichte ist. Darunter findet sich das Rennrad, mit dem die Mannschaft damals die legendäre Friedensfahrt gewann.
Nun möchte Raimund Dinter am 15. April 2013 zu seinem runden 60. Geburtstag die Sammlung einem kleinen Kreis von Rad-Stars vorstellen. „Täve Schur hat schon zugesagt“, freut er sich. Schade nur, dass immer noch keine Räume in Sicht sind, um die Exponate öffentlich zugänglich zu machen und damit den Charakter von KW als Sportstadt sichtbar zu betonen.
Infos:
www.radsport-kw.de
Tel. 0 33 75/29 01 55
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