Ein Ausflug zum Funkerberg

Weithin ist er sichtbar, der riesige, schlanke, rot-weiße Antennenmast in Königs Wusterhausen. Stolze 210 Meter reckt er sich in die Höhe und niemand sieht ihm an, daß er eigentlich tot ist, Schrott, den niemand mehr benötigt. Oder doch?

Im dazugehörigen Museum erfährt man die durchaus spannende Geschichte der Wiege des Rundfunks. Da schleppte man mit Sechsspännern die geheimnisvolle Anlage auf den damaligen Windmühlenberg. Mit Drachen und Ballonen wurden die Antennen in die Höhen gezogen. Und dahinter stand natürlich wieder einmal das Militär. Und war begeistert: Per Funk konnte Rittmeister von Lepel als erster Chef der Station Verbindung zu Truppen in den unterschiedlichsten Standorten herstellen.

Aus diesem Raum wurde am 22. Dezember 1920 ein Weihnachtskonzert live übertragen.

Eine Verbindung, die unzerstörbar war und der die feindliche Linien nichts anhaben konnte. Die Zentralfunkstation ging dann am 15. Juni des Jahres 1916 in Betrieb, als Teil der Kriegsmaschinerie des Ersten Weltkrieges.

Mit dem 29. September 1919 übernahm die deutsche Reichspost die Militärfunkstation und führte sie in eine zivile Nutzung über, den sogenannten Wirtschaftsfunk. Die Erfindung der Elektronenröhre beschleunigte die Entwicklung aufs Neue. Dem damaligen Leiter der Station, Dr. Hans Bredow, schwebte aber ein „Rundfunk für alle“, mit Übertragung von Sprache und Musik vor.

Deshalb ließ er die Postbeamten auch in dieser Richtung eifrig arbeiten. Aus dem Raum, in dem heute der Hauptteil der Ausstellung zu sehen ist, wurde am 22. Dezember 1920 ein Weihnachtskonzert live übertragen, gespielt und gesungen von Postbeamten der Funkstation. Das war die Geburtsstunde des Rundfunks in Deutschland!

Doch in den Genuß kamen nur besonders Privilegierte: Nur offiziell genehmigte Stellen durften nämlich Sendungen empfangen! Erst 1923 wurde der Unterhaltungsrundfunk für alle freigegeben. Eine also durchaus spannende Geschichte, die sich auf dem Funkerberg „zum Anfühlen“ nachvollziehen läßt.