Vom Landtag ins Rathaus

Königs Wusterhausen hat gewählt, und das langjährige Stadtoberhaupt in den Ruhestand geschickt.Ab 2002 wird mit dem Landtagsabgeordneten Stefan Ludwig frischer Wind ins Rathaus ziehen. Obwohl erst 34 Jahre alt, hat Ludwig reichhaltige politische Erfahrung: Der Jurist mit Spezialisierung auf Wirtschaftsrecht ist seit 1990 Abgeordneter im brandenburgischen Landtag. Er ist im Parteivorstand der PDS aktiv und rechts- sowie sportpolitischer Sprecher der Fraktion. Bei einer vielleicht nach den nächsten Wahlen anstehenden rot-roten Koalition in Potsdam wäre er mit diesen Voraussetzungen sogar als Minister vorstellbar. Doch nun gibt er diese Karriere auf, um an der Spitze seiner Heimatstadt als Kommunalpolitiker zu wirken. Reporter Andreas Schönstedt traf Stefan Ludwig im Landtag für ein Interview.

Ist die Wahl zum Bürgermeister einer Kleinstadt wie Königs Wusterhausen nicht ein Schritt zurück in der Karriereleiter eines Landtagsabgeordneten?
Stefan Ludwig: Für mich entscheidend ist, als Politiker dort aktiv zu sein, wo man am meisten gebraucht wird. Königs Wusterhausen ist meine Heimatstadt. Ich konnte und wollte einfach nicht mehr mitansehen, wie der Ort heruntergewirtschaftet wird.
Warum glauben Sie für den Posten des Bürgermeisters besonders geeignet zu sein?
Stefan Ludwig: Ich bringe eine andere Sicht und andere Kontakte mit. Ich kenne die Ministerien und deren Mitarbeiter und bringe eine andere Qualifikation als mein Vorgänger mit.
Was wollen Sie als erstes anpacken?
Stefan Ludwig: Das wichtigste Problem ist die wirtschaftlich nicht mehr handlungsfähige Wohnungsbaugesellschaft. Bei einem Bestand von 3800 Wohnungen hat der Eigenbetrieb der Stadt einen Schuldenberg von 142 Millionen Euro angehäuft. Wie ein Damoklesschwert hängen 50 Millionen Euro über dem Haushalt der Stadt. Werden die fällig, kann ich wohl nur die Zahlungsunfähigkeit von Königs Wusterhausen erklären. Ein weiterer Punkt ist die verödete Innenstadt. Die ist zwar baulich und architektonisch schön gestaltet, aber eben nicht besucht. Ab 18 Uhr werden dort die Bürgersteige hochgeklappt und schon vorher ist dort kaum jemand lang gelaufen. Da muss unbedingt Leben rein. Außerdem will ich Königs Wusterhausen als attraktiven Wohnstandort entwickeln. Seit Jahren stagniert die Einwohnerzahl bei etwa 17500 wogegen fast alle Kommunen im Umland von Berlin einen stetigen Zuwachs verzeichnen.
Wie wollen Sie die Finanzkrise bewältigen?
Stefan Ludwig: Das gesamte Leben der Stadt hängt an der Frage der Finanzen. Hier geht es nur noch um den Verkauf der Wohnungsbaugesellschaft! Dazu bin ich bereits mit potenziellen Investoren im Gespräch. Eine zweite Variante ist die breitere Streuung des Wohneigentums innerhalb der Stadt. Ich denke hier an die Wohnungsbaugenossenschaften. Diese Variante hätte auch den Vorteil, dass ortsansässige Unternehmen von den notwendigen baulichen Maßnahmen profitieren würden.
Wie wollen Sie die Innenstadt beleben und Königs Wusterhausen attraktiver für Einwohner und Zuzügler machen?
Stefan Ludwig: Es geht doch nicht, dass wir versuchen das A10-Center zu kopieren. Die Leute sollen in der Bahnhofstraße und im Fontane-Center nicht nur Zielkauf machen, sondern sie sollen dort auch schlendern. Deshalb muss es reizvoll werden, dorthin zu gehen. Ich habe dazu bereits die ersten Gespräche mit den Gewerbetreibenden vor Ort geführt und ich will versuchen Veranstaltungen oder Prominente dorthin zu holen. Desweiteren muss ich versuchen, den Königspark zu entwickeln. Es gibt da einige Möglichkeiten, trotz der Insolvenz des Betreibers, einzelne Gewerbeflächen zu vermarkten. Wenn ich dort Arbeitsplätze schaffen kann, gewünschter Nebeneffekt sind die Gewerbesteuereinnahmen, und die Leute verdienen dort Geld, dann können sie es auch in der Innenstadt wieder ausgeben!
Was wollen Sie in der Verwaltung ändern?
Stefan Ludwig: Als Bürger der Stadt habe ich den Eindruck, dass es sehr viel kreatives Potenzial in der Stadtverwaltung gibt, welches aber brachliegt, weil die Verwaltungsspitze die Mitarbeiter nicht ermutig, Ideen einzubringen, um es mal zurückhaltend zu formulieren. Im Gegenteil, werden Vorschläge eingebracht, dann wird der Initiator oft drastisch runtergeputzt. Das hat natürlich seine Auswirkungen auf das Klima. Das muss sich drastisch ändern. Für mich heißt Politik machen, Entscheidungen treffen und dabei möglichst viele bei der Entscheidungsfindung mit einbeziehen.
Was sind Ihre Zukunftswünsche?
Stefan Ludwig: Ich wünsche mir einen Einwohnerzuwachs, so dass die Stadt deutlich über 20000 Einwohner hat, eine stabile Wirtschaftstätigkeit und dass Königs Wusterhausen ein toller Wohnstandort mit hervorragendem Klima wird.