Interview mit Bürgermeister Stefan Ludwig

Keine Schliessungen, keine Entlassungen!

Königs Wusterhausen hat seine Einwohnerzahl fast verdoppelt, ohne selbst etwas dazu getan zu haben! Per Gebietsreform-Gesetz sind die früher selbstständigen Gemeinden Kablow, Niederlehme, Senzig, Wernsdorf, Zeesen und Zernsdorf nun als neue Ortsteile zur Stadt Königs Wusterhausen gekommen.
Wie will der Bürgermeister diese neue Aufgabenfülle bewältigen? Wir sprachen darüber mit Stefan Ludwig.

Sie sind als Bürgermeister von KW angetreten und haben nun sechs neue Ortsteile dazubekommen. Wie ist das zu schaffen?
Stefan Ludwig: „Es sind sogar bald sieben. Diepensee wird als weiterer Ortsteil dazukommen, wenn ein Drittel der Diepenseer nach Königs Wusterhausen umgezogen ist. Das wird etwa Weihnachten 2003 sein.“

Damit wird die Arbeit noch mehr. Sie müssen nun statt in einer Stadt in vielen Ortsteilen präsent sein.
Stefan Ludwig: „Diese Aufgabe ist zu bewältigen. Schließlich haben wir die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vom ehemaligen Amt Unteres Dahmeland mit an Bord. Außerdem haben wir die Verwaltung umstrukturiert und haben jetzt eine Verwaltungsebene weniger, denn das Verwaltungshandeln einer modernen und bürgerfreundlichen Verwaltung braucht kurze Wege. Die Stadtverwaltung gliedert sich jetzt in sechs Ämter. Dies sind das Hauptamt, das Amt für Finanzen, das Ordnungsamt mit Einwohnerwesen und Zuständigkeit für die Feuerwehren, das Amt für Bildung, Familie und Soziales, das Amt für Stadtentwicklung und das Amt für Gebäudemanagement.“

Dennoch wollen die Bürger ihren Bürgermeister vor Ort sehen!
Stefan Ludwig: „Ich versuche so viele Termine wie möglich wahrzunehmen. Mir stehen aber auch der erste Beigeordnete Wieland Klingler und Paul Steiner, der ehemalige Amtsdirektor des Amts Unteres Dahmeland, als mein zweiter Stellvertreter zur Seite.“

Sie haben eine Familie mit drei Kindern, Ihre Frau ist als Ärztin ebenfalls voll berufstätig. Wie funktioniert das, wenn Sie nur ganz selten zu Hause sind?
Stefan Ludwig: „Meine Familie ist einerseits natürlich stolz, anderseits aber auch ein wenig traurig, weil sie mich so selten sieht. Außerdem würde ich auch ganz gerne etwas öfter mit den beiden Großen Hausaufgaben machen.“

Manche neue Ortsteile wie Wernsdorf sind ja sehr weit weg. Müssen die Bürger nun trotzdem für alle Behördengänge nach KW kommen?
Stefan Ludwig: „Vorläufig sind alle Anprechpartner des ehemaligen Amtes Unteres Dahmeland wie bisher im Fürstenwalder Weg zu erreichen. Aus den Gemeindebüros wurden nun Bürgerbüros. In welcher Form und an welchen Orten wir den für die Zukunft geplanten Bürger-Service einrichten, kann ich leider derzeit noch nicht genau sagen. Man wird dort aber mehr erledigen können, als das in den Bürgerbüros jetzt der Fall ist. Das Einwohnermelde- und Passwesen wird aber dort nicht abgewickelt werden können. Dazu bedarf es wie auch bisher des Gangs nach Königs Wusterhausen.“

Ein Dauerproblem ist ja die Wohnungsbaugesellschaft. Wie sieht hier die Situation aus?
Stefan Ludwig: „Das Problem der Gesellschaft ist, dass sie durch den hohen Kapitaldienst gelähmt ist und seit 1998 nur sehr geringe Investitionen möglich waren. Derzeit verhandeln wir aber mit den Banken über eine Umschichtung der Schulden und einen teilweisen Schuldenerlass. Es geht dabei um einen siebenstelligen
Euro-Betrag. Wir gehen davon aus, dass die Wohnungsbaugesellschaft im Jahre 2004 erstmals wieder investieren kann. Nicht zu letzt bedeutet das auch ein erhebliches Stück mehr an Sicherheit für die Mieterinnen und Mieter.“

Leere Stadtkassen gibt es wohl auch in Königs Wusterhausen. Stehen Einrichtungen vor der Schließung?
Stefan Ludwig: „Das Land Brandenburg will den Gemeinden allein im Jahr 2004 insgesamt 120 Millionen Euro an Zuschüssen streichen. Das wird uns durchaus treffen. Dennoch werden wir keine Einrichtungen schließen. Erhebliche Einsparpotenziale sehe ich bei Heizung oder Beleuchtung, auch bei den Telefonkosten. Es bleibt auch zu überlegen, ob zum Beispiel die Straßenreinigung in größeren Abständen durchgeführt werden kann.“

Müssen Sie Personal entlassen? Immerhin bekommen Sie die Mitarbeiter vom ehemaligen Amt mit dazu?
Stefan Ludwig: „Entlassungen wird es bei mir im Jahr 2004 nicht geben. Freiwerdende Stellen werden aber nicht mehr besetzt.“

Wie ist der Stand bei den Kavaliershäusern?
Stefan Ludwig: „Im Mai 2004 wird das westliche Kavaliershaus eröffnet. Dort wird auch die Kreismusikschule ihr neues Domizil finden, es wird gehobene, aber bezahlbare Gastronomie geben und einen repräsentativen Saal für Veranstaltungen. Am 25. September 2004 findet übrigens das Schlossfest statt“.

Bürgermeister Stefan Ludwig setzt auf kurze Wege in der Verwaltung.