Dem König fehlt das Bett

Das ist nun wirklich ärgerlich: Erst klaute man ihm das Bett und dann auch noch das Waschbecken. Dabei hatte „Soldatenkönig“ Friedrich Wilhelm I. einen Sauberkeitstick und wusch sich in seinem steinernen Waschbecken im kleinen Zimmerchen im Jagdschloss von Königs Wusterhausen täglich 20 Mal – am liebsten mit eiskaltem Wasser! Doch jetzt ist das Waschbecken weg, und das Bett ebenfalls, und so ist das rekonstruierte Schlafzimmer des Königs weitgehend leer, bis auf die Bilder an der Wand. Das berichtet die Kastellanin Erika Preiße ebenso anschaulich und verständlich, wie andere Geschichten aus der Geschichte. Und damit macht die amtierende „Schlossherrin von Königs Wusterhausen“ einen Rundgang durchs liebevoll renovierte Gemäuer im Zuge einer einständigen Führung wirklich zu einem guten Tipp – und zwar auch und gerade für die, die eigentlich mit Geschichte wenig am Hut haben, oder denken, sie wüssten schon alles. Schließlich hat man in KW ja Geschichten über den König, der so rüde mit seinem Sohn Friedrich, dem späteren Friedrich dem Großen, umging, nur weil der ursprünglich ein Weichei war, in der Schule gelernt. Doch im Schloss wird dies spür- und erlebbar. Wer durch die Räume streift und sich vor Augen hält, dass „Sonnenkönig“ Ludwig XIV. in Frankreich mit seiner üppigen Hofhaltung die Optik dieser Zeit prägte, der kann erst ermessen, dass es durchaus einer Revolution gleichkam, dass unser Friedrich da nee sagte. Wer miterlebte, wie man bei Hofe dort das verprasste, was woanders erarbeitet werden musste, der versteht, dass der Preußenkönig seiner Zeit einfach weit voraus war. Er organisierte sein Land mit fast mathematischer Genauigkeit, galt selbst als Arbeitstier, lud allabendlich sein Tabakskollegium zum „Meeting“, schnitt alte Zöpfe ab und band den Adel gschickt in die Armee als Offiziere ein, damit die keine Chance zum Opponieren und Quertreiben hatten. „Und die lange Kerls waren nötig, weil die damaligen Vorderlader-Büchsen ja schon 1,50 Meter lang waren. Um die aufgestellt mit Pulver zu stopfen, mussten die Jungs schon ein bisschen größer sein!“ Dass die Königin bei all dieser Nüchternheit und den Männerspässen nicht so ganz glücklich war, kann man verstehen. Dennoch, ihr Zimmer strahlt gleich ein wenig mehr Wohnlichkeit aus, auch wenn hier die Möbel größtenteils fehlen. Doch damals war man tolerant, und so hielt sich die bessere Hälfte eben in ihrem Lustschlösschen Monbijou auf. Leider wurde dieses „Juwel“ ein Opfer der Zeit und ist heute nicht mehr existent. Doch trotz aller Schlichtheit, ab und zu hielt sich nach Friedrich Wilhelms Abgang immer wieder eine Hoheit für ein paar Monate im Schloss auf. Hohenzollern-Kaiser Wilhelm I. liess in größerem Rahmen umbauen und war superstolz auf seine Jagderfolge, der Flur des Obergeschosses zeugt von dieser Epoche. „Nun muss ich aber ganz dringend zur nächsten Führung. Eine 50köpfige Reisegruppe hat sich angemeldet, und wir haben wegen Krankenstands akute Personalnot!“ †brigens, wer sich das Geld für die Führung sparen will, der kann sich während der …ffnungszeiten im Erdgeschoss umsehen – kostenlos. Da bekommt man bereits einen Eindruck vom Gemäuer und ein Dauervideo informiert über die Bemühungen der Stiftung Preu§ischer Kulturbesitz um Schlösser und Güter. Katrin Ehrig

Geschichtsdaten
Mit 26000 Besuchern in den ersten elf Monaten des Jahres 2001 gehört das Schloss in Königs Wusterhausen zu den Touristen-Magneten der Stadt. Dennoch dürfte die „Stiftung Preußische Schlösser und Gärten“ bei einem Preis von acht Mark für die Eintrittskarte immer noch tief in den roten Zahlen sein. Gilt es doch Schlossverwalterin Erika Prei§e und ihr Personal, bestehend aus Führern, Kassenpersonal und Aufsicht, zu bezahlen. Ganz davon zu schweigen, dass die im Jahr 2000 abgeschlossene Sanierung allein elf Millionen Mark verschlungen hat. Das Jagdschloss geht auf eine Burg aus dem 14. Jahrhundert zurück. Ursprünglich hatten sich hier die Raubritter der Familie von Schlieben festgesetzt. 1475 erwarben die Schenken von Landsberg und Seyda das Anwesen. 1643 wurde die Anlage im Zuge des Dreißigjährigen Krieges von den Schweden ramponiert. Deshalb dürfte Kurfürst Friedrich Wilhelm wohl ein Schnäppchen gemacht haben, als er das marode Gemäuer kaufte. Sein Sohn Kurfürst Friedrich III, der sich später zum König Friedrich I. krönte, vermachte das Gebäude wiederum seinem Sohn, als der im zarten Alter von zehn Jahren war. Der Soldatenkönig und Vater von Friedrich dem Gro§en liebte das enge Gebäude. Nach seinem Tod 1740 wurde es nur noch selten genutzt. Ab 1805 räumte man die Möbel raus und nutzte ab 1850 den Bau als Zeughaus. Das fand Kaiser Wilhelm I. nun doch etwas schade und modernisierte das Jagdschloss. Seit 1. Oktober 2000 ist das Schloss im rekonstruierten Zustand, wie es der Soldatenkönig hatte, Museum.