Stand November 2010
Alte Boote für neue Tradition
Als Theologe muss man einen gewissen Sinn für Altes entwickeln, schließlich gilt es dabei, in über 2000 Jahre Geschichte einzutauchen.
Stefan Rackmann studierte Theologie. Ihn interessiert aber besonders die Geschichte, die hinter alter Technik steckt.
Neu ist nur, dass er von Heidelberg nach Teupitz gekommen ist. Neue Heimstatt ist, natürlich, ein altes Haus!  
Alles alt
Wer ins frühere Gästehaus der Charité kommt, der findet hier viel mehr als den neuen Verein „Oldieboote Deutschland e.V“. Auf dem Gelände mit dem historischen Haus fällt sofort ein dottergelber Citroën DS ins Auge. „Er wurde 1968 zugelassen, ist mittlerweile 280 000 Kilometer gefahren und hatte nur kleinere Schönheits-Reparaturen. Nicht mal die Hydraulik hat mich im Stich gelassen“, schwärmt der ungewöhnliche 50-Jährige. Nicht weit von der „Göttin“, wie das Fahrzeug mit der selbst heute noch zeitgemäßen Technik gerne apostrophiert wird, findet sich ein weiteres Prachtstück, eine BMW R75/5, die gerade ihren 40. Geburtstag feiern konnte. Damit war Rackmann lange Zeit als „linker Rocker“ unterwegs, als Mitglied des sozial eingestellten Motorradclubs „Kuhle Wampe“. Und weil Rackmann gerne unterwegs ist, hat er noch einen Nostalgie- Wohnwagen.
Von Heidelberg nach Teupitz
Nach Teupitz hat es ihn gar nicht mal wegen des historischen Hauses sondern wegen eines weiteren Hobbys verschlagen. Denn der Heidelberger, der beruflich als Vertreter für Software sein Geld verdiente, hatte plötzlich einen neuen Traum: „Ich wollte unbedingt ein Boot haben!“
Natürlich war für den ungewöhnlichen Heidelberger, der sich „seit ich Kind war“, für alte Sachen interessierte, klar, dass es nicht irgendein Boot sein sollte: „Ich suchte natürlich ein historisches Boot!“
So kam Stefan Rackmann 2001 zu einem DDR-Sportboot in formschöner Holzbauweise. „Es war Baujahr 1970 und hat einen 50 PS Wartburg-
Motor, der immer noch bestens funktioniert. Ich konnte es bei Oranienburg für umgerechnet 1000 Euro kaufen.“
700 Mitglieder
Aus dem neuen Hobby wurde eine weitere Leidenschaft: „Um mehr über mein Boot und DDR-Boote insgesamt zu erfahren, richtete ich im Internet ein Forum ein. Für mich war es damals neu, dass in der DDR, speziell um Berlin herum, ein derart attraktives Wassersport-Revier ist. Wir in der BRD hatten ja das Vorurteil, dass in der DDR alles grau und unattraktiv ist.“
Rackmanns Forum wurde ein voller Erfolg. „Wir haben darin über 700 Mitglieder.“ So entstand die Idee, sich einmal im Jahr am schönen Teupitzsee zum Meinungsaustausch zu treffen. Mittlerweile ist der Oldie-Boote Fan selbst hier ansässig. „Aus dem zwanglosen Treffen wurde eine Veranstaltung, die immer mehr Fans findet. 2010 kamen 100 Personen zu unserem Treff. Man kann sich vorstellen, was da los ist, wenn die alle mit Trailer und Boot eintreffen.“
Regelmäßige Treffen
Die Treffen sollen nun zur
festen Einrichtung werden und der Region Schenkenländchen neue Fans und Besucher bescheren. „Das erfordert viel Organisation, so dass wir beschlossen, aus unserem losen Verband nun einen festen Verein zu machen“, berichtet der Waltersdorfer Ralf Windmüller, der nun erster Vorsitzender ist. Bereits 2010 hat das Oldie-Boote-Treffen bewiesen, dass es eine hohe Anziehungskraft hat: „Es waren sogar etliche Fans aus dem Ausland da. Selbst aus dem fernen Amsterdam kamen Oldie-Fans mit einem historischen Holzboot“, so Windmüller.
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