Stand Dezember 2012
Puppen und Kabarett
Sie lässt gerne die Puppen tanzen, er sorgt mit Witz und Humor für frische Einblicke in die Welt. In Groß Köris hat sich ein ungewöhnliches Künstler-Ehepaar zusammen gefunden.
Sabine Scheffler ist selbst schon eine sehr vielseitige Persönlichkeit. Die gelernte Lehrerin für Kunst und Deutsch tingelte zehn Jahre lang als Puppenspielerin durch die Lande und grub sich zuletzt durch die Spinnweben vergessener Schlösser und alter Herrenhäuser. Am liebsten allerdings genießt sie ihr Eigenheim in Groß Köris.
Blühende Landschaften
Dort zückt Ehemann und Stadtmensch Andreas Scheffler mit ungewöhnlich erfolgreichem „grünen Daumen“ in einem selbstgeschaffenen Märchengarten mit herrlich blühenden Blumen und üppig wachsenden Tomaten und Paprika die spitze Feder. Ergehört zu den Urgewächsen der Lesebühnenszene in Deutschland. Gerade soeben hat er sein zweites Buch „Ausdruckstanz ist keine Lösung“ herausgebracht. Bereits vorher war „Und – sonst geht‘s gut“ erschienen. Gerne gibt er seine Sicht auf die Welt und die vielen unnötigen Neuerungen ganz persönlich im Schenkenländchen bekannt, mit Lesungen aus seinem Buch.
In der Uni gewohnt
Andreas Scheffler stammt auch noch zufälligerweise aus der westfälischen Bücherstadt Gütersloh, dort wo Reinhard Mohn aus der väterlichen Druckerei den Buchring „Bertelsmann“ machte, der in einen internationalen Medienkonzern mündete. „An meine Abitur-Scherze erinnert man sich dort noch immer“, schmunzelt der Neu-Köriser. Richtig bekannt wurde er aber erst in Berlin. 1987 begann er an der Freien Universität Germanistik, Geschichte und Publizistik zu studieren. Schon bald geriet er in den Strudel der neuen Studentenbewegung. „1989 hatten wir die Uni besetzt, ich wohnte drei Monate lang in den Seminarräumen“, blickt Scheffler auf diese aufmüpfige Zeit zurück.
Kabarett als Studienfach
Sie war geprägt von autonomen Seminaren. Eines davon beschäftigte sich mit Kabarett, und das fand Scheffler für sich wie geschaffen. Schnell kam er zu einem eigenen Stil: „Statt Rollen zu spielen schien es mir interessanter, von mir selbst zu erzählen“, erläutert er, wie er zu seinem eigenen Stil der persönlichen Weltbetrachtung kam. Dem Reiz, nach dem Mauerfall den „wilden Osten“ zu erobern, konnte das Studentenkabarett nicht widerstehen. „Unser ständiger Spielort wurde das ‚Café Paz‘ in Berlin-Mitte, später die ‚Kalkscheune“, so Scheffler.
Auftritte ohne Eintrittsgeld
„Seit acht Jahren sind wir nun jeden Sonntag um 13 Uhr in den Edison-Höfen im Jazz Club ‚Schlot‘ zu erleben“, lädt der wohl derzeit bekannteste Kabarettist des Schenkenländchens ein. Er gehört zu den ganz wenigen, der seinem Ideal aus Jugendzeiten mit 46 Jahren immer noch treu ist: „Bei uns gilt nach wie vor das Solidaritätsprinzip. Es wird kein Eintrittsgeld erhoben, wer möchte, bezahlt soviel wie er kann. Schließlich soll jeder zu uns kommen können, unabhängig vom Geldbeutel.“
„Den will ich haben“
Offenbar sind seine Auftritte so prägnant, dass sie auf Anhieb weibliche Herzen entflammen können: „Ich habe ein Plakat gesehen, das zu ‚Dr. Seltsams Frühschoppen‘ einlud. In einem ruinösen Hinterhof in der Brunnenstraße mit eisgekühltem Sekt und Obstsalat auf staubigen Mauern machte eine junge Truppe freches Kabarett. Ich wusste sofort, den will ich haben“, erinnert sich Sabine Scheffler. Sie war vorher aus Leidenschaft und Liebe, entflammt von einem Puppenspieler, der ihr erster Ehemann wurde, mit einer mobilen Bühne durch die Lande gezogen. „Es macht mir mehr Spaß, mit Puppen den Kindern Freude zu machen statt sie als Lehrer zu drangsalieren!“
Zurück bei Mutti
Sabine Scheffler ist es zu verdanken, dass das Künstler-Ehepaar nach Groß Köris gefunden hat. Ihre Mutter Ingrid Riesenberg war hier aufgewachsen, bevor sie nach Berlin heiratete. Damit war der Schritt zum Eigenheim auf dem Familiengrundstück nicht mehr so weit.
Jetzt darf man gespannt auf den „großen Roman“ sein, an dem Andreas Scheffler „seit vielen Jahren“ arbeitet. „Darin findet sich das Berlin der 1990-er Jahre wieder, es geht um das Lebensgefühl, um Looser und Spinner. Es wird ein wenig ‚Herr Lehmann‘ Atmosphäre geben und viele Überraschungen, die man nicht erwartet“, macht der „Fachmann für persönlichen Galgenhumor“ neugierig. Groß Köris wird bestimmt ebenfalls gebührend berücksichtigt werden, da kann man jetzt schon gespannt sein, welche Zeitgenossen aus dem Dorf bei Andreas Scheffler Einzug finden!
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