Stand Dezember 2012
Die Natur als Bühne
Die Natur als Bühne, mit diesem ungewöhnlichen Ansatz fängt eine Spreewälderin die Reize des Schenkenländchens auf ganz besondere Art mit ihrer Kamera ein.
Bei Sabine Reichelt entstehen Bilder, in denen so profane Erscheinungen wie ein paar Bäume, ein Tümpel oder Farne märchenhaften Reiz ausstrahlen. In ihren Fotografien wird eine „tote“ Winterlandschaft zu einem Kunstwerk voll von Dynamik und Spannung.
Am Theater ohne Abitur
Dieser besondere Blick ist sicher ihrem ursprünglichen Traumberuf mit zu verdanken: „Ich habe seit ich ein kleines Mädchen war, gerne genäht und ebenso begeistert gezeichnet. Deswegen wollte ich unbedingt zum Theater“, blickt sie zurück.
Diesen Traum haben ja viele, doch Sabine Reichelt schaffte es wirklich, ihn sich 1982 als Requisiteurin am Theater Cottbus  zu verwirklichen. Und das, obwohl sie weder Studium aufweisen konnte, noch überhaupt Abitur hatte. „Ich hatte Elektrozeichnerin gelernt, weil mir nichts Besseres eingefallen war“, schmunzelt sie.
Gleich um die Ecke
Was sich ursprünglich als Glücksfall erwies, wurde mit der Zeit zur Belastung: „Ich wohnte gleich neben dem Theater und wurde natürlich immer schnell gerufen, wenn mal jemand ausgefallen war.“ Da blieb immer weniger Zeit für Sohn Marcus, der 1981 geboren war. „Er wuchs die ersten Jahre im Theater auf, ich hatte ihn immer mit dabei.“ Offenbar hat er das Theaterleben gut aufgesogen, denn heute ist er ein bekannter Musiker und Komponist, der Filmmusik schreibt und mit seiner Gitarre in die Fußstapfen des weltberühmten Jazz-Musikers Django Reinhardt tritt. Mutter Sabine Reichelt hingegen hat es eher harte Rockmusik angetan.
Heavy-Metal-Bands
Nach dem Ausstieg beim Theater machte sie sich, was in der DDR ungewöhnlich war, selbstständig und kümmerte sich ums angesagte Erscheinungsbild von Rock-Bands, Heavy-Metal-Gruppen und Soulsängern.
Nach Freidorf ins liebevoll restaurierte ehemalige Bauernhaus mit dem freien Blick auf Feld, Wiesen und Wälder brachte sie die Liebe zu einem Mathematik-Lehrer, der in Rudow im Berliner Problem-Bezirk Neukölln unterrichtet und sich in Freidorf „am Ende der Welt“ sein persönliches Refugium geschaffen hat. Dort begann Sabine Reichelt immer öfter neben Nadel und Faden Spiegelreflexkamera und Film ins Spiel zu bringen. Dem technischen Fortschritt kann sie wenig abgewinnen. Sie fotografiert am liebsten analog aufs gute alte Celluloid. Computer mag sie gar nicht. Man kann sie weder übers Internet, noch per E-Mail oder Fax erreichen. „Ich kann nicht mal Gesellschaftstänze, was mir beim Zampern immer große Probleme bereitet“, kokettiert sie ein wenig mit ihrer Absage an die Moderne.
Ausgesucht zur Spektrale
Als Fotografin ist sie offenbar ebenso ein Naturtalent wie als Kostümausstatterin. So gelang es ihr, aus 57 Bewerbern für die Teilnahme an der „3. Spektrale“ des Landkreises Dahme-Spreewald ausgewählt zu werden. Die wird seit 2004 alle zwei Jahre ausgerichtet. Die Ausstellung 2008 fand in den Räumen der Jugendstrafvollzugsanstalt in Luckau statt. Sabine Reichelt hatte sich mit dem Thema „Zucht-Haus – Jugend hinter Gitter“ beworben und sich in ihren Aufnahmen mit der trostlosen Atmosphäre und der dadurch ganz anderen Sicht auf Freiheit und Natur auseinandergesetzt.
Sagenhafte Natur
Es ist also immer wieder die Wirkung der Natur auf die Menschen, die die Freidorferin fasziniert. Das macht sie so fesselnd, dass die Forstverwaltung Brandenburg sie engagierte, um die Wälder der Region in ihrer märchenhaften Ausstrahlung einzufangen. Die entsprechende Ausstellung war in verschiedenen Orten im Dahmeland und im Museum in Königs Wusterhausen zu sehen. Dann wieder sind es Nebellandschaften, die ihre Fantasie anregen. „Als Spreewälderin bin ich nun mal für Mythen und Sagen sehr empfänglich und gebe dies in meinen Fotografien weiter. Dabei kommt es mir immer auf eine besondere Perspektive an, die für einen räumlichen Charakter sorgt, ganz wie auf der Bühne.“
Verletzungen im Blick
Die zartfühlende Künstlerin hat allerdings ihre „harten“ Seiten weiter behalten und machte Freidorf zum Anziehungspunkt von bekannten Motorradsportlern. Für die fertigt sie  in ihrem Keller-Atelier Leder-Spezialbekleidung an, die bei den unvermeidlichen Stürzen vor schweren Verletzungen bewahren muss.
Damit ist der gemeinsame Nenner für ihre beiden künstlerischen Adern gefunden, denn so wie mit den Lederkombis die Fahrer möchte sie mit den Fotos die Natur vor Verletzungen bewahren, indem sie auf deren fragile  Schönheit hinweist!
Infos:
Tel. 03 37 65/2 89 91
Tel. 01 74/9 39 78 57
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