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Eine Goldgrube ohne Gold, damit
erlangt das Schenkenländchen
deutschlandweit einen hohen
Bekanntheitsgrad. Denn einer der
„Schätze“, die sich fanden, waren die
Hinterlassenschaften eines Juweliers,
der vor fast 2000 Jahren wirkte.

Offenbar waren die germanischen Frauen
sehr schönheitsbewusst. Sie trugen
Broschen, und Fibeln aus Eisen, Bronze
oder Silber. Perlen aus Glas sorgten für
zusätzliche Effekte. „Ob bei der
Beschaffung die Keule im Schwange war,
können wir heute leider nicht mehr
feststellen“, bedauert Sven Malte Gustavs.
„Klar ist, dass die Germanen kein Glas
herstellen konnten, sondern sich bei den
Römern bedienten. Die waren aber nicht in
unserer Region. Also können die Schätze
entweder aus Handel oder kriegerischen
Handlungen stammen“, so der Rückschluss
des Archäologen aus Potsdam. Der 79-
Jährige hat sich das Leben unserer
Vorfahren zur Lebensaufgabe gemacht. Er
sorgt mit viel Energie dafür, dass das
Freiluftmuseum „Germanische Siedlung“
ständig erweitert wird. Er hat für diese
Aufgabe einen Verein gegründet, der
mittlerweile zwei Dutzend Mitglieder hat.
Bisher konnte man hier sehen, wie die
alten Germanen, die hier ums Jahr 100
herum sesshaft waren, wohnten und in
Grubenhäusern Stoffe mit einem einfachen
Webstuhl herstellten oder Felle
bearbeiteten. Nun ist ein originalgetreuer
Speicher dazu gekommen. Der steht auf
massiven Holzpfosten. „Das wurde so
gemacht, damit die Mäuse und andere
Nager nicht hineinkamen. Man hat die
Vollpfosten dann noch mit einer
Einkerbung versehen. Der Überstand war
für die Maus ein unüberwindbares
Hindernis!“

So schlau waren die alten Germanen!
Diesen Trick könnte man heute sicher an
manchen Stellen wiederbeleben!
Allerdings hielt sich das technische
Vermögen unserer Vorfahren wohl in
Grenzen. So hatten sie zwar eine Säge, um
aus Knochen Kämme zu machen und
konnten damit gepflegt auf dem Acker
buddeln. Zu einer Säge um Holz zu
bearbeiten kam es aber nicht: „Sie machten
das ausschließlich in mühevoller
schweißtriefender Arbeit mit der Axt“,
weiß Sven Malte Gustavs. Ganz neu auf
dem Areal ist ein Kalkbrennofen. Der
Grundstoff wurde aus den Wiesen
gewonnen. „Kalk wurde vor allem zum
Malern verwendet. Er war zudem für die
Lederherstellung wichtig, denn damit
konnte man die Haare ablösen“, erklärt
Gustavs die Bedeutung. Während man fast
überall Rundöfen für diesen Zweck hatte,
setzte man im Schenkenländchen auf
Langöfen. Durch diese ungewöhnliche
Konstruktion geht die Region in die
Wissenschaft ein: Dieses besondere
Ofenhaus gilt nun als „Typ Klein Köris“.
Das Problem der Germanen war wohl, dass
ihnen der Sinn für grüne Ideen etwas
fehlte! Da sie über 300 Jahre den
Boden nur ausgelaugt hatten, ohne ihn zu
regenerieren, wurden die Ernten
schließlich so schlecht, dass sie 450
offenbar ihre Koffer packten und sich von
hinnen machten. Dass sie damals bereits
Honigbienen für ihren Met arbeiten ließen,
wie man ebenfalls neuerdings auf dem
Areal besichtigen kann, half ihnen wohl
wenig, „Allerdings sind sicher ein paar
Bewohner dageblieben“, vermutet Sven
Malte Gustavs.

Die Hinterlassenschaften unserer
Vorfahren wurden 1975 vom Maler und
Hobbyarchäologen Bernd Fischer aus
Zeuthen entdeckt. Ihm waren
Keramikscherben auf dem Feld
aufgefallen, die er entsprechend wertete
und nach Potsdam meldete. Im
selben Jahr kam es auf dem Gelände zu
Erdabtragungen. „Deshalb mussten wir mit
einer Notgrabung die Funde sichern“,
erinnert sich Gustavs an die Anfänge
zurück, die sich 2015 zum 40. Mal jähren.
Seitdem sind die teilweise einzigartigen
Funde sein Lebenswerk. „Man hat hier
wegen des hohen Grundwassers erstmals
erhaltene Holzpfeiler gefunden, an
denen man die Art der Bearbeitung sieht.
Bisher hatten wir nur die Löcher der
Pfeiler ausmachen können!“ Ein
Geheimnis bewahrt die „Germanische
Siedlung“ allerdings bis heute. Niemand
weiß, wieviele unserer Vorfahren dort
gelebt haben. „Das würde man aufgrund
der Gräber ermitteln können, doch der
Friedhof konnte bisher nicht gefunden
werden. Vielleicht ist er da, wo nun Wald
ist“, nennt Gustavs als Problem. Leider ist
die „Germanische Siedlung“ trotz ihrer
Einzigartigkeit nur von März bis Oktober
jeweils am ersten Sonntag im Monat für
alle geöffnet. „Wir können uns kein
Personal leisten. Die Vereinsmitglieder
sind teilweise berufstätig oder wohnen im
weiten Umkreis, so dass längere
Öffnungszeiten leider nicht möglich sind.
Allerdings richte ich für Gruppen gerne
Sonderführungen nach Absprache ein“,
bietet der 79-Jährige als Alternative für
Interessierte an. Dennoch spricht sich der
Ruf des ungewöhnlichen Freiluftmuseums
immer weiter herum. So klopfen häufig
Filmteams an. Gerade soeben nahm das
ZDF Klein Köris ins Visier, um dort einen
Hintergrund für eine Dokumentation über
Wikinger zu finden. „Die waren nie hier,
aber ihre Hütten dürften ähnlich
ausgesehen haben“, hat Gustavs
Verständnis. Schließlich sorgen so die
alten Germanen Schritt für Schritt dafür,
dass bei ihren Nachfahren buntes Leben
entsteht, selbst wenn der Met dabei nur
selten in Strömen fließen dürfte!

Infos:
Tel. 01 60/99 13 11 86

Rätsel um die Seelen der Germanen

Stand November 2014

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Dieses Problem dürften die Germanen ab und zu
ebenfalls gehabt haben: ein Loch ist im Eimer!

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Sven Malte Gustavs machte aus der
Grabungsstätte ein Freiluftmuseum, das Klein
Köris große Aufmerksamkeit beschert.

Zur Stoffherstellung genügte dieser einfache mit
Steinen als Gewicht beschwerter Webstuhl.

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Die Küche war bei den Germanen etwas
spartanisch gehalten. Es gab nicht mal einen
Rauchabzug.