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Bild Vorfeldarbeiterin Gabriele Appel Bild Vorfeldarbeiterin Gabriele Appel

„Reine Haut“ für Flugsicherheit

Autofahrer kennen das Übel, den Wagen vor dem Abfahren von Schnee und Eis befreien zu müssen. Bei Flugzeugen ist dies nicht anders, nur dass diese im Vergleich zum Auto von immenser Größe sind.

Deshalb benötigt man für diese „Herkules-Aufgabe“ schwere Lastkraftwagen mit Spezialtechnik. Wer im Winter fliegt, hat damit regelmäßig ein Erlebnis: Dann sitzt man in der Maschine und wartet, dass es endlich losgeht. Der Pilot wartet ebenfalls, auf eine „Dusche“, mit Enteisungsmitteln.

Allein auf dem Vorfeld
Für beides und für noch viel mehr ist Gabriele Appel mit im Einsatz. Sie ist auf dem Flughafen Schönefeld die einzige Frau „auf dem Vorfeld“. Das bedeutet, dass sie mit teilweise riesigen Gefährten für Aufgaben im Einsatz ist, die für Fluggäste und Crew essenzielle Sicherheits­bedeutung haben, wie etwa die Enteisung vor dem Abflug. „Eis und Schnee belasten das Flugzeug unterschiedlich und würden die Gefahr unkontrollierbarer Reaktionen bedeuten, da sie die Aerodynamik beeinflussen“, erklärt Gabriele Appel den Hintergrund.

Verantwortung für Flugsicherheit
Das bedeutet eine enorme Verantwortung, die die Tornowerin gerne auf sich nimmt. Das machte sie zur „Vorzeige-Frau“ ihres Arbeit­gebers WISAG, der für die beiden Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld zuständig ist. Die 47-Jährige ist offenbar niemals zu bremsen. Nur das erklärt ihre beispielsgebende Karriere. „Ich habe ursprünglich Köchin gelernt“, schmunzelt sie. Doch hinter den Kochtöpfen fehlten ihr einfach Bewegung und Spannung. So machte sie den ungewöhnlichen Schritt in die Verkehrstechnik und wurde für mehrere Jahre Straßenbahnfahrerin. Wer täglich erlebt, wie sich die vollgefüllten Züge durch den Verkehr kämpfen müssen, ohne mit unvorsichtigen Fußgängern, Radfahrern und Autos zu kollidieren, kann ermessen, welch ein Stress so etwas Tag für Tag sein dürfte.

Vielfach im Einsatz
Gabriele Appel wollte aber mehr: Nach einigen Jahren Schreibtischarbeit im nunmehr heimischen Tornow bewarb sie sich nach entsprechender Qualifizierung zur Arbeit auf dem Flughafenvorfeld in Schönefeld. Nunmehr ist sie für viele technischen Vorgänge zuständig: „Ich steuere Fahrzeuge wie Gepäckschlepper und Förderbänder. Außerdem bediene ich das Stromgerät für die Flugzeuge. Ich habe jetzt als erste Frau die Prüfung zur Flugzeugenteisung bestanden. Die Enteisungsfahrzeuge sind tonnenschwere LKW. Entweder fahre ich sie selbst oder es geht hoch in die Kabine, in der mit Joystick gearbeitet wird. Die Kabine kann an einem Auslegerarm bis auf 16 Meter hochgefahren werden. Dann sprüht man die Enteisungsflüssigkeit auf die Flugzeuge.“

Bundesweit bekannt
Obwohl Gabriele Appel damit bereits „Geschichte“ schreibt, hat sie noch weitere Ziele: „Als nächstes möchte ich dazu kommen, Flieger in Parkposition zu navigieren, fahrbare Treppen und den Brückenarm bedienen.“ Damit wird man als Fluggast also direkt von einer netten Tornowerin empfangen. Mit ihrer Tätigkeit macht Gabriele Appel bundesweit Furore, denn sie gilt als „Aushängeschild“ bei einem Projekt, das mehr Frauen in die technische Abwicklung auf dem Flugfeld integrieren möchte. Als solches wird in einer bundesweiten Initiative mit ihrem Bild auf Plakaten und Prospekten dafür geworben, dass Frauen „sich trauen“.

Runde Sachen
Der Spaß daran, frühere Männerdomänen zu knacken, hatte Gabriele Appel im Schenkenländchen schon lange vorher bewiesen. So war sie fünf Jahre lang Jugendtrainerin beim „SV Teupitz/Groß Köris“. Anschließend engagierte sie sich für den Frauenfußball im Schenkenländchen. Nun wirbt sie unter der Devise „Fußball wagen“ dafür, dass sich wieder mehr Mädchen ans runde Leder „trauen“. Der Traum wäre wieder eine eigene Frauenmannschaft. Man darf der energiegeladenen Tornowerin zutrauen, dass sie das ebenso schafft, wie als einzige Frau unter 150 Männern auf dem Flughafen Schönefeld gigantische LKW-Kolosse zur Sicherheit der Flugpassagiere zu bewegen!