Interview mit dem neuen Amtsdirektor

Wirtschaftsförderung ist Chefsache!

Seit Juli 2003 hat das Amt Schenkenländchen einen neuen Amtsdirektor. Wir wollten wissen, wohin sich seiner Meinung nach die Region entwickeln soll. Wird es der Tourismus sein, sollen große Firmen die Orte beleben, oder geht es mehr darum, vorhandene Betriebe zu fördern?
Ulrich Arnts ist 49 Jahre alt und kommt ursprünglich aus der Ruhr-Kulturmetropole Recklinghausen. Er lernte Industriekaufmann, bevor er in die Verwaltung wechselte. Der Diplom-Verwaltungswirt war unter anderem als freier Journalist tätig, entwickelte sich zum Fachmann für Baurecht und war in dieser Funktion gefragter Dozent an der Fachhochschule. Die letzten fünf Jahre verbrachte er als Verwaltungsleiter im bayrisch-schwäbischen Ried. Damit lernte er nach dem industriell und städtisch geprägten Nordrhein-Westfalen den ländlich geprägten „Speckgürtel“ westlich von München kennen.

Ihr letzter Arbeitsplatz war in Bayern. Sie waren für einen Gemeindeverbund am Speckgürtel von München als Verwaltungs-Leiter tätig. Was lässt sich aufs Schenkenländchen übertragen?
Ulrich Arnts: „Sie sagen es schon: Beide Regionen grenzen unmittelbar an das direkte Einzugsgebiet einer Großstadt. Da gibt es viele Übereinstimmungen: Erholungsmöglichkeiten, Bauplätze, die günstiger zu erwerben sind, wie im direkten Speckgürtel. Die Gemeinden haben noch ein echtes Eigenleben, das es meiner Ansicht nach zu erhalten gilt. Es geht darum, eine behutsame Entwicklung zu erreichen, die den besonderen Charakter der Region bewahrt.“

Sie sind ein erfahrerer Verwaltungsfachmann. Wie sieht Ihre Handschrift aus?
Ulrich Arnts: „Mein Motto ist: Gestalten statt verwalten. Ich sehe meine Hauptaufgabe darin, jede einzelne Gemeinde voranzubringen. Im Schenkenländchen geht es darum, an die lange Tradition als Urlaubs- und
Erholungsgebiet anzuknüpfen. Wir müssen deshalb unsere touristische Infrastruktur weiter entwickeln und für unser Gebiet bei denen Werbung machen, die es noch nicht so kennen. Ich denke da an die vielen Zuzügler, besonders die Neu-Berliner, die doch alle fürs Wochenende Naherholungsziele suchen. Unsere Region ist mit der guten Autobahnanbindung ideal dafür.“

In Bayern schufen die Gemeinden Naherholungsgebiete mit kostenfreien Parkplätzen und Stränden, für die keine Eintrittspreise erhoben werden. Schwebt Ihnen ähnliches vor?
Ulrich Arnts: „Tatsächlich fuhren die Gemeinden mit den in diesem Bereich getätigten Investitionen gut. Es kamen Besucher, die sich beim örtlichen Einzelhandel eindeckten, die in die Gasthäuser gingen und sich, zumindest fürs verlängerte Wochenende, in örtliche Pensionen und Ferienwohnungen einmieteten. Ich denke, dass dies durchaus eine Entwicklungsperspektive wäre. Naturverbundene Seen haben wir schließlich genügend!“

Wo sehen Sie weitere Entwicklungsperspektiven?
Ulrich Arnts: „Natürlich als attraktives Wohnumfeld. Von unseren Gemeinden ist man in kürzester Zeit in Berlin. Andererseits ist es zur Barock-Metropole Dresden ebenfalls nicht weit. Bei uns kann man wirklich da wohnen, wo die Menschen immer wieder gerne Urlaub machen. Schließlich war die Region zu DDR-Zeiten gleich nach der Ostsee das beliebteste Feriengebiet. Ich wünsche mir vor allem, dass junge Familien zu uns ziehen. Bei uns können sie sich Grundstücke leisten, von denen sie woanders nur träumen könnten. Und wie gesagt, per Autobahn oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, ist man schnell in der Metropole Berlin.“

Junge Familien benötigen Schulen, Kitas. Überall in Brandenburg werden diese Einrichtungen geschlossen. Wie sieht es im Schenkenländchen aus?
Ulrich Arnts: „Noch sieht es bei uns einigermaßen gut aus. Ich werden mich entschieden dafür einsetzen, dass wir den Bestand aufrecht erhalten können. Ich bin als jemand bekannt, der Entwicklung mit Weitblick betreibt.“

Die Zukunftsideen hören sich gut an. Doch aktuell haben wir erhebliche wirtschaftliche Probleme. Es fehlen schlichtweg Arbeitsplätze, die Menschen wandern ab. Mit Cargo Lifter ist der letzte Hoffnungsschimmer erst mal verblasst.
Ulrich Arnts: „Natürlich wäre es wünschenswert, wenn wir weitere Investoren für uns gewinnen könnten. Hoffnungen setze ich bei Cargo Lifter zunächst einmal in die Nachfolgenutzung Tropical Island. Ansonsten denke ich weniger an spektakuläre Großprojekte, eher an kleinere innovative Dienstleister. Wenn wir es schaffen, die Reize des Schenkenländchens als einzigartige Region zu kommunizieren, so haben wir durchaus eine Chance, Betriebe, etwa aus der Medien- oder Hightec-Branche, für uns zu gewinnen. Aber das ist erst mal noch Zukunftsmusik. Jedenfalls gilt bei mir: Wirtschaftsförderung ist Chefsache!“

Ulrich Arnts will das Schenkenländchen vorwärts bringen.

Ulrich Arnts wünscht sich Impulse durch junge Familien.