Kennt „der Neue“ sein Amt?

Nun ist es über ein Jahr, dass das Schenkenländchen einen neuen Amtsdirektor hat. Hat sich der Nachfolger der berüchtigten „Schenken von Landsberg“, die der Region ihren Namen gaben, eingelebt? Wie gut kennt er sich in seinem „Reich“ nun zwischenzeitlich aus? Schließlich kommt Ulrich Arnts ursprünglich aus Nordrhein-Westfalen und sammelte dann lange Zeit Verwaltungs-Erfahrung in Bayern. Er leitete eine Verwaltungsgemeinschaft im Speckgürtel von München. „Mittlerweile habe ich das Schenkenländchen sehr gut kennenlernen können. Ich war immer wieder überrascht, wie wunderschön es hier ist. Wenn ich das Freunden in Westdeutschland erzählte, dachten die, ich würde maßlos übertreiben. Als sie dann zu Besuch kamen, waren sie total fasziniert“, beschreibt Arnts die neuen Erfahrungen.

Teupitz sitzt an der Quelle
Unsere Rundreise durchs Schenkenländchen beginnt natürlich in Teupitz, denn dort, im Rathaus am Markt, hat Ulrich Arnts schließlich seinen Dienstsitz. Auf der gegenüberliegenden Seite präsentiert sich der Gehweg liebevoll gestaltet, Parkbuchten sind angelegt. Nun denkt Dr. Karsten Kuhl als Bürgermeister von Teupitz daran, auch den bisher vernachlässigten Teil vor der Haustüre des Amts entsprechend auszubauen, was Ulrich Arnts sehr freut. Ebenso, wie der „Coup“, der ihm gerade gelungen ist: „Das Geschäftshaus neben dem Rathaus an der Ecke Poststraße stand zum Verkauf. Da wir dringend neue Räumlichkeiten als Ersatz für das marode Bauamt in der Lindenstraße suchten, schlug ich dem Amtsausschuss vor, das Haus zu erwerben. Die Bürgermeister gaben grünes Licht. Zur Zeit wird an der Planung und Raumorganisation gearbeitet.“ Damit dürfte Teilen der Verwaltung bereits 2005 ein Umzug bevorstehen. Teupitz hat das bekannte Schloss, die sanierte Kirche, den schönen Altstadtbereich und die Strandpromenade. Doch Ulrich Arnts hat noch einen Geheimtipp ausgemacht. Den Tornower See.
Über die Seestraße im Ortsteil Tornow geht es an den Strand und dann heißt es am Ufer entlang spazieren. Dann sind wir an einer fröhlich sprudelnden Quelle. „Das ist eine der ganz wenigen offen liegenden Quellen, die es in der Region gibt.“ Sichtbar stolz ist der Amtsdirektor auf das neue Forsthaus in der Waldstraße. Ganz in Holz gehalten, drückt es aus, dass die Hatzfeldt-Wildenburg‘sche Verwaltung als neuer Eigentümer der Wälder um Massow viel von Naturschutz hält.
Gerade sind die Verhandlungen mit der Stadt Teupitz über den Ausbau wichtiger Forstwege abgeschlossen: „Es wurde schriftlich vereinbart, dass die Wege nach dem Ausbau weiterhin von den Bürgern und Besuchern mit benutzt werden dürfen!“

Schwerin mit neuer Brücke
Nächste Station ist Schwerin. Der Ort schlängelt sich malerisch um mehrere Seen. Besonders reizvoll ist die neuausgebaute Seestraße, die auf eine Landzunge führt, die den Schweriner See vom Teupitzer See trennt. Hier allerdings hätte es fast
zuviel der Trennung gegeben. Denn bei Routineuntersuchungen ergab sich, dass die Brücke, die einen Durchfluss zwischen den Seen darstellt, einsturzbedroht ist. Also mussten Schwerins Bürgermeister Heinz Gode und der Gemeinderat den klammen Gemeindsäckel öffnen, um einen Brückenneubau zu ermöglichen.
Um die Bewohner der Insel nicht völlig vom Land abzuschneiden, hat man einen provisorischen Damm neben der Brücke aufgeschüttet. Kann man den nicht lassen, anstatt teuer die Brücke neu zu bauen? „Leider nein. Fach–leute befürchten, dass dann der Wasseraustausch zwischen den beiden Gewässer blockiert wäre. Zu wenig Sauerstoff und ein langsames Absterben des Sees könnten die Folge sein.“

Trinkwasser und Feuerwehr für Groß Köris
Nun geht es nach Groß Köris mit seinen Ortsteilen Klein Köris und Löpten. Touristische Wahrzeichen sind die romantische handbetriebene Zugbrücke in Groß Köris und das Germanische Dorf in Klein Köris. Bürgermeister Detlef Roggan ist es gelungen, in einem pfiffigen Handel mit dem Land eine brachliegende Fläche gegenüber vom Strand des Kleinköriser Sees in einen kleinen Park umwandeln zu lassen, der nun zum Ausruhen einlädt. Ganz neu wird die Gemeinde 2005 eine moderne Trinkwasser-Versorgung erhalten, da die alten Brunnen außer reinem Wasser auch Verunreinigungen abgeben. „Gebaut werden soll an zwei Stellen gleichzeitig, nämlich jeweils von den Ortsrändern von Klein Köris und Groß Köris beginnend, so dass man sich schließlich in der Mitte trifft“, schmunzelt Ulrich Arnts. Schließlich kennt er die Befindlichkeiten vor Ort. Doch selbst wenn es manche aus historischen Gründen resultierende Eifersüchtelei zwischen Groß und Klein Köris gibt, in wichtigen Dingen ist man sich einig. Etwa beim Brandschutz: Der Rohbau des neuen Feuerwehrgebäudes an der Chausseestraße ist schon fertig, 2005 soll das Gebäude dann in Betrieb genommen werden.

Münchehhofe hat eine Schleuse nur für kleine Boote
Zu Münchehofe gehört Birkholz und Hermsdorf als Ortsteile. Wir wollen nach Hermsdorf Mühle. Dahin kommen wir über eine frühere Panzerstraße, da muss sich der Amtsdirektor schon ein wenig durchschütteln lassen. Aber Hut ab, Ulrich Arnts scheint mittlerweile auch den verstecktesten Waldweg zu kennen. In Hermsdorf Mühle darf „Schenk Ulrich“ mal Schleusenwärter spielen. Es ist wirklich ein idyllisches Plätzchen, das Bürgermeister Hartwig Meißner da seinem Verwaltungsleiter empfohlen hat. „Ich komme im Sommer oft hierher, da ist dann immer eine ganze Menge los“, weiß Ulrich Arnts. Allerdings sind es meist Paddler und ganz kleine Boote, die den Service dieser Schleuse nützen. Denn für größere Familienyachten wäre bereits im nächsten Ort, nämlich in Märkisch Buchholz, Endstation. Dort versperrt ein Wehr die Weiterfahrt vom Spree-Dahme-Umflutkanal in den Köthener See.

Märkisch Buchholz – Kleinste Stadt Deutschlands
Märkisch Buchholz ist nächste Station. Bürgermeister Karl-Heinz Haucke hat das Zeug dazu, Deutschlandweit berühmt zu werden. Ist er doch an der Spitze der kleinsten Stadt der Bundesrepublik. Denn der Ort hat gerade mal 860 Einwohner. Die Ackerbürgerstadt bildet das östliche Zentrum des Schenkenländchens. Berühmtester Bewohner ist der Schriftsteller Franz Fühmann. Er stammte ursprünglich aus Rochlitz in der heutigen Tschechei und avancierte nach der Entlassung aus der sowjetischen Kriegsgefangenschaft zu einem gefragten Schriftsteller in der DDR. Nach der Niederschlagung des Prager Frühlings betrachtete Fühmann in seinen Romanen das Alltagsleben in Ostdeutschland zunehmend kritischer und geriet immer mehr in Opposition zum Regime. Dafür wurde er zum Förderer junger aufmüpfiger DDR-Literaten. Nun wird 2004 pünktlich zum 20. Todestag von Franz Fühmann eine Stele auf dem Marktplatz von Märkisch Buchholz aufgestellt. „Ich habe mir viele Lesungen angehört und war begeistert über die klare Sprache von Fühmann. Überall, ob bei uns, in Königs Wusterhausen oder in der Staatsbibliothek in Berlin, sorgte Fühmann für volle Säle.“ Das brachte nun Ulrich Arnts und Bürgermeister Haucke auf die Idee, am Ort eine Fühmann-Gedenkstätte einzurichten, sofern die Gelder locker gemacht werden können. Welcher Ort wäre dafür besser geeignet, als die leerstehende Alte Dorfschule, die ja Franz Fühmann Schule heißt! Sie ist in einem ausgezeichneten Zustand, da sie liebevoll saniert wurde, bevor man sie schloss. Dort könnte der Franz Fühmann Freundeskreis, der in einem Zusatzgebäude quer über den Hof untergebracht ist, mit einziehen. Und das eine oder andere Zimmerchen wäre dann sicher noch frei. „Da könnten wir die Außenstelle der Amtsverwaltung ansiedeln. Sie ist momentan
in einem ziemlich maroden Gebäude untergebracht!“

Das Amt im Überblick erfordert Kondition
Um sein Reich im Überblick zu haben, muss Ulrich Arnts in die „Fremde“. Denn der beste Blick von oben bietet der neue Aussichtsturm auf dem Wehlaberg. Von Köthen geht es nach Groß Wasserburg, und dort ist der Turm bereits ausgeschildert. Wer sich vorschriftsgemäß auf den Parkplatz stellt um zu Fuß den Panoramablick erheischen zu wollen, sollte übrigens viel Kondition und Zeit einplanen, denn der Weg ist etwas sehr lang geraten! Radfahrer dagegen dürften mit den erstaunlich vielen und hohen Ab- und Auffahrten so ihre Mühen haben. Und was die Orientierung angeht, je tiefer es in den dunklen Wald geht, um so kleiner werden die Schilder. Nur gut, dass Ulrich Arnts sich auskennt!
Der hölzerne Turm fällt auf und harmoniert gleichzeitig mit der Landschaft. Echt gelungen kann man nur sagen. Und dann geht es im Sauseschritt die Treppen hinauf. Endlich oben, muss ich erst mal nach Luft schnappen, ganz im Gegensatz zum wenig von der Sportübung beeindruckten Amtsdirektor. Woher diese Kondition? „Ich spiele regelmäßig Tennis, turniermäßig. Deshalb bin ich auch im Tennisverein von Königs Wusterhausen, denn der örtlichen Verein in Teupitz nimmt nicht an Turnieren teil!“ Ob man den neuen Schenken vom Schenkenland vielleicht in naher Zukunft in Wimbledon sehen wird? „Dafür bin ich leider zu alt, Seniorentennis haben die dort ja noch nicht!“ Der Ausblick vom Turm rechtfertigt die Strapazen. Übers Schenkenländchen, bis nach Berlin reicht der Blick. Und auf der anderen Seite ragt die ehemalige Cargolifter Halle in Brand beeindruckend aus der Landschaft. Und die ist nun unser nächstes Ziel!

Halbe im Blick der Welt
Halbes Bürgermeister Ralf Kunze gerät mit Tropical Islands im Ortsteil Brand in den Blick der Weltöffentlichkeit. Doch er ist Aufmerksamkeit gewöhnt, schließlich kennt man Halbe durch den Soldatenfriedhof in vielen Ländern. Nun hat man in Brand auf dem früheren Militärflughafen der Sowjettruppen das weltweit einzige künstliche Tropenparadies. Auf dem Weg dahin sehen wir links im Wald halbzerfallene Häuser: „Die Russen hatten hier eine richtige Stadt mit Einkaufsmöglichkeiten, ja sogar ein Theater gab es“, weiß Ulrich Arnts. Die Wachleute am Eingang von Tropical Islands kennen ihn schon: „Ich mache hier fast jede Woche eine Führung, so groß ist das Interesse an dieser Weltsensation!“ Auf dem Rückweg nach Teupitz heißt es gleich nach Tropical Islands erst mal warten: Die Bahnschranke ist wieder mal geschlossen. Wie sollen so die erhofften 8000 Besucher täglich nach Brand kommen? „Eine Überführung ist bereits geplant und soll noch 2005 realisiert werden. Um die Sache zu beschleunigen, hat sich die Gemeinde Halbe bereit erklärt, sich an den Planungskosten zu beteiligen. Die Bahn veranschlagte dafür 50000 Euro. Kaum hatte man in Halbe diesen Betrag bereit gestellt, machte die Bahn eine neue Rechnung auf: Nun soll die Planung 90000 Euro kosten. Dabei sollten die Eisenbahner doch froh sein, dass durch Tropical Islands ihre Züge mehr ausgenutzt werden. So hat Colin Au organisiert, dass Engländer mit dem Flugzeug nach Schönefeld kommen, um dann per Bahn nach Tropical Islands befördert zu werden!“ Da bleibt Ulrich Arnts also auch im zweiten Jahr seiner Amtszeit noch einiges zu regeln!

Brücke in
Schwerin

An der Quelle am Tornower See kommt Ulrich Arnts manche Idee!

Groß Köris bekommt ein neues Feuerwehrgebäude.

In Hermsdorf Mühle wartet die Schleuse auf Paddler und Boote.

Ulrich Arnts kennt sich bestens in Tropical Islands aus.

WEITERE FOTOS

Märkisch Buchholz könnte Franz Fühmann Stadt werden.