Mit Zedern-Kanus zum Erfolg

Mit dem Bootsbau ist das ja so eine Sache: Werftensterben, lange Zeit stagnierende Nachfrage – wer würde an der Küste und im nahen Binnenland einen Groschen für dieses einstmals blühende Handwerk verwetten? Da schüttelt der Norddeutsche bedächtig sein Haupt: „Nee Danke!“ Doch ausgerechnet ein Sachse will nun das Gegenteil beweisen. Und weil Neu-Anklamer Carsten Enke (34) eigentlich aus der Zittauer Bergwelt kommt, setzt er gleich noch eins drauf: Seine Boote müssen aus dem Naturmaterial Holz sein. Ein Greuel für moderne Schiffsbauer und Freizeitkapitäne: Schwierige Verarbeitung, hohe Pflegebedürftigkeit und immer doch ein kleines Leck! Der gelernte Umwelttechniker kann über soviel Skepsis nur schmunzeln. Seit sechs Jahren arbeitet er in Anklam auf seiner eigenen Werft und macht das, was er eigentlich schon immer machen wollte: Er baut Boote. Dafür ist er in den Norden umgezogen, dafür hat er die schweißtreibende und kapitalverzehrende Meisterausbildung zum Bootsbauer hinter sich gebracht. An der Peene, direkt gegenüber der Binnenwerft, fertigt er nun in liebevoller Handarbeit seine Kanus. Liebevoll streicht er über die glatte Oberfläche eines der schlanken Boote, das wie glatte, sonnengebräunte Haut schimmert, als er von den Anfangsschwierigkeiten erzählt. 20 unterschiedliche Modelle sind verfügbar. Dennoch scheint ihn diese Tätigkeit nicht ganz auszufüllen. Und so kümmert er sich ebenfalls im Alleingang parallel „um die touristische Wiederbelebung der Region“. In den von ihm organisierten Paddelkursen und Ausflügen in und um Anklam kommen ihm dabei seine Kenntnisse als Umweltttechniker zu Hilfe. Für das Naturparadies Niedermoor versucht er dabei einen nachhaltigen Tourismus anzukurbeln. In kleinen oder auch längeren Touren mit dem Kanu oder Seekajak entführt er seine Besucher in ungekannte Naturparadiese mit seltenen Tieren wie Fischotter, Biber, Seeadler, Eisvögeln und Kranichen. Und wenn es mit der Werft gerade mal stockt, dann sind eben die Politiker schuld: „In der Stadtpolitik gibt es viel Nachholbedarf“, sagt er. „Wichtig wäre es, wenn die Stadtväter mal über ihren Tellerrand hinausschauen würden“, fügte er überzeugt hinzu. Vielleicht ins Dreiländer-Eck nach Zittau, wo man noch Ideen und Mut hat?