Rügen-Romantik zum Genießen

Beschwingter Ausflug nach Mönchgut

Vier Tage Strand bei strahlendem Wetter – da meldet sich leicht ein lästiges Brennen und Ziehen der krebsroten Haut. Was tun bei Sonnenbrand?
Die folgende Therapie von Reiner Drawz birgt leichte Risiken – vielleicht einen kleinen Schwipps – und als garantierte Nebenwirkung eine tiefere Kenntnis der vielfältigen Reize von Rügen. Sie hilft gegen Strandkoller und Schlechtwetterfronten. Begleiten Sie ihn und sein Schifferklavier auf eine beschwingte Tour nach Mönchgut! Man nehme die Kleinbahn, liebevoll „Rasender Roland“ genannt, Richtung Göhren, um nach kurzer Fahrt am pittoresken Jagdschloss Granitz vorbei Mönchgut zu erreichen oder vertraut auf sein eigenes Auto. Früher war es nicht so bequem: Mönchgut war lange Zeit durch den „Mönchsgraben“ von der Insel Rügen getrennt. Die Mönche vom Kloster Eldena bei Greifswald mussten also übers Wasser um ihren Besitz zu betreuen.
In Baabe ist man bereits am „Tor zum Mönchgut“ angelangt. Wer hier schon Hunger verspürt, dem sei die Böhmische Schenke (Strandstraße 1, Tel. 038303/87386) empfohlen. Volker Jordan serviert in der gemütlichen Gaststube oder auf der Terrasse Prager- und Kümmelbraten an Blaukraut und grünen Klößen, begleitet von einem böhmischen Dunklen oder leckere Ente, wie man sie sonst nur aus der Goldenen Stadt so richtig kennt.
Am Göhrener Nordstrand, der im Zusammenhang mit der Internationalen Gartenbau-Ausstellung Rostock sehr attraktiv neu gestaltet wurde, kommen die Liebhaber maritimer Delikatessen auf ihre Kosten. Hier serviert Christiane Stuffert in der Muschel-Bar (Am Strandberg, Tel. 038303/25442) schon seit Ur-Zeiten „Rügens beste Fischsuppe“ nach immer wieder vererbtem Familienrezept. Dazu verwendet sie garantiert frischen Fisch und schweigt sich über die weiteren Details der Zubereitung hartnäckig aus. Ob man dazu kühles Pils vom Fass oder delikaten Weißwein genießt, muss jeder selber wissen.
Bestens gestärkt geht es nun in die weithin bekannten Museen von Göhren. Im Heimatmuseum, im Museumshof und am Rookhus, dem letzten Rauchhaus am Ort, kann man spüren, wie mühsam das Leben vor fast 200 Jahren auf der Insel war. Dort erfährt man, wie man in einem Haus ohne Schornstein Feuer macht und trotzdem nicht erstickt, und was ein „Knütthund“ ist.
Nun geht die Tour weiter auf die Halbinsel Nordperd, die sich wie eine natürliche Seebrücke in die Ostsee erstreckt. Dort steht ein Schiff mitten in der Landschaft! Für Insulaner nichts ungewöhnliches. Scheinen doch die Boote auf der Having, der Hagenschen Wiek oder dem Zicker See, optisch gesehen, häufig auf dem Land zu stehen. Doch dieses hier steht tatsächlich auf festem Boden. Und weil es das Museumsschiff „Luise“ ist, darf man es begehen, um für eine Weile in die Welt der traditionellen Frachtschifffahrt einzutauchen. Einige Kilometer weiter südlich fährt man nach leichter Fahrt auf ebenem Gelände in den Strandort Lobbe ein. Hier bietet das Hotel Walfisch, (Dorfstraße 32, 038303/25467), seit über hundert Jahren im Besitz der Familie Kliesow, komfortable Gästezimmer und ehrliche Ostsee-Küche. Auf der geräumigen Sonnenterrasse wird Fisch ohne Schnickschnack serviert. Er ist so frisch, dass er fast vom Teller springen will. Hier hat, so munkelt man, die Wende auf Rügen begonnen. Die Details kann man bei Wolfgang Kliesow, dem Wirt vom „Walfisch“, erfragen.
Von hier aus geht es gen Westen landeinwärts, sofern dieser Begriff bei einer Halbinsel, wo das Meer nirgends weiter als zwei Kilometer entfernt ist, angebracht ist. Über die malerischen Fischerdörfer Middelhagen und Alt Reddevitz erreicht man eine schmale Halbinsel, die sich, obwohl kaum mehr als zweihundert Meter breit, kilometerlang in die See erstreckt. An ihrer äußersten Spitze bietet sich ein wunderbares Panorama vom Jagdschloss Granitz über die Insel Vilm bis zu den Zicker Bergen. Mitten im Greifswalder Bodden liegt wie ein einsames Haus eine merkwürdige künstliche Insel, die der Nationalen Volksarmee einst als Demagnetisierungs-Anlage diente und heute leer ist. Nach einem Rundgang um das Kap am Ufer oder auf den blumenübersäten Wiesen oberhalb der Steilküste und einem herrlichen Sonnenuntergang wird es Zeit für einen stimmungsvollen Ausklang der Mönchgut-Tour. Dafür bieten sich zwei gepflegte Gasthöfe mit eigenen Brauereien an. In Alt Reddevitz wartet „Kliesows Reuse“ (Dorfstraße 23a, Tel. 038308/2171) ein 450 Jahre alter, liebevoll restaurierter Hof mit deftigen Spezialitäten wie dem mit Griebenschmalz zubereiteten Sauerbraten aus eigener Schlachtung bei einem ungefilterten Hausbier.
Regionale Delikatessen wie der hart gesalzene Schellhering mit Pellkartoffeln und Speck sind ebenfalls ein guter Tipp.
Oder man fährt nach Middelhagen in die „Linde“ (Dorfstraße 20, Tel. 038308/ 5540) den „ältesten Gasthof auf Rügen“. Hier werden raffinierte Kreationen wie Schollen auf heißen Stachelbeeren ebenso gerne wie deftig-rustikale Küche gereicht.
Dazu passt ein süffiges Pils aus dem Braukessel in der urgemütlichen Gaststube. Mittwoch und Sonntag packt Reiner Drawz von 19 bis 21 Uhr und oft noch viel länger sein Schifferklavier aus und lässt die Stimmung des alten Mönchguts wieder aufleben.

In Middelhagen lädt man in der „Linde“ in den ältesten Gasthof Rügens ein.

In Kliesows Reuse wird das Schmalz selbst zubereitet.

Das Walfisch-Restaurant ist über hundert Jahre in Familienbesitz.

Genießen wie in Prag kann man in der Böhmischen Schenke.