Ein Ausflug ins Innere

Die Erleuchtung liegt meistens relativ hoch. Das gilt in jedem Fall für diejenigen, die sich in Frohnau, gleich neben Hohen Neuendorf, mal Buddha nähern wollen. Vor dem Trip ins eigene Innere geht es erst mal anstrengend nach oben!

Freundliche Menschen begrüßen mich, ihre Sprache kann ich nicht verstehen, ihre freundlichen Gesten wohl. Ehrwürden Punnaratana Thero, der Chef des Hauses sozusagen, empfängt mich. Alles geht in Ruhe. Er ist 36 Jahre alt und in eine orangefarbene Robe gehüllt, ein Gewand, das nur ein buddhistischer Mönch tragen darf. Das erfahre ich allerdings erst, als ich ihn frage, ob er mir seinen Umhang mal für ein Foto ausborgen wolle. Mit asiatischer Freundlichkeit, aber äußerst bestimmt, lehnt er ab. Dafür durfte ich ihn fotografieren. Auch gut.

In seiner srilankischen Heimat, so erzählt er mir, habe fast jedes Dorf einen buddhistischen Tempel.

Mit seinen Eltern sei er regelmäßig dahin zu einem Mönch gegangen. Das habe ihn so fasziniert, dass er sie mit 13 Jahren gebeten habe, ihn Mönch werden zu lassen. Nun habe ihn die German Dhammaduta Society, der das 1924 von dem Arzt Dr. Paul Dahlke als buddhistisches Haus errichtete Anwesen heute gehört, gebeten, den preußischen Buddha-Tempel zu leiten. Jedermann kann sich seinen Bedürfnissen entsprechend hier mit dem Buddhismus beschäftigen.

Eine umfangreiche Bibliothek steht ebenso zur Verfügung wie Veranstaltungen, Vorträge und Meditationen. Das interessiert mich dann doch: Was macht ein Mönch oder jeder andere Meditierende eigentlich bei einer Meditation? Wozu ist das gut? Was passiert da? Warum macht man das eigentlich? Und promt erhalte ich als Antwort eine Einladung von Ehrwürden zur nächsten Meditation...

Der Tempel ist in sanftes Kerzenlicht getaucht, die Schuhe haben die Teilnehmer bereits im Vorraum gelassen. Jeder nimmt sich eine Sitzgelegenheit in Form eines kleinen Holzbänkchens oder eines Kissens und harrt der Dinge, die da kommen sollen.

Der gute Rat an Meditierende: Alle Gedanken an Vergangenes und Zukünftiges, an Freunde, Verwandte, an die Arbeit....draußen lassen. Einfacher gesagt als getan.

Jedenfalls kommt Ehrwürden irgendwann, schlägt mit einem Holzstückchen ganz sanft auf ein Metallschälchen. „Die Schulklingel“, geht es mir durch den Kopf, nur angenehmer. Aber ich soll ja nicht an Vergangenes denken! Irgendwie versteht es der Mönch, mit seinen Anweisungen, ganz leise und sacht gesprochen, in deutscher Sprache übrigens, eine sehr angenehme Atmosphäre zu erzeugen.

Nach den zwei Stunden jedenfalls, redet kaum jemand mit dem anderen, während der Meditation sowieso nicht. Ich fühlte mich ein bißchen in mich gekehrt, aber echt gut, entspannt. Irgendwie war das wie autogenes Training. Sollte man öfter machen! Aber wann? Schwupps, da hat der Alltag mich schon wieder und ich bin noch nicht einmal zu Hause...