Grenzstreitigkeiten und Eifersüchteleien

Dass Hohen Neuendorf und Birkenwerder so ihre Probleme miteinander haben, hat eine lange Tradition. Ja, beinahe wäre es sogar zu einem offenen Konflikt gekommen! Das war 1775. Damals waren die Grenzstreitigkeiten so heftig, dass die Kurmärkische Kriegs- und Domänenkammer einschreiten mußte!

Dr. Dietrich Raetzer (66) war lange Zeit Stadtarchivar von Hohen Neuendorf und berichtet, dass das nur ein Höhepunkt eines langen Konflikts war. „Dafür geht es heute erstaunlich friedlich zu“, schmunzelt er. Jedenfalls sass man in Birkenwerder bisher bei jedem Streit am „längeren Hebel“. So wurden beide Orte zwar Mitte des 14. Jahrhunderts erstmals urkundlich erwähnt, doch Birkenwerder konnte durch Funde aus der slawischen Zeit beweisen, dass man viel älter ist!

Dafür wollten die Hohen Neuendorfer sich damit schmücken, die ältere Kirche zu haben.

Das verkündete der Prediger Kraft 1849 zwar nicht Kraft seines Amtes, aber dennoch kraftvoll von der Kanzel herab. Leider hatte er sich kräftig geirrt: Birkenwerder hat seit dem 30jährigen Krieg eine Kirche, und dahin mußten auch die Hohen Neuendorfer über lange Jahre traben.

Beim Eisenbahnbau 1953 glaubte man anhand von ausgegrabenen Steinen etwas anderes beweisen zu können. Allerdings vergaß man zu klären, wie alt die Fundstücke wirklich waren und woher sie kamen. Damit sie der Nachwelt erhalten bleiben, sind sie flugs wieder verschüttet worden!

Anfang des 20. Jahrhunderts hat Birkenwerder, zunächst privatwirtschaftlich betrieben, ein Wasserwerk bekommen. Eine Leitung, das nach dem verantwortlichen Ingenieur so genannte Hengstenbergrohr, reichte sogar bis zum damaligen Bahnhof Stolpe, also bis hinein nach Hohen Neuendorf.

Die Hohen Neuendorfer wollten aber kein Wasser vom Nachbarn. Sie bauten ihr eigenes Wasserwerk, etwa 200 Meter daneben! Heute kommt das Wasser für beide aus dem Wasserwerk Stolpe bei Hennigsdorf!