Auf den Spuren der Geschichte

Die Kreisstadt Stollberg liegt am Nordrand des Erzgebirges, direkt an der Autobahn zwischen den Städten Chemnitz und Zwickau. Durch Stollberg führte einst die wichtigste Handelsstraße nach Prag, der „Böhmische Saumpfad“, was den Ort schon immer für Märkte prädestinierte. So erhielt Stollberg früh das begehrte Salzprivileg und damit das Recht, Märkte abzuhalten. 1343 wird Stollberg erstmals als „civitas“, also als Stadt, bezeichnet, was 1993 Anlaß zur 650-Jahr-Feier zum Stadtrecht war.

Als Kirchen- und Verwaltungsschwerpunkt im Mittelalter wuchs Stollberg zur heutigen Kreisstadt heran. Von der Entwicklung zur Kreisstadt zeugen die repräsentativen Gebäude wie das Carl-von-Bach-Gymnasium, die Amtshauptmannschaft – heute Landratsamt und natürlich das Marktensemble mit Amtsgericht, Rathaus und zahlreichen Bürgerhäusern.

Wahrzeichen Marienkirche
Als Symbol in Siegel und Wappen Stollbergs kann die St. Marienkirche seit Jahrhunderten für sich in Anspruch nehmen, das Wahrzeichen der Stadt zu sein. Krieg, Pest und Feuersnöte veränderten das Gesicht Stollbergs. Von der mittelalterlichen Anlage der Stadt blieb nur dieses Bauwerk.

So ist sie heute das bedeutendste Kulturdenkmal der Stadt und Region und zeugt von der Besiedelung des Erzgebirges im 12. Jahrhundert. Die heutige St. Marienkirche im Volksmund auch Totenkirche genannt, hat im Kern noch ihre romanische Anlage aus der Gründungszeit Stollbergs.

Während der umfassenden Sanierung freigelegte Details, wie das kleine Rundfenster im Westen, die Priesterpforte im Süden und die historischen Türverriegelungen sind identisch mit den Eigenheiten der größten romanischen Saalkirche Sachsens in Wilsdruff bei Meißen. Der romanische Bau wurde im späten Mittelalter in gotische Formen modernisiert.

Aus dieser Zeit stammt auch die eindrucksvolle und in ihrem Charakter teilweise einmalige Bemalung des Kreuzrippengewölbes, der Stützpfeiler und Wände. Das bedeutendste Interieur von St. Marien ist der Vierzehn-Nothelfer-Altar aus dem Jahre 1516, der auf einer romanischen Mensa aufsitzt. Der alte Taufstein trägt die Jahreszahl 1647 und die hölzerne Kanzel wird auf die Zeit um 1633 datiert.

Marktkirche
Seit 1993 wird die Marktkirche oder auch St. Jacobikirche zu Stollberg, welche St. Jacobus, dem Schutzheiligen der Händler und Kaufleute geweiht war, saniert und restauriert. Die erste Jakobikirche wurde wahrscheinlich um 1440 erbaut und sank beim großen Stadtbrand am 5. August 1633 in Schutt und Asche. 1635 wurde der Grundstein für die neue größere Jakobikirche gelegt.

Als im Jahre 1645 der schwedische Generalfeldmarschall Torstenson in die Stadt kam erreichten Pfarrer Köttner, Amtmann Drummer und der Ratsherr Höcker, daß die 300 Taler, welche die Stadt den Schweden schuldete, für das Gotteshaus verwendet werden durften.

So konnte der Kirchenneubau am 5. April 1659 geweiht werden. Die Errichtung des neuen Kirchturmes erfolgte erst in den Jahren 1878/79. Er wurde aus Platzgründen regelrecht in die Kirche hineingebaut.

Erwähnenswert ist auch die Orgel der Jakobikirche. Sie ist ein Werk des Meisters Jehmlich und wurde 1842 erbaut und 1849 durch einen seiner Schüler, Bruno Kircheisen, einen gebürtigen Stollberger, erneuert.

Karl May im Gefängnis
Nach dem Verkauf des einstigen Rathauses an den Staat, fand die städtische Verwaltung eine unzulängliche Unterkunft in einem Bürgerhaus, das eigens zu diesem Zwecke umgebaut wurde, bis das neue heutige Rathaus bezugsfertig war. Das ehemalige Rathaus beherbergt heute das Amtsgericht am Markt.

Zu den bemerkenswerten Fällen im Stollberger Gerichtswesen gehört die Verurteilung einer weltbekannten Persönlichkeit. Der Schriftsteller Karl May stand oft mit der kaiserlichen Justiz auf Kriegsfuß und erhielt unter anderem auch in Stollberg drei Wochen Gefängnis wegen „unbefugter Ausübung eines öffentlichen Amtes”.

Ehrenbürger Carl von Bach
Das Geburtshaus des „Vaters der Materialprüfung“ und des Begründers der heitigen, modernen Ingenieurausbildung, Carl von Bach, steht in der Herrenstraße 5. Ehrenbürger Bach war ein unermüdlicher Forscher. Seine Werke wurden in 13 Auflagen und mehr als fünf Sprachen veröffentlicht und zur Grundlage für ganze Generationen im Ingenieurwesen rund um den Erdball.

Fast endlos lang ist die Reihe der internationalen Ehrungen, die ihm zuteil wurden. Als erster Wissenschaftler erhielt er die Goldene-Grashoff-Gedenkmünze. Er wurde noch zu Lebzeiten Ehrenbürger von Stollberg und Stuttgart.

Die Marienkirche wurde von 1987 bis 1993 liebevoll restauriert.

Das Orgelprospekt in der im Jugendstil erbauten Aula des Gymnasiums.

Durch das rekonstruierte Treppenhaus im Gymnasium gelangt man in die Aula.

Stollberg ist für seine Weihnachtstradition mit Pyramiden und Räuchermännchen bekannt.

Hohenecker Protokolle
Der Stollberger Steinmetzmeister Friedhold Scheunert schuf die Stele gegenüber der Justizvollzugsanstalt Hoheneck. Anläßlich des Gedenkens an die unzähligen Opfer des Stalinismus und der Gewaltherrschaft wurde sie am 28. Oktober 1991 enthüllt. Für dieses Ehrenmal hatten sich vor allem der Frauenkreis ehemaliger Hoheneckerinnen, die Friedrich-Ebert-Stiftung und Bürgermeister Mathias Wirth verdient gemacht. Alljährlich treffen sich die ehemaligen Hoheneckerinnen und gedenken ihrer toten Kameradinnen und warnen vor jeder Form von Diktatur. An die Zeit als Hoheneck laut amnesty international das gefürchteste und berüchtigste Frauenzuchthaus im deutschsprachigen Raum war, erinnert der hinter den Mauern von Hoheneck geborene Ulrich Schacht mit den „Hohenecker Protokollen” und Ines Veith mit „Klip-Klap-Holz auf Stein“.

Der Walkteich
Der Walkteich wurde vermutlich Ende des 14. Jahrhunderts angelegt. Seinen historischen Namen erhielt er nach seiner Nutzung. So diente er doch einem bedeutenden Erwerbszweig als Grundlage, nämlich der Stollberger Tuchmacherinnung. Diese baute am unteren Ufer eine Walkmühle, in der Tuche durch die Wasserkraft gewalkt wurden. Heute ist der Walkteich eine beliebte Parkanlage und zieht alljährlich tausende Besucher zum Walkteichfest, mit dem die Stollberger den Frühling begrüßen, in die Kreisstadt.

Jugendstil-Aula
Bereits Ende des 19. Jahrhunderts bemühten sich die Stollberger Stadtväter um die Errichtung eines Lehrerseminars in der Stadt. Im Jahre 1903 war es dann soweit: Der imposante Bau im reinen Jugendstil wurde mit dem dazugehörenden Seminarpark, einem im englischen Stil angelegten Vier-Jahreszeiten-Park, als Königlich Sächisches Lehrerseminar feierlich eingeweiht. Besonderheit des heutigen Carl-von-Bach-Gymnasiums ist die Aula, welche den reinen Jugendstil schlechthin verkörpert. Seit 1962 genießen Kunstkenner die hervorragende Akustik dieses einmaligen Raumes bei den Stollberger Meisterkonzerten. Weit über die Grenzen der Kreisstadt hinaus bekannt ist der Gymnasiumchor, der 1999 auf eine 50jährige Tradition verweisen kann.