Eine Braunkohleregion erleben
Was soll schon dran sein, an einer Region, in der seit Jahrzehnten die Braunkohle aus dem Tagebau geholt wurde, wo man Ortschaften, Wiesen und Wälder kurzerhand weggebaggert hat und das Unterste zuoberst gekehrt wurde? Hierher Ausflüge unternehmen?

Aber sicher doch! Denn so emotional die obige Meinung auch sein mag, so unvollständig und unkorrekt ist sie. Ganz abgesehen davon, daß nicht alles weggebaggert wurde und schon gar nicht kurzerhand, ist es echt sehenswert, was die Region zu bieten oder wieder zu bieten hat. Vielleicht helfen die kleinen Anregungen, sich aufzuraffen und mal wieder selbst auf Tour zu gehen.

Calau
Was ist an der Knackwurst am Wertvollsten? Der Calauer antwortet darauf wie aus der Pistole geschossen: „Natürlich das „n“! Wie aber die „Kalauer” einst entstanden, wissen die meisten auch nicht so genau. Das war nämlich so: Die Calauer Schuhmacher arbeiteten einst oft bis Mitternacht in ihren kleinen Stuben. Ihre einzige Unterhaltung bestand darin, sich lustige Erlebnisse zu erzählen, wobei natürlich derb aufgeschnitten wurde. So wurden auch derbe Witze und Wortspielereien ersonnen. Mit der Gesellenwanderung verbreiteten sich die „Calauer” im ganzen Lande. Das Wort „Kalauer“ als Sinnbegriff für Wortwitz wurde 1848 erstmals gedruckt in der Berliner Satirezeitschrift „Kladderadatsch“. An den einstigen Redakteur Ernst Dohm erinnert noch heute eine Tafel am Haus in der Cottbuser Straße 16. Zu einem Ausflug in das Städtchen Calau laden darüber hinaus das Heimatmuseum in einem Fachwerkhaus von 1780, das früher die Mädchenschule beherbergte, die Reste der Stadtmauer aus dem 10. Jahrhundert sowie die Ruine der Dunkelsburg ein. Hübsch sanierte Bürgerhäuser von einst und eine attraktive Fußgängerzone laden zum Einkaufen und Bummel ein.

Die Calauer Schweiz – Naturerlebnis pur
Das Naturschutzgebiet südlich des weithin bekannten Spreewaldes ist ein Wander- und Erlebnistip der besonderen Art für alle Naturliebhaber. Die abwechslungsreiche Landschaft mit Quellen, Mooren, Teichen und natürlich ausgedehnten Wäldern bietet zahlreichen Tieren und Pflanzen Lebensraum, darunter etlichen bedrohten Arten. Dabei sind die Beobachtungsmöglichkeiten schier unerschöpflich. Selbst wer nicht so gut zu Fuß ist oder das Wandern weniger mag, braucht auf dieses Stück Erde nicht zu verzichten. Im Kremser geht es dann gemütlich durch die Natur. Ganz klar, daß dieses Gebiet auch für Pilzjäger sehr attraktiv ist. Außerdem befindet sich in der Nähe der Stegschänke die bedeutendste Naturquelle der Niederlausitz, der Goldborn.
Bei einer Fahrt oder Wanderung durch die Orte der Calauer Schweiz fallen die nahezu vollständig aus Feldsteinen errichteten Häuser auf, für uns heute sehr sehenswert, weil tatsächlich für Wohnbauten nicht geradeüblich. Die Verwendung der reichlich vorhandenen Feldsteine erklärt sich aus der relativ großen Armut der Menschen zu früheren Zeiten. Der Boden war ziemlich karg und so baute man hier Buchweizen an, der wegen seiner Anspruchslosigkeit recht gut gedieh. Aus dem Mehl wurden Plinsen zubereitet, die den Dörfern den Beinamen „Plinsdörfer“ bescherten.

Vetschau
Vetschau, jenseits der Autobahn A15 und der Bundesstraße B115 gelegen, war zu früheren Zeiten vor allem durch sein Kraftwerk bekannt. Das Kraftwerk gibt es heute nicht mehr. Dafür entwickelt sich hier das Industrie- und Technologiezentrum Spreewald. Sehenswert ist die Altstadt. Neben dem Schloß, einem siebenseitigen Putzbau von 1540, in dem die Stadtverwaltung residiert, ist vor allem die in Deutschland und vielleicht darüberhinaus einmalige Doppelkirche markant. Die eine Hälfte wurde von der deutschstämmigen Bevölkerung, die andere von den Wenden genutzt, Turm und Sakristei teilte man sich brüderlich. Undüber die Baukostenersparnis freuten sich alle! Heute sind im wendischen Teil Ausstellungen und Veranstaltungen zu erleben, während im Rest, nun friedlich vereint, immer noch gebetet wird.

Großräschen
Boote werden zukünftig in Großräschen vor Anker gehen. Denn wie die Uferkante des künftigen Ilse-Sees im Auftaktgebiet Großräschen der Internationalen Bauausstellung „Fürst-Pückler-Land“ einmal aussehen könnte, ist nun klar. So erhält der Ilse-See einen Hafen und ein Informations- und Dokumentationszentrum. Wie das anspruchsvolle Vorhaben finanziert werden soll, steht jedoch noch in den Sternen.

Im Schloß in Vetschau residiert die Stadtverwaltung.
Die Bären sind die Attraktion im Senftenberger Tierpark.

Museum F60

Zu bestaunen hingegen ist heute schon die letztgebaute und modernste Abraumförderbrücke der Welt. Wenn auch vorerst noch aus der Ferne. Die F 60 erhielt ihren neuen Standort nahe der Gemeinde Lichterfeld. Einst sollte der stolze Stahlkoloss verschrottet werden. Nun wird die Lichterfelder Förderbrücke ein Museum. Über einen Besucher-Laufsteg wird man dann von der Bagger- zur Kippenseite der Brücke und zurück gelangen können. Die Spuren der bergbaulichen Entwicklung in der Lausitz bleiben so anschaulich der Nachwelt erhalten.

Senftenberg
Der Senftenberger See ist beredtes Zeugnis, was einmal aus einer ehemaligen Bergbaulandschaft werden kann. Er hat sich seit vielen Jahren als Naherholungsziel entwickelt und fest etabliert. Touristikbetriebe und Gastronomie haben sich angesiedelt, Zeltplätze und Bungalowsiedlungen laden zur Erholung, sogar Dampferfahrten sind im ehemaligen Tagebaurestloch möglich! Wenn man hier am Strand liegt, erhält man eine Vorstellung von dem, was einmal aus der gesamten ehemaligen Bergbaulandschaft werden kann – eine völlig neu geschaffene Landschaft. In Senftenberg selbst ist der Tierpark immer ein Besuch wert.