Insidertipps für die Halbinsel

Verliebt ins Mallorca des Ostens

Verliebt ins „Mallorca des Ostens“, wie Prerow früher genannt wurde, sind viele. Dennoch zieht es die meisten Urlauber nach den schönen Tagen wieder nach Hause. Einige aber verlieben sich auf lange Zeit!
So etwa Lutz Hennig. Mit zwanzig Jahren hatte der Landwirtschaftsstudent sein Praktikum bei der LPG in Prerow geleistet.
Angereist war er mit seiner MZ, auf die er natürlich mächtig stolz war. „Darf ich mal mitfahren“, machte ihm eine Kollegin schöne Augen. Die MZ ratterte, und zwischen Fahrer und Sozius funkte es. Die Liebe zueinander verband sich mit der Liebe zur Region. Zwar gelang es Hennig nicht, auf Fischland Darß ansässig zu werden, aber Marlow gilt ja ebenfalls als reizvoller Ort.
Wenn es schnell gehen muss, schwingt sich der Leitende Verwaltungsbeamte vom Amt Darß/Fischland heute auf seine 600er Honda, um in seinem „Reich“ nach dem Rechten zu sehen. „Im Sommer ist ja bei uns mit dem Auto kein Durchkommen“, berichtet er. „Das größte Problem ist der ruhende Verkehr. Manche sind sehr uneinsichtig!“ Diese Erfahrung macht Holger Düser jeden Tag. Dann düst er durch die Amtsgemeinden, um Ordnung zu schaffen: „Ich versuche den Autofahrern Tipps zu geben, wo sie parken können, ohne andere zu behindern“, berichtet er. Auch ihn hat die Liebe in die Ferienregion
verschlagen. Als der gelernte Heizungsbauer aus Wilhemshaven für zündende Heizungen in der Region sorgte, funkte es zwischen ihm und Ines Redder so vernehmlich, dass er blieb.
Einladung aufs Zeesboot
Lutz Hennig bestimmt als „Leitender Verwaltungsbeamter“ die Geschicke des Amts Darß/Fischland unter der Ägide des ehrenamtlichen Amtsvorstehers und Prerower Bürgermeisters Joachim Stelter. Auf unserem Rundgang entführt er uns als erstes zum Hafen nach Born.
„Eine Zeesbootfahrt auf dem Bodden sollte man mitgemacht haben. Mit diesen Seglern waren die Fischer früher oftmals mehrere Tage unterwegs.“
Seltsame Arche in Wieck
Sein nächstes Augenmerk gilt der „Arche“ im idyllischen Wieck, dem nächsten Ort Richtung Zingst. Richtung Hafen unterbricht ein Gebäude, das mit viel Fantasie an ein stilisiertes Schiff erinnert, die vorherrschende Reetdach-Architektur. „Fünf Millionen Mark Fördermittel gab es dafür aus der Bundesumweltstiftung.“ Das Haus ist natürlich voll ökologisch gebaut. Umso kurioser mutet die Ausstellung an: Da wird ein Wald mit ein paar Stämmen stilisiert oder Metallstäbe, zwischen denen eine präparierte Entenfamilie sitzt, wollen uns in eine Schilflandschaft entführen. Jedenfalls wird auf eine so ungewöhnliche Art über die Natur aufgeklärt, dass es schon wieder sehenswert ist.
Schaufelrad-Dampfer
Prerow ist mit 1800 Seelen der größte Ort des Amtes und für viele Attraktionen bekannt: So für die Seebrücke mit der bunten Budenstadt oder für den Darßer Ort mit seinem Leuchtturm, zudem man nicht mit dem Auto hin darf. Die Alternative sind die eigenen Beine, das Fahrrad oder der Kremser. Der Hafen ist etwas besonderes: Hier sind gleich zwei Kapitäne auf die Idee gekommen, einen Schaufelraddampfer anzubieten. Viele Besucher freuen sich, in Mississippi-Manier über den Bodden zu tuckern.
Raketen in Zingst
Nach Prerow kommt Zingst, das mit seinen gut 3000 Einwohnern selbstständig ist. Der Ort ist noch sehr jung und entstand vor gut 200 Jahren durch den Zusammenschluss von Pahlen, Hanshagen und Rothem Haus.
Heute liegt er im Nationalpark und bietet schöne Strände. Wer würde da noch daran denken, dass hier ein Raketenversuchs-Gelände war, von dem aus die Rote Armee noch bis 1992 Starts durchführte?
Ahrenshoop hat einen Gipfel
Für den westlichen Teil der Halbinsel düst mit uns Holger Düser los. Erstes Ziel ist
Ahrenshoop, allen bekannt durch die Künstlerkolonie. Überall im Ort trifft man auf Galerien. Außerdem gibt es eine Schifferkirche, die ebenfalls interessant ist. Was dagegen wenige wissen: Ahrenshoop hat den höchsten Berg der Insel! Am Ortsende Richtung Wustrow führt rechts ein für
Autos gesperrter landwirtschaftlicher Weg Richtung See zum Bakelberg. Das Besteigen ist ohne alpinistische Ausrüstung möglich, erhebt er sich doch nur 17 Meter über den Meeresspiegel. Wie es sich gehört, ist er mit Gipfelkreuz und Ruhebank ausgestattet. Von hier aus hat man jedenfalls einen herrlichen
Panoramablick: Auf der einen Seite ist der Bodden, auf der anderen das Meer. Weiter geht es an die Steilküste. Metertief fällt die Landschaft unvermittelt und wie abgeschnitten zum Meer hin ab. Unzählige kleine Löcher verweisen darauf, dass sich hier die Uferschwalben zuhause fühlen. Früher war hier die NVA vertreten. Diverse Bunker dienten der Seeüberwachung. Einer ist gerade den Strand hinunter gepurzelt, ein anderer bereits vom Wasser umspült. „Jedes Jahr knabbert das Meer zehn Meter weg. Ahrenshoop wird damit immer kleiner, Prerow dagegen größer. Denn dort landet der Sand wieder“, informiert
Holger Düser.
Strand-Romantik in Wustrow
In Wustrow biegen wir links in den Ortskern und folgen der Straße, bis eine Schranke die Weiterfahrt verbietet: Hier ist ein kleiner Badestrand am Bodden. Das ist eine Oase für Individualisten.
Ruhe in Dierhagen
Letzte Station ist Dierhagen. Schöner Strand, reizvoller Hafen und dennoch ist hier etwas anders: „Dieses Ostseebad ist ideal für Menschen, die es ruhiger wünschen.“
Die Gemeinde hätte gerne etwas dafür getan, dass sich mehr rührt. Doch das Sport- und Freizeitzentrum zeigt bis auf weiteres nur ein Beton-Skelett: „Nach dem Rohbau ging der Investor pleite.“
Ausflug nach Klockenhagen
Weiter geht es nach Klockengagen. Das Freiluftmuseum ermöglicht einen Abstecher in die gute alte Zeit.

In der Arche sitzt die Ente zwischen Metallstangen.

Privat düst Holger Düser gerne zu den alten Kapitänshäuser am Ende von Wustrow.

Das letzte Haus am Strand in Ahrenshoop ist eine besondere Attraktion. Denn längst dürfen keine Häuser mehr am Meer entstehen – zu gefährlich sind die Sturmfluten während der kalten Monate.

Mit 17 Meter Höhe ist der Bakelberg der höchste Gipfel der Halbinsel. Von dort hat man einen tollen Blick.

Stete Wellen höhlen die Steilküste soweit aus, bis der Sand mit allem, was darin war, nach unten stürzt und in Prerow anlandet. Selbst massive Bunker haben keine Chance.