Kirche mit sozialistischem Segen
Kaum bekannt, findet sich in der amtsangehörigen Gemeinde Trechwitz ein architektonisches Juwel mit einer langen Geschichte, in der sich Eitelkeiten und Bemühungen der Menschen einer ganzen Reihe von Epochen widerspiegeln.

Die Rede ist von der Kirche in Trechwitz. Schon das Geläut hat Seltenheitswert, handelt es sich bei einer der Glocken doch um ein frühes Meisterwerk, das der Lehniner Abt Heinricius 1233 stiftete.

Damit findet man hier Brandenburgsälteste Glocke.Die heutige Kirche geht auf einen Neubau aus dem Jahr 1408 zurück. Daran erinnern die beiden jetzt wieder freigelegten kleinen Rundbogenfenster der einstigen Wehrkirche.

Damals kam die zweite Glocke hinzu. Daß wir sie heute noch haben, ist der Initiative des Dorflehrers Hans Busch zu danken, der ein Einschmelzen zugunsten des Ersten Weltkriegs verhinderte.

Die Gemeinde verdankt das Gotteshaus Ludolf Ehrenreich von Rochow, der aufgrund einer Wette die „dickste Dorfkirche“ schaffen wollte – wohl wissend, daß soviel Prunk im Gotteshaus eigentlich nur Herrscherhäusern vorbehalten war! Er sorgte auch für eine prächtige Innenausstattung mit Kanzelaltar, Empore auf toskanischen Säulen und kindergroßem schwebenden Engel im Kirchenschiff.

Wahrscheinlich war am Bau Potsdams bedeutendster Architekt, Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff
(17.2.1699-16.9.1753), beteiligt. Denn von Rochow verkehrte am Potsdamer Königshof und wird mit Knobelsdorff häufiger zusammengekommen sein, als dieser Schloß Sanssouci erbaute.

Das Wappen an der Patronatsloge kündet um 1770 von der Heirat seines Sohnes Botho Wiegand von Rochow mit Caroline Juliane von Knobelsdorff, einer der illegitimen Töchter des berühmten Baumeisters. Der Bauherr selbst hatte jedoch nicht lange Freude an seinem Prunkstück, bereits 1751 nahm er in der Gruft Platz.

Daß die Kirche heuer ein wirkliches Schmuckstück ist, verdanken wirübrigens ausgerechnet der atheistischen DDR: Pünktlich zur 800-Jahr-Feier der Gemeinde erblühte die Kirche in neuem Glanz – mit Dachsteinen vom Märkischen Museum aus Berlin, die eigentlich für Schloß Rheinsberg bestimmt waren!

Pfarrer Johann Christian Albrecht erinnert sich, „für Schwerbeton habe ich nie eine Rechnung gesehen und ich weiß heute noch nicht, welchem Genossen ich danken soll.” Seit 1992 erstrahlt die Kirche ganz im barocken Glanz und die Heise-Orgel aus dem Jahr 1846 ertönt wieder im schönsten Klang.