Die alte Jule ist wieder zu sehen!
Die alte Jule kreuzt wieder die Straßen! Und zwar an der Kreuzung Virchow-Frankfurter Straße! Und das nach über 30 Jahren Stillstand. 1965 war es nämlich, als die populäre Lokalbahn stillgelegt wurde.

Dabei hatte sie schon damals eine sehr lange Geschichte: Seit dem 8. Mai 1893 ratterte das Züglein auf seiner insgesamt 24 Kilometer langen Trasse durch die Stadt. Rekordverdächtige 200 Betriebe wurden damals mit täglich bis zu 100 Waggonladungen voll Gütern versorgt. Das meiste davon war Braunkohle für die Dampfmaschinen!

Auch nach dem Krieg, als Forst 1945 fast völlig zerstört war, hatte die fleißige Jule erheblichen Anteil an dem Neuaufbau. Schade nur, daß unsere reanimierte Jule heute so stur ist und sich leider keinen Millimeter fortbewegt: Kann sie auch nicht, ist sie doch „nur“ ein Kunstprodukt –und sorgt als Fassadenbild der beiden freischaffenden Künstler Thomas Strauss und Markus Hillegaart aus Kolkwitz bei Cottbus für Erinnerung an ein in vielen Herzen noch lebendiges Stück Heimatgeschichte.

Wer heute durch Forst bummelt, wird sich kaum vorstellen können, daß diese industriell geprägte Stadt ursprünglich viel von ihrem Aufschwung den Bischöfen von Meißen „verdankte“. Die hatten Forst als Bollwerk gegen die Wenden und als Zentrum ihrer Aktivitäten ausgebaut. Später kam eine imposante Wasserburg mit gleich zwei Burggräben dazu: Schließlich ging hier eine wichtige Salz- und Handelsstraße vorbei.

Dem weltlichen Adel scheint die Luft in der Lausitzregion nicht sehr gut bekommen zu sein: Gleich zweimal starb die in Forst maßgebliche Familie einfach aus, so daß schließlich der Kurfürst von Sachsen ab 1738 das Sagen hatte. August der Starke hatte auch keine Lust auf Forst und reichte die Stadt an Heinrich Graf von Brühl, den starken Mann an seinem Hofe, weiter. Pech für Brühl: Während die „Brühl’schen Terrassen“ in Dresden von ihm noch heute künden, brannte Forst einfach ab!

Im Zuge der Industrialisierung wurde Forst blühende Textilstadt – wovon heute vor allem ein Museum zeugt. Der Euro-Park als eines der wenigen erfolgreichen Gewerbegebiete gibt heute ebenso Zukunftsperspektive wie die vielen fleißigen Bürger, die sich in den unterschiedlichsten Bereichen erfolgreich betätigen.