Die zugemauerte Stadt
Der Wunsch nach Ruhe, Recht und Ordnung ist verständlich, doch für die friedensliebenden Granseer wurde daraus ein Fiasko. Sie mußten 500 Jahre lang büssen, daß sie 1345 dem „Falschen Waldemar“ ihr Haupttor geöffnet hatten! Der richtige Waldemar, der Askaniermarkgraf Waldemar, war 1319 kinder- und erbenlos verstorben und bewirkte damit, daß sein früher blühendes Land in Anarchie versank.

Jeder der umliegenden Fürsten wollte es gerne haben und zettelte Intrigen und Privat- kriege an. Und auch auf höchster Ebene wurde gerungen, Wittelsbacher und Habsburger stritten um den Kaiserthron.Schließlich präsentierten die Gegner der Wittelsbacher um den böhmischen Kaiser Karl IV. die Wiederauferstehung des Waldemar. Ein argloser Pilger wurde mit der Mär versehen, er sei der beliebte Kurfürst, der damals gar nicht wirklich verstorben sei.

Kaiser Karl IV. belehnte diesen Waldemar in einer großen Zeremonie bei Müncheberg offiziell mit der Mark. Was sollten die Granseer machen – auch sie erkannten den „Falschen Waldemar“ als rechtmäßig an und empfingen ihn 1345 mit weit geöffnetem Stadttor.

Ein Fehler, denn Waldemar wurde der hohen Politik geopfert und sein bayernstämmiger Nachfolger, Ludwig der Ältere, wußte sich für die besiegte Konkurrenz zu rächen! Ein Ergebnis: Die Granseer mußten „zum Zeichen ihrer Schande“ das Haupttor der Stadtmauer zumauern!

Erst 1818 hob der König von Preußen das damalige Verdikt auf. Das nunmehr wiedereröffnete „Ruppiner Tor“ ist heute das Stadt-Wahrzeichen. Schön ist, daß die alte Stadtmauer heute immer noch erhalten ist. Sie sorgte dafür, daß Gransee lange Zeit als eine der sichersten Städte galt.