Farbige Landschaften

Diskjockey bringt Künstler auf Touren

Jahrelang tanzten die Berliner nach seiner Pfeife, respektive nach den Rhythmen, die er auflegte. Doch urplötzlich hatte der beliebte Diskjockey die Nase davon voll, die Nacht zum Tag zu machen. Er ging schnurstracks in ein Farbengeschäft, stattete sich mit Malerzubehör aus – und ist heute der Vorsitzende des neuen Hennigsdorfer Künstlervereins.
Claudius Spindel, der malende Diskjockey, ist mit seinen 42 Jahren der jüngste Hennigsdorfer des Vereins und zugleich Vorsitzender. Denn er ist erst seit acht Jahren Bürger der Stadt. Vorher wirkte er in West-Berlin. „Meine Spezialität waren fotorealistische Darstellungen für die Werbung. Ich setzte also Dinge, die man nicht sinnvoll fotografieren konnte, so um, dass sie wie ein Foto wirkten.“ Das Handwerkszeug dazu hatte sich Spindel selbst beigebracht. Zu Zeiten, wo die Bildbearbeitung und Verfremdung am Computer noch in den Kinderschuhen steckte, waren seine Arbeiten in ganz Westdeutschland gefragt. „Mein letzter Auftraggeber war ein Hersteller von technischen Kabeln, der einen Produktkatalog erstellen wollte. Ich musste also hunderte von Kabeln malen!“
Das war das Aus der fotorealistischen Malkunst. Der Reiz des Neuen hatte Spindel wieder einmal gepackt, und die Abenteuerlust. Er machte sich ins für ihn bis dahin verschlossene Ostdeutschland auf und entdeckte faszinierende Landschaften zwischen Elbsandsteingebirge und Kreidefelsen. „Ich verliebte mich regelrecht in diese Landschaften!“
Und so bemühte er sich, das Haus der Großeltern in Hennigsdorf wieder zurückzubekommen. Darin wohnt er nun seit acht Jahren, zusammen mit seiner thailändischen Ehefrau Nongmuch, die er zu seinen Berliner Zeiten als Köchin im Spezialitäten-Restaurant unter seiner Atelier-Wohnung in Neukölln kennen- und lieben gelernt hat.
Spindels Bilder kommen an. Gerade in Touristengebieten werden den Galerien die Gemälde aus den Händen gerissen. In Ahrenshoop ist der Hennigsdorfer längst ein Begriff.
Nicht alle der 20 Hennigsdorfer, die sich in der neuen Künstlervereinigung QuARTier zusammengeschlossen haben, sind schon so weit oder wollen ihre Arbeit professionell betreiben. Doch die Bekanntheit könnte sich schnell verbessern. Denn der Verein möchte an die erfolgreiche erste Ausstellung im Stadtklubhaus im Herbst 2004 anknüpfen und daraus eine jährliche Tradition werden lassen. Zusätzlich soll im Frühjahr 2005 eine Ausstellung im kleinen Rahmen erfolgen. Schade ist, dass die Werke nur bestaunt werden können. Die Möglichkeit, durch Provision beim Verkauf der Bilder die Ausstellungskosten zu finanzieren, scheint dem Verein nicht attraktiv. „Wir setzen lieber auf einen festen Betrag als städtischer Zuschuss, das ist sicherer!“

Info: Tel. 03302/225675

Rennrad-Fan Claudius Spindel hat mit seinen Landschaftsbildern viel Erfolg und kann sogar von seiner Kunst leben.