Jedes Jahr: Hobbysoldaten und Pulverqualm im Amt Ludwigsfelde-Land
Wenn Großbeeren jeden 23. August im Jahr feiert, strömen die Fans in Scharen aus ganz Deutschland und vielen Nachbarländern in die kleine Amtsgemeinde.

Denn dann lebt noch einmal die Schlacht gegen Napoleons Truppen auf, zur Freude der Militär-Romantiker mit echten Kanonen und allerlei Schwarzpulver-Geruch. Tatsächlich hat dieses historische Ereignis nicht nur Geschichte, sondern sogar Militärgeschichte geschrieben.

So galt es damals als Faustregel, eine Schlacht am frühen Morgen zu beginnen. Die Preußen griffen stattdessen nachmittags und noch dazu im stömenden Regen an. Damit konnten die Truppen unter Führung des preußischen Generals Friedrich Wilhelm Freiherr von Bülow verhindern, daß die zahlenmäßigüberlegene napoleonische Armee ihren Marsch von Baruth nach Berlin forstetzen konnte. Die Völkerschlacht bei Leipzig wenig später sorgte dann für die endgültige Niederlage Napoleons.

Heldenmädchen von Großbeeren
Zu den Besonderheiten der Schlacht gehörte auch, daß eine als Mann verkleidete Schöne im Schlachtgetümmel mitmischte. Friedericke Auguste Krüger erhielt für ihren Mut das Eiserne Kreuz und wurde zum einzigen weiblichen Unteroffizier befördert.

Siegesfest in Großbeeren
Mit einem Fackel- und Festumzug zum Festzelt eröffnet Großbeeren die jährlichen Festtage, die immer von Donnerstag bis Sonntag gehen. Tags darauf steht dann der Heimatsport mit Fußballturnieren im Vordergrund, dann treffen auch die vielen Teilnehmer der Historischen Truppen auf dem Biwak-Platz ein. Am Sonnabend geht es dann so richtig los. Die Truppen marschieren auf zur Schlacht.

Die Kanone ist getroffen!
Die Großbeerener Ortschronistin Regina Clausnitzer beschreibt den Tag: „Die Kanoniere basteln ihre Munition selbst aus Schwarzpulver und Mehl. Das knallt ganz höllisch und gibt herrliche weiße Detonationswolken. Da wo die Kanonen auf dem Schlachtfeld stehen, werden Knallkörper eingegraben. Beim Angriff kracht es so, als wenn die Kanone getroffen worden wäre. Die Kanoniere machen sich da immer einen Jux daraus. Und bei so einem Treffer springen die dann mit voller Kraft von ihrem Geschütz weg ins Feld. Der Beobachter hat den Eindruck, der Treffer saß aber exakt und alle sind mausetot.“

Deutschlands Hobbysoldaten
Für dieses Getümmel reisen die uniformierten Fans aus ganz Deutschland nach Großbeeren. So hört man an diesen Tagen neben hochdeutsch auch sächsisch und platt erzählende Soldaten. Alle jedoch hoffen, es möge in Großbeeren schönes Wetter sein. Denn bei der richtigen Schlacht 1813, weiß Ortschronistin Regina Clausnitzer „hat es Bindfäden gegossen. Das Pulver war klatschnaß. Die Grenadiere konnten mit ihren Steinschloßgewehren einfach nicht schießen.

Es kam zu dem Nahkampfgemetzel Mann gegen Mann. Man schlug kräftig mit den Kolben der Gewehre aufeinander ein. Deshalb sagt man auch, der Regen war die Sonne von Großbeeren. Er verhalf zum Sieg.“

Tragischerweise war es ein Bruderkampf, denn es waren hauptsächlich deutsche Soldaten, die da aufeinander einschlugen. „Und es wurde elend gestorben“, weiß der Historiker Dr. Frank Hummeltenberg aus Blankenfelde: „Von Infanteriebajonett oder Ulanenlanze aufgespießt, vom Kavalleriesäbel zerhauen, von Granatsplittern zerfetzt, von Pferdehufen zertrampelt, im Sumpf des Lilo ertrunken.“