Eigenwilliger Brecht, nette Weigel

Erst knapp 50 Jahre sind es her, seit Brecht und Weigel in Buckow eingezogen sind. Da müßte es eigentlich noch Menschen geben, die beide persönlich kannten!
Reporter Klaus Zahn machte sich auf die Spurensuche. Und wurde fündig. Annedore Merk, geborene Günzel, war damals 31 Jahre alt. Ihr Vater Gustav Günzel, Inhaber eines Baugeschäftes, war in den fünfziger Jahren am Umbau des von Brecht und Weigel gepachteten Anwesens beteiligt. „Da habe ich ihn einmal gesehen, als er hier bei Vater im Büro war. Irgendwie ging es darum, dass Brecht eigene Vorstellungen vom Baugeschehen hatte und Vater mit Engelszungen redete, um ihn von der Notwendigkeit der Feuchtigkeitssperre am Haus zuüberzeugen.“ Doch Brecht war halt wie er war: Cholerisch, störrisch und von sich eingenommen. „Das interessiert mich goar net!“, ist der Spruch, an den sich Annedore Merk häufig erinnert. „Und dass er beim Bezahlen der Rechnungen nicht der Eiligste war, das weiß ich auch noch.“ Helene Weigel ist ihr da weitaus „menschlicher“ in Erinnerung. „Ich weiß noch, wie sie gerne vor der Tür saß und die selbst gesammelten Pilze putzte.“ Und noch ein Erlebnis hat Annedore Merk in Erinnerung: „Wir hatten ein Grundstück an der Fischerkehle. Helene Weigel borgte sich bisweilen bei uns das Ruderboot aus. Nur am Wochenende sollte es wieder zurück sein, wenn wir Boot fahren wollten. Doch einmal hatte sie es nicht geschafft, es zurückzugeben. Da bin ich dann quer durch den Schermützelsee geschwommen und hab’ das Boot bei ihr abgeholt.“ Auch späterhin sollte der Faden zu dem Anwesen nicht abreißen. Annedore Merk, inzwischen Ingenieurin für Hochbau und ab 1956 freiberufliche Architektin, erhielt in den siebziger Jahren den Auftrag für Planungen und Baubetreuung des Umbaus zur Gedenkstätte.