Sehenswürdigkeiten mit Geschichte

Als „Märkische Schweiz“ preist 1862 Theodor Fontane in seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ Buckow und Umgebung an. Doch bereits zum Ende des 17. Jahrhunderts muß diese Gegend bekannt gewesen sein. Denn auf einem Bild aus dem Jahre 1675 vom Maler Nagel „Vue de Buckow“, wird der Blick vom Bollersdorfer Berg zum Schermützelsee dargestellt.

Und als der Leibarzt von Friedrich Wilhelm IV. bei seinem Besuch 1854 begeistert ausrief: „Majestät, in Buckow geht die Lunge auf Samt!“ war der Stein für die touristische Entwicklung ins Rollen gebracht. Hätte seine Majestät gar noch gewußt, daß die Buckowerüber eine eigene Kanone verfügten, seine Verblüffung hätte nicht größer sein können!

Doch der Reihe nach. Kam man zuerst mit dem Kremser oder der Kutsche aus Berlin, so wurde mit dem Bau der Bahn Müncheberg-Waldsieversdorf-Buckow die ländliche Schönheit endlich mit dem Rest der Welt vermählt.Die Luft- und Kneippkur wurde zur Stählung der Nerven, des Körpers und des Geistes, zur Wiederbelebung aller Kräfte empfohlen.

Im einstigen Warmbad, dem heutigen Fremdenverkehrsamt, nutzte man Fichtennadel-, Sole-, Kohlensäure- und Sauerstoffbäder. Das milde Schonklima und florierende Hotels und Pensionen brachten Buckow und Waldsieversdorf in den 20iger Jahren an die Spitze aller märkischen Kurorte.

Brunnen zum Dank
Als Symbol des aufblühenden Reichtums stifteten Buckower Bürger 1924 den Marktbrunnen. Auf ihm ließen sie die Inschrift „Bad Buckow“ vermerken. Nach dem Jahr 1989 etablierte sich die Märkische Schweiz erneut als hochrangiges Erholungsgebiet. Hier bestehen heute gute Voraussetzungen im Bereich der Kur sowie für Natur-, Gesundheits- und Bildungsurlaub.

Ein Tagesausflug reicht längst nicht mehr aus,um all die landschaftlichen Reize zu entdecken und zu genießen.Die Verbindung von Urlaub und Kur mit Kunst und Natur knüpft hier wieder an Traditionen an, die sich mit dem Namen Schweiz verbinden.

Die Kanone auf dem Markt
Viele Jahre schritten die Buckower achtlos an einem Straßen-Poller vorüber. Dabei steckte hier jahrzehntelang ein tonnenschweres Kanonenrohr im Marktplatz. Einfach so, als Radabweiser.

Beim Abriß des Eckhauses am Markt stellte sich heraus, Buckow hat eine echte Kanone. Wahrscheinlich gehörte das Rohr zu den vier Geschützen, die der Graf von Flemming 1749 vor seinem Schloß aufstellen ließ, um aufmüpfige Bürger abzuschrecken. Der Adelige und die Einwohner lagen im Streit um Straßenlaternen, Abwasser, Zollgebühren und Feuerlöschbehälter. 1993 rettete der „Kneipp- und Heimatverein Märkische Schweiz“ das zweieinhalb Meter lange Kanonenrohr vor der Verschrottung.

Es wurde fachgerecht eine Lafette nachgebaut, diverse Prüfungen absolviert und seither ballert Buckows „Poller“ bei vielen festlichen Gelegenheiten.

Haus für die Gäste
Da, wo einst eine Grenzburg, später eine Mühle, dann eine „Warmbadeanstalt“ standen, lädt heute unmittelbar am Markt in Buckow das Umwelt- und Fremdenverkehrsamt Märkische Schweiz ein. Seit Pfingsten 1992 beherbergt das restaurierte Fachwerkhaus die Gästeinformation mit zentraler Zimmervermittlung und eine Galerie.

Fischaufstiegsanlage
Das Stauwehr der ehemaligen Stadtmühle stellte für Fische und andere Wasserorganismen, die stromaufwärts zu ihren angestammten Lebens- und Fortpflanzungsräumen in den Seen des Buckower Kessels und den Zufluß des Stobber wandern wollten, ein unüberwindbares Hindernis dar. Diese 1993 gebaute Fischaufstiegsanlage ermöglicht es ihnen, die Staustufe zu passieren.

Der Höhenunterschied wird mit Hilfe einer flach ausgelegten Rampe mit Feldsteineinbauten, einer sogenannten „rauhen Rampe“,überbrückt. Dadurch werden Steigungsverhältnisse geschaffen, die für Fische passierbar sind. Liebevoll in unseren Tagen im Rahmen des Naturparkprojektes Märkische Schweiz saniert, kann man sich an diesem Naturschauspiel in der Nähe des Fremdenverkehrsamts erfreuen.

Elektrobahn in der Märkischen Schweiz
Der „Eisenbahnverein Märkische Schweiz e.V.“ möchte die Kleinbahn Müncheberg-Buckow als Museumsbahnbetrieb am liebsten schon 1998 in Betrieb nehmen. Drei Zugpaare jener Triebwagen, die hier bis 1993 fuhren, hat der Verein bereits in seiner Buckower Halle parat stehen. Für Ausflügler ist die Strecke mit ihrer Besonderheit der Elektrozüge allemal interessant.

Das Wagnis, für eine Mark plus 15 Pfennige Mehrwertsteuer eine nicht bundeseigene Bahn zu betreiben, wollen die Enthusiasten des Eisenbahnvereins Märkische Schweiz gern eingehen. Das Kleine Eisenbahnmuseum lädt bis dahin immer am Wochenende in seine Ausstellungsräume ein.Hier wirdüber Brandenburgs kleinste und interessanteste Bahn und ihre bewegte Geschichte informiert.

Brecht-Weigel-Haus
Nach 15jährigem Exil suchten der Dramatiker Bertolt Brecht und die Schauspielerin Helene Weigel einen abgeschiedenen Sommersitz zur Entspannung, für schöpferische Arbeit oder auch für Gespräche mit Künstlerkollegen.

Das Brecht-Weigel-Haus befindet sich in malerischer Lage am Ufer des Schermützelsees, in der Bertolt-Brecht-Straße 29. Für dieses „nicht unedel gebaute Häuschen“, wie Brecht in seinem Arbeitsjournal notierte, entschieden sich beide 1952. Hier waren unter anderem Hanns Eisler und Paul Dessau ihre Gäste.Im großen Eß- und Wohnraum servierte Helene Weigel den Gästen Gerichte aus selbstgesammelten Pilzen, die Brecht aus Angst verschmähte.

Die 1977 eingerichtete Gedenkstätte zeigt eine Ausstellungüber Leben und Schaffen der beiden Künstler.Neben Schautafeln mit Dokumenten und Fotos sowie Filmvorführungen ist im Wohnhaus die original erhaltene Wohnhalle zu sehen. Oft zog sich Brecht in das Bootshaus zurück, um zu arbeiten. Neben den „Buckower Elegien“, seinem letzten Gedichtszyklus aus dem Jahre 1953, entstanden hier auch die Werke „Turandot oder der Kongreß der Weißwäscher“.

Im Bootshaus kann man heute den berühmte Planwagen der Mutter Courage bestaunen, den Helene Weigel erstmals 1949über die Bühne des Berliner Ensembles zog.

Die Kanone auf dem Markt

Brecht-Weigel-Haus

Buckow