Ausflugtips in die Umgebung Oderberg
Entdecken Sie das Oderbruch und die Schorfheide
Das kleine Oderberg hatte früher eine überragende politische Bedeutung und präsentiert sich heute als ein idyllischer Ort, der mit Binnenschiffahrtsmuseum, Bärenkasten und einem herrlichen Panoramablick vom Burgberg über dem Marktplatz selbst viele Attraktionen zu bieten hat. Oderberg eignet sich aber auch hervorragend, ganz unterschiedliche Landschaften und attraktive Ausflugsziele kennenzulernen.

Leider sind manche potentiellen Attraktionen nur ungenügend erschlossen: So ist der Parsteiner See zwar reizvoll, der einzige Strand ist aber Teil eines Campingplatzes. Eintritt und Parken gegen Gebühr, am See entsprechendes Getümmel.

Technik, die fasziniert
Da sollte man dann lieber zum Schiffshebewerk Niederfinow fahren, das ein wirklich imposantes Schauspiel bietet: Selbst größte Fahrzeuge der Berufsschiffahrt werden in einer Art Wanne 36 Meter hoch gehoben! Gehalten von fast vierhundert Stahlseilen, getrieben von kraftvollen Elektromotoren!

Die Anlage wurde 1927 bis 1934 erbaut und gilt als technische Meisterleistung. Vorher mußten vier Schleusen, die jeweils neun Meter überwanden, passiert werden, um den Höhenunterschied zwischen Havel und Oder auszugleichen.

Backsteingotik in Chorin
Nicht weit von Niederfinow findet sich die ehemalige Klosteranlage Chorin, die als bedeutendes Beispiel norddeutscher Backsteingotik gilt. Ihrem kirchlichen Zweck diente das 1273 an diesem Ort entstandene Kloster übrigens nur bis 1542. Damals wurde die Heimstatt der Zisterziensermönche aufgelöst und die Anlage kurfürstliches Amt.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde viel zerstört und der mehrmals in Brand gesetzt, schließlich als Steinbruch mißbraucht. Berlins Star-Baumeister Karl Friedrich Schinkel erkannte dann fast 100 Jahre später den kulturhistorischen Wert und ließ zu Beginn des 19. Jahrhunderts erste Wiederaufbaumaßnahmen durchführen. Grundlegend rekonstruiert wurde das Kloster dann nach 1945, heute wird es für kulturelle Veranstaltungen als pittoresker Rahmen genutzt. Bekannt ist der jährlich stattfindende „Choriner Musiksommer“ mit seinen Symphoniekonzerten.

Oderbruch
Oderberg liegt direkt an der „Pforte“ zum Oderbruch, einem früheren Überschwemmungsgebiet des Flußes, das im 18. Jahrhundert auf Betreiben von Friedrich dem Großen trockengelegt wurde. Dafür wurde der Oder ein neues über 20 Kilometer langes Flußbett verpaßt.

Eine ungeheuere Leistung, wenn man bedenkt, mit welch primitiver Technik das damals geschehen mußte – in einer Sumpflandschaft, die alles andere als der Gesundheit zuträglich war.

Bürger gesucht!
Als das Ziel erreicht und das Oderbruch trockengelegt und damit bewohnbar war, hatte der König gleich das nächste Problem: Wer bitte, sollte denn da wohnen? Schließlich war die Region ja ohnehin schon dünn besiedelt! Doch Friedrich hatte auch hierfür eine Idee, Gastarbeiter mußten her.

Und da die als rührig und brav bekannten Protestanten es im damals reaktionär-katholischen Frankreich und der (bis heute) „schwarzen“ Pfalz aus politischen Gründen gerade ohnehin nicht leicht hatten, wurden eben Hugenotten für die Besiedlung des Oderbruchs geworben. Heute finden sich hier in einem landschaftlich reizvollen Gebiet idyllische kleine Dörfchen.

Rathenaus Schloß
Der Ausflug ins Oderbruch geht erst einmal nach Bad Freienwalde, das einen kleinen Zwischenstop wert ist.Bereits 1684 hatte man Mineralquellen entdeckt, seit 1840 wird ein schwefel- und eisenhaltiges Moor gezielt für Kuren, besonders bei Rheuma eingesetzt. Berliner Architekten, darunter auch Stars wie Schinkel oder Langhans sorgten für repräsentatvie Bade- und Gästehäuser, deren Reste noch zu erkennen sind.

Markantes Gebäude ist das Schloß, das Ende des 18. Jahrhunderts von David Gilly als klassizistischer Bau erstellt wurde und 1837 sowie 1909 umfangreiche Umbauten über sich ergehen lassen mußte.

Walther Rathenau, der 1922 als frischgebackener Reichsaußenminister durch den Vertrag von Rapallo das Deutsche Reich aus seiner außenpolitischen Isolierung gelöst hatte, indem er enge Wirtschaftsbeziehungen mit der Sowjetunion vereinbarte, lebte hier bis zu seiner Ermordung am 24. Juni 1922. Rathenaus Vater Emil war übrigens Gründer der späteren AEG und einer der wichtigen Großindustriellen seiner Zeit, Sohn Walther war AEG-Vorstandsmitglied, bevor er in die Politik ging.

Wo Fontane Apothekerlehrling war
Von Bad Freienwalde geht die B167 in Richtung Frankfurt/Oder; in Wriezen biegt man auf die B 112 ein, die direkt durchs Oderbruch führt. Letschin liegt da auf der Strecke, ein Ort, der Literaturkennern etwas sagt: Lebte hier doch Theodor Fontane eine ganze zeitlang, schließlich betrieb sein Vater die Ortsapotheke.

Söhnchen ließ sich zu einem Praktikum von 1844 bis 1845 überreden, gefruchtet hat es nichts. Statt Apotheker wurde der Filius Schriftsteller, heute würde es den Papa wohl eher wie damals freuen. Ergebnis der „Letschiner Tage“ ist übrigens Fontanes Kriminalnovelle „Unterm Birnbaum“.

Bockwindmühle im Kolonialistendorf
Auf den Spuren Fontanes kann man in den empfehlenswerten örtlichen Heimatstuben schreiten, hier kann man auch nachvollziehen, wie sich das Leben vor 200 Jahren abspielte. Tip: Im etwas außerhalb Letschins gelegenen Ortsteil Wilhelmsaue, einem 200jährigen Kolonialistendorf, ist noch eine romantische Bockwindmühle zu bestaunen!

Oderberg eignet sich hervorragend für Ausflüge mit dem Schiff in die nähere Umgebung.
Das Rathaus in Oderberg.
Angermünde
Bad Freienwalde
Kloster Chorin
Polen oder Seelow?
An der B1 kann man sich entscheiden: Nach links geht’s über den Grenzübergang Küstrin nach Polen, die Einheimischen nutzen die Nähe vor allem wegen der günstigen Preise für Benzin, aber auch Lebensmittel und natürlich Zigaretten und Alkoholika.

Biegt man in die geschichtsträchtige B1 rechts ein, gelangt man nach Seelow. Vielleicht sollte man sich kurz vor Augen halten, daß diese Straße quer durch Deutschland und seinen Osten geht – die älteste und wichtigste Ost-West-Verbindung über Jahrhunderte, die auch Berlin durchschnitt, als die heutige Hauptstadt nur eine Ansammlung winziger Kuhdörfer war!

Wo die Erde wochenlang bebte
Seelow ist heute Kreisstadt, die Gedenkstäte „Seelower Höhen“ ist ein Grund, sich in dieser reizvollen Landschaft an die Grauen jüngster Geschichte zu erinnern: Dort sind die letzten Kriegstage dokumentiert, als sich hier im Oderbruch eine der schwersten Schlachten des Zweiten Weltkriegs abspielte: Trotz aussichtsloser Lage stellte sich die Wehrmacht den Truppen der Roten Armee und ihren Verbündeten entgegen, wochenlang vibrierte die Erde unaufhörlich vom Geschützdonner. 12000 deutsche und 33000 gegnerische Soldaten verloren ihr Leben. Von Seelow kommt man über die B167 bequem wieder zurück nach Oderberg.

Mittelalterliches Angermünde
Ein weitere interessante Ausflugsmöglichkeit führt über Parstein nach Angermünde. Der teilweise gut erhaltene mittelalterliche Kern mit imposanten Wehrtürmen ist einen kleinen Ausflug wert. Von Angermünde ist es nicht weit nach Joachimsthal.

Kurfürst wollte schlaue Untertanen
Der beschauliche Ort entstandt auf Betreiben des Kurfürsten Joachim II. um eine Glashütte herum. Der fortschrittlich denkende Souve-rän war schon damals überzeugt, daß Bildung und Verkehr sehr wichtig seien: Er sorgte in Joachimsthal für ein Gymnasium und für die Anbindung an das norddeutsche Kanalnetz. Das war vor allem wegen der Forstwirtschaft sinnvoll.

Die in den tiefen Wäldern rund um Joachims-thal, dem Stolz der Schorfheide, gefällten Bäume konnten so bequem in das sich immer mehr vergrößernde Berlin verbracht werden. Zugleich versorgte sich der Adel mit Fisch und Wild aus der Schorfheide, später war es dann die DDR-Elite undihre Staatsgäste, die im streng abgesperrten Gebiet ihrerJagdleidenschaft, zumindest was Wild anbetraf, frönen konnte.

Endlich mal Bademöglichkeiten!
Joachimsthal liegt direkt am Grimnitzsee, wo man tatsächlich baden ohne Eintritt zu bezahlen! Einen wesentlich größeren Strand bietet der nahe Werbellinsee. Wer die Route am Westufer des Sees weiter fährt, wird auf einen Hinweis zum rechtsabbiegen stoßen – da geht es zum „Jagdschloß Hubertusstock“.

Das sieht zwar eher wie eine bessere Jagdhütte aus, ging aber in die deutsch-deutsche Geschichte ein: Hier trafen sich der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt und DDR-Staatschef Erich Honnecker zu einem Gespräch in eisiger Atmosphäre, als das Verhältnis der beiden Staaten auf einem Tiefpunkt angelangt war. Heute wird die Anlage als nobles Hotel genutzt.

Tierpark Eberswalde
Am südlichen Ende des Sees mündet die kleine B198 links in die B167, die über Finow-Eberswalde, hier gibt es außer einem netten Tiergarten nicht viel zu sehen, nach Bad Freienwalde geht. Von dort zweigt man dann zurück ab nach Oderberg.