„Schlossherr” muss kräftig dazulernen

Balance zwischen Kultur, Industrie und Landwirtschaft

Oranienburgs Bürgermeister hat es eigentlich gut: Er residiert im Schloss, hat es nur ein paar Schritte zur Orangerie, die als Kulturzentrum zu neuer Blüte erwacht ist und der Schlosspark ist vor seiner Türe. Doch zum Genießen der feudalen Freuden kommt er jetzt nicht mehr!
Denn für den Bürgermeister, der es gewohnt war, Firmenchefs für seine Gewerbeparks zu gewinnen, heißt es Bodenkontakt im wahrsten Sinne des
Wortes zu pflegen. Seit mit der Gebietsreform die Umlandgemeinden Friedrichsthal, Germendorf, Lehnitz, Malz, Schmachtenhagen/Bernöwe, Wensickendorf und Zehlendorf in die Industriestadt mit ihrem schmucken herrschaftlichem Wahrzeichen angegliedert wurden, heißt es für Hans-Joachim Laesicke sich auch mit Ackerbau und Viehzucht zu
beschäftigen. Schließlich will er die Probleme der ländlich strukturierten Ortsteile von Grund auf verstehen.
Dennoch freut es den Bürgermeister natürlich, dass sein Gewerbegebiet Alter Flugplatz sich zunehmend mit Leben füllt. Schon zeugt eine neue Baustelle davon, dass Oranienburg stetig wirtschaftlichen Zuwachs bekommt. Währenddessen sind schon wieder Munitionssuchtrupps dabei, das ehemalige Militärgelände nach Altlasten oder Weltkriegs-Blindgängern abzusuchen.
Während sich der Alte Flugplatz mit seiner idealen Lage an der B96neu und der A 10 immer mehr mit Firmen füllt, „brummt der Bär“ in angestammten Arealen. So sind mit „Orafol“ in Oranienburg der Weltmarktführer bei der Herstellung von Klebefolien und mit „Altana“ ein international erfolgreiches Pharmaunternehmen ansässig.
Auch wenn es sicher scheint, dass die B96neu fortgesetzt wird, um den strukturschwachen Norden des Landkreises verkehrlich besser anzubinden, wird von den damit verbundenen Diskussionen die Stadt Oranienburg nicht mehr tangiert.
Sachsenhausen ist schon lange Ortsteil von Oranienburg. Der Name erhielt weltweit traurige Berühmtheit durch das Konzentrationslager, mit dessen wechselvoller Geschichte sich Gedenkstätte und Museum beschäftigen. In der Oranienburger Neustadt entsteht gegenwärtig beim Sandhausener Weg eine ansprechende Einfamilienhaussiedlung. Wer hier in eines der schmucken Häuschen zieht, wohnt im Grünen mit der Kita um die Ecke. Eine andere Form von Stadtentwicklung zeigt sich im Wohngebiet Mathias Thesen Straße. Die mehrstöckigen Häuser sind liebevoll saniert. Davor ist viel Grün und Kunst am Bau. Während anderswo oftmals Skepsis gegenüber der Moderne herrscht, scheinen sich die Bewohner mit der interessanten Wohnumfeldgestaltung angefreundet zu
haben.
Dass Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke einen guten Draht zu Kindern hat, zeigte sich schon, bevor wir zu unserer Rundfahrt durch die Stadt starteten. Eine Schulklasse wollte sich eigentlich nur mal das Rathaus von innen ansehen, und schwups, waren sie im Bürgermeister-Zimmer gelandet. Einfach so, da waren die Jugendlichen ganz platt. Und dann noch das dicke schwere Goldene Buch der Stadt mit der Widmung der holländischen Königin! „Puh, das ist ja dufte!“ Doch damit nicht genug. Während andernorts Kitas abgebaut werden und das örtliche Gymnasium ganz schön zu kämpfen hatte, um die Schließung durch den Kreis zu vermeiden, investiert Oranienburg in die Jugend.
Gerade wird letzte Hand angelegt an die Kita Süd. Hundert Plätze sind in der Wernigeroder Straße für die Kleinen vom zweiten Lebensjahr bis zum Schuleintritt entstanden.

In Oranienburg findet sich eine gute Balance zwischen Kultur, Industrie und Landwirtschaft.

Die Fortführung der B96neu wird Oranienburg dem Norden näher bringen.

Schwere Lasten stemmen ist Hans-Joachim Laesicke gewohnt.

Das Goldene Buch mit der Widmung der Königin, das ist ein echtes Erlebnis für die spontanen Besucher.

„Kommt ihr Investoren und werdet so erfolgreich wie Orafol!“