Konkurrenz für Berliner In-Clubs

Apotheker verabreicht heisse Rhythmen

Toll, dass man mit der S-Bahn so schnell in der Hauptstadt Berlin mit ihrem vielfältigen Kulturangebot ist. Ausgehen ist also gar kein Problem! Oder doch?
„Warum soll die Kultur nicht zu uns kommen“, schmunzelt Apotheker Stefan Jacker. Aus der Schnapsidee eines Freundeskreises, zum dem Jackers Lebensgefährtin, die gelernte Bauingenieurin Verena Siol ebenso gehört wie der in Berlin wirkende Pfarrer Axel Wiesbruck, Rechtsanwalt Michael Jacker und das Pädagogen-Ehepaar Sylke und Uwe Nelde, wurde binnen weniger Monate ein ungewöhnliches Experiment, das sofort einschlug. „Wir stießen auf die unbenutzten Räume einer ehemaligen Täschnerei, die wir zur kostenlosen Nutzung überlassen bekamen“, erinnert sich Stefan Jacker zurück.
Umgehend wurde ein Verein gegründet, der sich um die Clique der kulturbesessenen Oranienburger formierte. In dem neuen „Kulturkonsum“ in der Heidelberger Straße nicht weit vom idyllischen Ufer des Lehnitzsees findet nun seit der Eröffnung im Juni 2004 monatlich eine Veranstaltung statt. Der Reigen spannt sich von Filmvorführungen über Lesungen bis zu Live-Konzerten. Jazz und Klezmer erfreuen sich großer Beliebtheit. Der Auftritt der jungen Musiker der örtlichen Newcomer-Combo „Jazzkomplott“ war binnen kurzem ausverkauft.
Und wie kommen völlig branchenfremde Kneipen- und Konzertgänger dazu, aus dem Stand Veranstaltungsmanagement zu betreiben? „Zuerst hatten wir einfach Künstler angesprochen, die wir selbst erlebt und gut gefunden haben. Mittlerweile melden sich Künstler bei uns. Wir können gar nicht alle nehmen“, schildert Stefan Jacker den unerwarteten Erfolg. Ob sich da nicht anböte, das Haus öfters als einmal im Monat zu öffnen? „Das wäre toll, doch dann bräuchten wir einen hauptamtlichen Organisator. Wir stehen alle im Berufsleben und haben einfach nicht mehr Zeit!“, so Jacker. Und noch ein Wunder haben die Veranstaltungs-Amateure bewirkt: Während überall darüber lamentiert wird, dass Kultur ohne Zuschüsse nicht möglich ist, arbeiten die Oranienburger trotz moderater Eintrittspreise kostendeckend.

Programm-Info: www.kulturkonsum-ev.de

Aus der Schnapsidee wurde eine Erfolgsgeschichte: Apotheker Stefan Jacker lädt einmal monatlich zu „Kulturkonsum” ein.