Die Geschichte gibt den Ton an

Orangerie ohne Orangen

Gartenbau statt Kriegskunst, so könnte das Motto für die lange vergessene Orangerie beim Schloss Oranienburg lauten. Allerdings war es nicht ganz freiwillig, dass Prinz August Wilhelm sich vom Heerführer zum Pflanzenfreund verwandelte. Sein Bruder Friedrich, der später den Beinamen „der Große“ bekam, war mit den Erfolgen von August Wilhelm auf dem „Feld der Ehre“ so unzufrieden, dass er ihn nach Oranienburg verbannt hatte. Ursprünglich war August Wilhelm bereits als 22-Jähriger zum Nachfolger auf dem Preußenthron bestimmt worden. In Oranienburg litt der Prinz ohne Aussicht auf den Herrscherthron wohl an Langeweile und versuchte seinen Kummer im Rotwein zu Ertränken. Damals war es an den europäischen Höfen Mode, eigene Gebäude zur Aufzucht exotischer Pflanzen zu bauen. Und so wollte August Wilhelm zumindest auch eine Orangerie haben. 1754 war Baubeginn. Im Laufe der Zeit kam es zu einigen Planänderungen, aber niemals zur Inbetriebnahme. Denn der Auftraggeber verstarb mit nur 35 Jahren am 12. Juni 1758, bevor das Gebäude fertig geworden war. So kam es, dass in Oranienburgs Orangerie keine Orangen gezüchtet wurden. Stattdessen brachte man darin kriegsgefangene Franzosen, eine Turnhalle und eine Pulverkammer unter. Nach 1945 wurde aus der Orangerie eine Notkirche, bis 1952 die kriegszerstörte Nikolaikirche wieder in Diensten genommen werden konnte. Das war dann der vorläufige letzte Höhepunkt. In der Folge fristete das Gebäude als Lager und Museumsdepot ein Schattendasein im Schlosspark. Als Willi Wiborni, der damalige Direktor des Heimatmuseums, nach der Wende in sein Depot kam, war er völlig überrascht, was für ein toller Saal sich hier verbarg. Den Durchbruch brachte dann der Tag des Offenen Denkmals vor fünf Jahren. Damals hatte man ein Konzert der Musikschule in den Räumen improvisiert. „Wir waren völlig überrascht von der tollen Akustik“, errinnert sich Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke. Eine Idee war geboren. Doch erst musste die Stadt Eigentümerin des kreiseigenen Gebäudes werden. Das gelang nach einigen Verhandlungen. Der Umbau zum Veranstaltungszentrum sollte fünf Millionen Mark kosten. Als die Stadt es schaffte, bei der EU und vom Land Brandenburg Fördermittel locker zu machen, so dass „nur“ ein Drittel der Kosten dem Stadtsäckel verblieb, stand dem Projekt nichts mehr im Wege. Ab dem 29. November 2003 wird die Orangerie sich nun zumindest von außen so präsentieren, wie es sich der strafversetzte Prinz wohl vorgestellt hatte. Mit dem Unterschied, dass sich dann statt Orangen und Orchideen Künstler und Oranienburger Bürger darin wohlfühlen werden.