Oranienburgs Schlossherr will mehr

Oranienburgs Schlossherr will mehr

Der Geruch vergangener Zeiten hat es ihm von jüngsten Kindesbeinen an angetan. Bereits als Zehnjähriger war der „Schlossherr von Oranienburg“ derart von dem Atem der Geschichte ergriffen, dass er seither nicht mehr von den historischen Bauten loskam.
Während seine Kameraden im Freien herumtollten, zog es Jörg Kirschstein immer wieder in die Potsdamer Schlösser. Der „Kinder- und Jugendclub von Sanssouci“ ermöglichte es ihm, auf den Spuren preußischer Herrlichkeit zu wandeln. Da war es nur konsequent, dass der spätere Schlossführer sich per Archiv-Studium das Hobby zum Beruf machte. Als die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten im Jahr 1999 einen „Burgherrn“ für das frisch sanierte Schloss in Oranienburg suchte, zögerte Kirschstein nicht lange und bewarb sich. Seitdem fungiert der 35-Jährige als „Manager“ von Oranienburgs Stadtwahrzeichen. Dabei „untersteht“ ihm nur ein Teil des Gebäudes. Denn über ihm „thront“ Oranienburgs Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke und bewahrt, bildlich gesprochen, den Hauptschlüssel auf. Denn die Stadt, die in dem Gebäude ihre Verwaltung untergebracht hat, ist Eigentümer des Areals und „duldet“ ihren Schlossherrn, wenn auch mit Stolz. Großmütig überlässt die Kommune die Museumsräume mietfrei und beteiligt sich sogar an den Kosten für Heizung und Strom. Wer würde unter diesen Bedingungen nicht gerne Schlossherr sein? Doch nunmehr sind Bedenken grundsätzlicher Art aufgekommen: „Oranienburg ist neben Paretz das einzige Schloss, das von der Stiftung verwaltet wird, aber nicht ihr Eigentum ist“, beschreibt Kastellan Kirschstein, warum es in Potsdam Überlegungen gibt, die volle Schlüsselgewalt zu übernehmen. Droht also Bürgermeister Leasicke und seinen Mitarbeitern, zu bloßen Mietern degradiert zu werden? „Wir hätten nichts dagegen, könnten wir dadurch doch etliches an Geld sparen“, gibt sich das Stadtoberhaupt gegenüber diesen Schlossplänen aufgeschlossen. Mit dem Schloss Oranienburg wurde der vom Timbre der historischen Schlösser faszinierte Jörg Kirschstein übrigens ausgerechnet in dem Anwesen Kastellan, in dem es besonders schwer ist, sich in die Zeiten alter Herrlichkeit zurückzuversetzen. Denn außer Bildern, Wandteppichen und wertvollem Porzellan erinnert hier wenig an die Zeiten von Schloss- und Stadtgründerin Louise Henriette. Die wechselvolle Geschichte des als Wasserschloss angelegten Areals verschlang Tisch und Bett, Innenausstattung und Möbel. Damit hält sich zumindest die Gefahr, dass „die weiße Frau der Hohenzollern“ durch ausgerechnet dieses Haus spukt, in Grenzen.

April bis Oktober Di. bis So. 10-18 Uhr
November bis März Sa./So. 10-17 Uhr
Tel. 03301/537437

Jörg Kirschstein ist stolz auf die wertvollen Gemälde im Schloss.

Dieses Deckenbild lässt ursprünglichen Glanz erahnen.

Von der früheren Pracht blieben vorwiegend Gemälde erhalten.