Ein Bilderbuch für Verliebte
„Dies ist ein ehrwürdiges Schloß. Sie werden die Erinnerung daran Ihr ganzes Leben bewahren. Im Garten ist auch noch die Sonnenuhr sehenswert.“
Mit diesem Gruß verabschiedet der Kastellan das Liebespaar Claire und Wölfchen in Kurt Tucholskys Erzählung „Rheinsberg. Ein Bilderbuch für Verliebte“ aus dem Schloß. Die Sonnenuhr gibt es nicht mehr. Aber das barocke Schloß Rheinsberg liegt heute noch so malerisch wie einst am Grienericksee. Es ist nach wie vor Anziehungspunkt für Verliebte.
Schloß Rheinsberg, einst eine Wasserburg am Austritt des Rhins, gelangte erst dadurch zu europäischer Berühmtheit, daß es zum Wohnsitz des Kronprinzen Friedrich, des späteren Friedrich II., wurde.
Erst nachdem der Thronfolger bereit war, sich König Friedrich Wilhelm I. zu beugen, konnte er die Festung Küstrin verlassen. Nachdem er in die staatspolitisch erwünschte Ehe mit der Prinzessin Elisabeth-Christine von Braunschweig-Bevern eingewilligt hatte, konnte er an eine eigene Hofhaltung denken. Kronprinz Friedrich hatte Rheinsberg kennengelernt und der Vater bewilligte 1734 die zum Ankauf nötigen Mittel. 1736 war Schloß Rheinsberg bezugsfertig.
Hier widmete sich der Kronprinz philosophischen, historischen und sprachlichen Studien und pflegte mit einem Freundeskreis Musik, Dichtkunst und Theater.
Das Studium der Schriften des Hallenser Philosophen Christian Wolff und der Briefwechsel mit dem französischen Schriftsteller François Marie Voltaire vertieften die aufklärerischen Gedanken des jungen Friedrich. 1740 besteigt er den Thron und schenkt 1744 seinem Bruder, dem Prinzen Heinrich, das Rheinsberger Schloß.
Abgesehen von der Zeit seiner militärischen Kommandos im Siebenjährigen Krieg hielt sich Prinz Heinrich von 1753 bis zu seinem Tode vorwiegend in Rheinsberg auf.
Er ließ Schloß und Park nach seinen Wünschen gestalten und lebte seine Neigungen in einem Rokoko-Hofstaat französischen Mustersaus . Er unterhielt eine eigene Hofoper und wirkte selbst als Violinist. Vereinsamt, von seinen Verwandten gemieden und im allgemeinen „aus der Mode gekommen“, wie er sich selbst bezeichnete, starb er mit 76 Jahren im August 1802 und wurde in dem Pyramidengrab am Orangenrondell beigesetzt. Für die Rheinsberger Bürger war das Ende der Hofhaltung ein schwerer Schlag, bis sie verstanden, daraus Fremdenverkehrskapital zu schlagen.