Dem Friedrich, der die Muse pflegte - ein Rundgang durch Rheinsberg
Rheinsberg gilt als das Eingangstor zum Rheinsberg-Zechliner Erholungsgebiet. Fast von allen Seiten reichen Wälder bis an die Stadt heran. Die Westflanke der Stadt lehnt sich an das Ufer des Grienericksees an, wo das Schloß den südwestlichsten Eckpunkt der Altstadt bildet.
Schloß Rheinsberg
Nach dem Brand der mittelalterlichen Wasserburg 1566 wurde bald darauf unter Achim von Bredow mit dem Neubau des Schlosses begonnen. Der Kern der jetzigen Anlage stammt noch aus der Renaissance. Ebenso der südliche Teil des jetzigen Schlosses, der Klingenberg, und die an diesen angrenzenden Erdgeschoßräume mit ihren rippenlosen gratigen Kreuzgewölben. An diese Räume schloß sich bis 1739 die einstige Küche an, die später nach Vollendung des Nordflügels in den Keller verlegt wurde. Parallel zu diesem Südflügel stand nordwärts das sogenannte Brauhaus und ostwärts, den Hof abschließend, das Torhaus, das man auf einer Zugbrücke über den künstlich geschaffenen Schloßgraben erreichte. Als das Schloß 1734 in königlichen Besitz gelangt war, sollte der jetzige Südflügel für den Kronprinzen eingerichtet werden. Im Sinne größtmöglicher Sparsamkeit wurde der von Baudirektor Johann Gottfried Kemmeter ausgeführte Umbau vorgenommen. Die Flügel wurden nach Osten hin verlängert und um ein Geschoß erhöht. Über dem Torbogen trägt eine Kartusche die später angebrachte Inschrift: „Friderico tranquillitatem colenti MDCCXXXIX“. Wir würden heute sagen: „Dem Friedrich, der die Musen pflegte 1739“. Vier allegorische Sandsteinfiguren, die Rhetorik, die Musik, die Malerei und die Bildhauerkunst, auf der Attika von der Meisterhand Friedrich Christian Glumes des Jüngeren verstärken die künstlerische Bedeutung dieses Mittelteils. Ein neuer Geist und genialer Schwung kam 1737 in den Schloßumbau mit Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff. Er schuf eine symetrische Dreiflügelanlage. Ein Meisterwerk ist der sechsfenstrige Spiegelsaal im Nordflügel. Aus der Zeit der Umgestaltung verschiedener Räume durch Carl Gotthard Langhans den Älteren ist besonders der Muschelsaal bemerkenswert. An Nebengebäuden entstand das dreiflügelige Kavalierhaus mit seinen tempelartigen Giebelfassaden an den Seitenflügeln. Im westlichen Flügel befand sich bis zur Zerstörung 1945 ein kleines stilvolles Theater, von Prinz Heinrich eingerichtet und zu dessen Zeit Schauplatz des musischen Lebens. Der ehemalige Marstall parallel zum Mittelbau des Schlosses an der Stadtseite entstand in seinen Grundzügen nach einem Umbau 1764. Seit 1802 war das Schloß nur noch gelegentlich von Mitgliedern der königlichen Familie bewohnt. Im übrigen wurde es museal genutzt und von einem Kastellan betreut. 1927 zählte man 13000 Besichtigungen.
„Und es gibt keinen Neuschnee“
Ist die Stadt nicht eher zufällig durch das idyllische „Bilderbuch für Verliebte“ von 1912 mit Kurt Tucholsky verbunden, das den 22jährigen Autor seinerzeit berühmt gemacht hatte und dem märkischen Städtchen bis heute seine besondere Aura sichert? Der Leiter der Gedenkstätte, Dr. Peter Böthig, erklärt den Zusammenhang. 1980 wurde in Rheinsberg eine erste Tucholsky-Ausstellung gezeigt. Bereits 1972 war von Mary Gerold-Tucholsky die Genehmigung eingeholt worden, eine Straße nach Tucholsky zu benennen. Fördermittel das Landes Brandenburg ermöglichten nach dem Auszug des Diabetiker-Sanatoriums aus dem Schloß 1991 bis 1992 die Sanierung der Räume für eine Tucholsky-Gedenkstätte. Hier zeigte der Tucholsky-Biograph Richard von Soldenhoff unter dem Titel „Herzlichst Tucholsky – ohne mich“ die erste große Präsentation im Schloß. Der gesamte Fundus wurde im Mai 1994 nach Rheinsberg überführt. Seit Oktober 1993 präsentiere die Gedenkstätte, so Dr. Peter Böthig, mit „Und es gibt keinen Neuschnee“ ihre erste eigene Tucholsky-Ausstellung. Neben Dokumenten und Texten von Tucholsky können Vertonungen seiner Chansons gehört und Verfilmungen seiner Rheinsberg- und Gripsholm-Geschichten angesehen werden.
Schloßpark Rheinsberg
An dem Schloßpark in seiner jetzigen Gestalt ist noch trotz aller späteren Veränderungen und Zutaten die Grundgestaltung zu erkennen, die ihm Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff und Carl Friedrich Glume und mehrere Hofgärtner gaben. Dieselbe strenge Linienführung, die von Knobelsdorff entgegen dem Zeitgeschmack des verspielten Rokoko dem Äußeren des Schlosses gab, findet man im Park wieder. Von dem durch die Kolonnade abgeschlossenen Ehrenhof stellte von Knobelsdorff durch eine breite Terrasse die architektonische Verbindung zum Gartenparterre, zum See und damit zur märkischen Landschaft her. Prinz Heinrich ließ dann 1766 diesen Freiraum umgestalten und den grünen Rasenflächen die fünf blendendweißen Akzente der Marmorfiguren aufsetzen. Giovanni Antonio Cybei schuf 1765 diese Plastiken des Apollo als Mittelfigur und der ihn umgebenden allegorischen Darstellungen der Elemente aus der griechischen Mythologie: Feuer, Erde, Wasser und Luft.
Schloßturm
Schloß Rheinsberg mit Schloßpark
Apollo hatte es Prinz Heinrich angetan.
Die Kolonnaden trennen Schloß- und Gartenbereich.