Stand April 2010
Autora Lacasa privat in Wandlitz
Strahlend, sympathisch, mit berauschender Stimme und einem ungewöhnlichen Flair – so kennt und liebt sie ein Millionenpublikum.
Was kaum jemand weiß: Die ungewöhnliche Karriere von Aurora Lacasa begann in Wandlitz!
Die Sängerin prägte seit ihrer Jugend die Unterhaltungslandschaft in Ostdeutschland und schaffte es, die Karriere nach der Wende fortzusetzen. 2010 ist sie wieder mit ihren aktuellen Konzerten „Lebenslinien“  und „Weihnachten mit Aurora Lacasa“ auf Tournee.
Neue Tournee, neue Liebe
Die Tournee startet von Wandlitz aus, denn hier hat sich die Sängerin zusammen mit ihrem Ehemann Jürgen Krajewski niedergelassen. „Wir haben ein rein ökologisches Haus mit Wärmepumpe, Solarenergie und Pflanzenkläranlage gebaut“, strahlt Aurora Lacasa.
Sie fühlt sich sichtbar wohl: Im eleganten Haus, dem die Einflüsse aus ihrer Heimat Spanien anzusehen sind, in der neuen Heimat Wandlitz, wo sie 2009 unter Riesen-Beifall ein Konzert im Goldenen Löwen gegeben hat, im neuen Leben mit einem künstlerischen Anspruch, den sie auf die ihr wichtigen Werte des Lebens konzentrieren will. „Es geht mir nicht mehr um die großen Star-Auftritte vor einem Riesen-Publikum. Ich möchte jetzt in überschaubaren Räumen auftreten, wo der Kontakt zu den Zuhörern direkt spürbar vorhanden ist.“
Star seit 40 Jahren
Aurora Lacasa ist ein Weltstar, und doch mag sie diesen Begriff nicht. Im Gegensatz zu den vielen Sternchen am Pop-Himmel versteckt sie sich nicht vor ihren Fans. Auf ihrer Internet-Seite steht sogar die Telefonnummer. „Künstler leben doch von ihrer Kunst und dem Publikum“, meint sie dazu mit der ihr eigenen Bescheidenheit.
Die Hits von Aurora Lacasa sind immer noch gefragt: „Das kann doch nur Liebe sein“ mit ihrem damaligen Partner
Thomas Lück schaffte 1972 gleich den Sprung in die Hitparaden. Ebenso erfolgreich waren „Wenn die Wandervögel ziehn“  oder die klassischen Adaptionen von Bellini „Geh so wie du kamst“. Die LP „Weihnachten in Familie“ mit Frank Schöbel von 1985 war die meist-verkaufte Platte in der DDR. Mittlerweile hat sie mehrere eigene CDs veröffentlicht und ist mit ihrem Liederprogramm „Lebenslinien“ und „Weihnachten mit Aurora Lacasa“ unterwegs.
Karriere-Start in Prenden!
Viel ist über ihr Leben bekannt, aber kaum jemand weiß, dass der große Star im winzigen Prenden, das heute ein Ortsteil von Wandlitz ist, sein Talent entdeckte: „Ich war dort bei einem internationalen Jugendlager als Übersetzerin für französische Jugendliche tätig. Da meine spanischen Wurzeln allen bekannt waren, drängten mich viele, doch mit spanischen Liedern aufzutreten. Bei diesem Sängerwettbewerb gewann ich zur eigenen Überraschung gleich den ersten Preis.“
Von Paris nach Budapest
Aurora Lacasa ist Tochter
spanischer Eltern, die vor der Franco-Diktatur nach Frankreich geflohen waren. Vier Jahre später musste die Familie auf Grund der Aktivitäten
des Vaters in der Resistanze Hals über Kopf Frankreich verlassen.
Die Eltern Pilar und Ernesto Lacasa tauschten das französische Paris gegen Budapest, das „Paris des Ostens“, ein.
Ihr Vater arbeitete in der
Organisation des „Weltbundes der Demokratischen Jugend“. Der „WBDJ“ engagierte sich für die Organisation der „Weltfestpiele der Jugend und Studenten“, die ab 1947 veranstaltet wurden.
Aurora ging in der Donau-
Metropole zur Schule. „Während des Ungarn-Aufstandes 1956 wurden die Mitglieder des WBDJ über die Donau in die DDR gebracht.“
Mit wenigen Koffern
Noch heute hat Aurora Lacasa das Bild vor Augen, wie die Familie in Ziegenhals, das heute zu Königs Wusterhausen gehört, angekommen ist, bevor sie in Pankow ihre Bleibe fand. Ernesto Lacasa arbeitete als Redakteur bei der FDJ-Tageszeitung „Junge Welt“ und später bei der FDGB-Zeitung „Tribüne“. Aurora ging in Pankow zur Schule, allerdings nicht immer zur reinen Freude, denn als exotische Ausländerin hatte man es dort ebenfalls manchmal schwer. Sie hatte entdeckt, dass sie viel praktisches Gespür hat, wollte Arbeiterromantik in der Fabrik erleben. Im Turbinen- und Generatorenbau VEB Bergmann-Borsig machte sie den Jungs schnell klar, dass „Mädchen nicht nur zum
Eimer schleppen und Kaffee kochen taugen.“ Das Ergebnis war der Facharbeiterbrief für Maschinenbau.
Brummis für Kuba
Die kubanische Botschaft war in Berlin damals unter anderem damit beschäftigt, Technik im „Bruderland“ zu organisieren, denn durch das Embargo ihrer Zuckerinsel durch die USA war das Land von den westlichen Einkaufsquellen abgeschnitten. Da kam dem Botschafter die hübsche, sprachgewandte und technikbegeisterte Pankowerin gerade recht: „Ich war Dolmetscherin und kaufte für Kuba W50-Lastwagen“, erinnert sie sich an diese Zeit.  
Auftritt mit Oktoberklub
Per Zufall traf Mutter Pilar
Lacasa im Zug nach Sofia auf die DDR-Musikgruppe „Oktoberklub“. Die Berliner Künstler waren ebenfalls zu den Weltjugendfestspielen unterwegs, die 1968 in der bulgarischen Hauptstadt stattfanden. Man kam ins Gespräch und Mama Lacasa meinte: „Ich
habe auch zwei Kinder, die singen können.“ Ob die Musiker mehr von der hübschen Spanienkämpferin oder von ihrer Tochter fasziniert waren? Jedenfalls betrat mit der schüchternen und ziemlich aufgeregten Aurora Lacasa
eine 21-Jährige die Bühne vom Kino International, die es aus dem Stand schaffte, das durchaus anspruchsvolle
Publikum sofort in den Bann zu ziehen: „Ich trug Lieder aus dem spanischen Bürgerkrieg und vertonte Gedichte von
Federico Garcia Lorca vor, der noch heute zu meinen Lieblings-Schriftstellern gehört.“
Kometenhafte Karriere
Der Auftritt sprach sich schnell herum. Bald war die hübsche Spanierin häufiger Gast im Jugendsender „DT64“. Aurora Lacasa wurde beim „Studio für Unterhaltungskunst“ aufgenommen und lernte dort die Feinheiten von Gesang und professionellem Auftreten. Zu den „Kommilitonen“ gehörten Wolfgang Ziegler, der mit seinem Song „Verdammt“ 1987 auch in der BRD Erfolg hatte. Mit der Liedermacherin und Sängerin Barbara Thalheim verband Aurora Lacasa eine langjährige Freundschaft.
Farbe im DDR-Alltag
Aurora Lacasa brachte mit ihrer südländischen Ausstrahlung Farbe in den DDR-Alltag und ins Fernsehprogramm. Sie war überall zu sehen, wo beste Unterhaltung gefragt war. Dazu gehörten „Ein Kessel Buntes“, Shows und Galas im Friedrichstadtpalast, „aber ebenso in Kulturhäusern in der Provinz“. Sie war im Radio zu hören, stürmte die Charts, ihre Platten fehlten in keinem Haushalt. Mit über zwei  Millionen verkauften Tonträgern gehört sie zu den erfolgreichsten Künstlern der DDR. Tourneen brachte sie in fast alle osteuropäische Länder, in viele arabische Staaten, nach Kuba, nach Frankreich, Portugal und andere westeuropäische Staaten.
Heißes Weihnachten
Absolute Hits wurden ihre LP und die Fernsehsendung  „Weihnachten in Familie“. Sie erinnert sich noch genau an die Hintergründe: „Frank Schöbel und ich wollten Weihnachten so zeigen, wie es für uns selbst war. Wichtig waren für uns die originalen Weihnachtstexte. Da unsere beiden Töchter Odette und Dominique sehr gut sangen, bezogen wir sie mit ein. Allerdings war die Atmosphäre bei den Aufnahmen schon leicht kurios, denn wir saßen bei 30 Grad im Schatten und übten Weihnachtslieder.“ Die LP erschien 1985 und wurde sofort ein Riesen-Erfolg.
Die dazu produzierte Fernsehsendung wurde mit Begeisterung aufgenommen Das MDR führte nach der Wende diese Tradition weiter. Die Sendung von Heilig Abend 1993 schrieb Geschichte – sie erreichte die höchste Einschaltquote, die bis dahin gemessen wurde.
Erfolgreiche Tochter
Dominique Lacasa ist übrigens in die Fußstapfen der Eltern getreten und wurde erfolgreiche Sängerin und Schauspielerin. Sie veröffentlichte 2008 ihre erste Single „Go my way“, sang den Titelsong für die Erfolgsserie „Berlin, Berlin“ und war im Fernsehen in „Küstenwache“ und „Tierärztin Dr. Mertens“ zu sehen. Großen Tournee-Erfolg feierte sie als Frida in „ABBA Fever“.
Gefühle statt Kitsch  
Wie kommt es, dass eine kämpferische Linke wie Aurora Lacasa mit Wurzeln im Widerstand gegen das faschistische Franco-Regime so eine Affinität zum kitschigen deutschen „Christfest“ hat? „In erster Linie ist es für mich ein Fest der Liebe und des Friedens. Weihnachten ist für mich auch deshalb so faszinierend, weil ich das Gefühl habe, dass viele Menschen in dieser Zeit leichter ihr Herz öffnen.“
Aurora Lacasa hat lange überlegt, ob sie in Spanien wohnen soll, sich dann für Deutschland entschieden.
Ein Grundstück in Wandlitz hat sie sofort fasziniert: „Ich bin immer in Städten aufgewachsen, doch mein Gefühl gilt dem Land. Mit Wandlitz verbinde ich schöne Kindheits-Erinnerungen. Meine Eltern sind mit mir und meinem Bruder Enrico oft an den Liepnitzsee zum Baden gefahren.“
In Wandlitz zuhause
Die Sängerin ist nun in Wandlitz zuhause. „Ich möchte den Kontakt zum Publikum, wie es nur in kleineren Sälen möglich ist. Meinen Auftritt in Wandlitz habe ich sehr genossen.“
Nun will sich Aurora Lacasa noch mehr für ihre neue Heimat öffnen. Das Weihnachtskonzert ist für den 5. Dezember 2010 um 16 Uhr im Kulturzentrum „Goldener Löwe“ bereits fest geplant. Im Rahmen ihrer Initiative „pro Region“ möchte sie gerne Überraschungsgäste von hier dazu einladen. Sie will ihre Erfahrungen außerdem gerne an den Nachwuchs weitergeben, etwa bei einem Projekt mit Schülern. Schließlich hat Aurora Lacasa neben der Musik durch die Verbindung zu Spanien und Lateinamerika eine ganze Menge weiterzugeben.  
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