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Krumme Häuser, fliegende Fische
Stand März 2013
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Der Schreck eines jeden Bauherren ist,
wenn die Wände schief und die Räume
nicht schön im Winkel sind. Ein
Wandlitzer sieht das allerdings anders
und erreichte ausgerechnet mit schiefen
Häusern einen beachtlichen
Durchbruch.
Uwe Handrick hat seine schiefen Häuser
allerdings nicht aus gebrannten Ziegeln
sondern aus Ton gebaut. Das
unterscheidet ihn von seinem Vorbild, dem
österreichischen Künstler Friedensreich
Hundertwasser, der seine ungewöhnlichen
Gebäude zum Wohnen schuf. Allerdings
führten Uwe Handrick seine Häuser
ebenfalls in ein neues Umfeld.
Wachsende Häuser
„Meine Kreationen wurden immer größer,
so dass ich einfach neue Räume brauchte.
Die Suche führte mich nach Wandlitz“,
schmunzelt er.
Natürlich landete der Altbau-Fan ebenfalls
in einem nicht mehr taufrischen Haus, das
er allerdings liebevoll und keineswegs mit
krummen Wänden herrichtete.
Die große Leidenschaft für alte Häusern
erwachte in dem gelernten Tagebau-
Kumpel aus Hoyerswerda so richtig, als er
nach der damaligen Scheidung seine
bisherige Heimat zugunsten von Berlin
eintauschte. „Als ich 1990 in die Stadt
kam, war ich total fasziniert, was
besonders in Prenzlauer Berg damals so an
alten Fenstern und anderen Sachen
herumlag. Damit arbeite ich noch heute“,
blickt der Wandlitzer nun zurück.
Bilder die passieren
Zu den Häusern mit den krummen Wänden
kamen schnell ausdrucksvolle Bilder.
„Aquarelle wären mir zu schwammig und
farblos, ich male in Acryl und Öl, das
ergibt einen wesentlich kraftvolleren
Effekt“, berichtet er.
So hat sich Uwe Handrick in Wandlitz, wo
er seit knapp zehn Jahren mit Ehefrau
Karen Handrick und den beiden Mädchen
im Alter von 13 und fünf Jahren lebt, zu
einem sehr vielseitigen Multikünstler ent
wickelt. Sein Atelier im „Oberstübchen“
vom „Kunsthof Wandlitz“ ist voll von
bunt-ansprechenden Bildern in
unterschiedlichsten Formaten. Die Motive
gehen von Akt bis zu politischen
Äußerungen im Großformat, wie er sie
nach der letzten Bundestagswahl erstellte.
„Manchmal fange ich einfach an, Farbe
aufzutragen, dann entwickelt sich das Bild,
ohne dass ich es richtig beeinflusse. Diese
Bilder, die einfach passieren, sind die
Besten. Das große Problem ist allerdings
immer, zu erkennen, wann es fertig ist.
Überschreitet man diesen Punkt, wird es
zunehmend schlechter“, gibt der
autodidaktische Künstler Einblick.
Altes Auto sorgt für neue Liebe
Bei aller Kreativität bricht immer wieder
die Freude an handwerklicher Arbeit bei
ihm durch. „Die Rahmen mache ich
oftmals selbst. Dazu kann ich die alten
Fenster und Nägel, die ich gesammelt
haben, bestens einsetzen“, schmunzelt der
Künstler, der zuletzt als „Strippenzieher“
für die Telekom Kabel fürs schnelle
Internet verlegte. Trotz aller Liebe zu
schiefen Sachen schwört er Stein und Bein,
bei seiner beruflichen Arbeit die Liebe fürs
Krumme außen vor gelassen zu haben.
Und sein eigenes Haus ist ja ebenfalls
keineswegs krumm und bucklig, sondern
penibel und geschmackvoll renoviert.
Bei der Wahl seiner „Altmaterialien“
beweist Uwe Handrick ausgesprochen viel
Fantasie. So entstehen seine Öl- und
Acrylgemälde nicht selten auf einer
„Leinwand“ ganz besonderer Art: „Ich
verwende dazu oftmals alte Postsäcke, das
gibt dann einen ganz besonderen Effekt.“
Neben dem künstlerischen Erfolg
bescherte Uwe Handrick der Charme alter
Dinge viel persönliches Glück: „Als mich
mein betagtes Auto im Stich ließ und ich
es in die Werkstatt bringen musste, blieb
mir nichts anderes, als auf den Zug
auszuweichen. Und exakt darin lernte ich
meine Frau Karin kennen.“  
Zugliebe führte nach Wandlitz
Die Zugliebe hielt, das Paar ist seit 2000
verheiratet. „Im Gegensatz zu vielen
anderen Frauen hat sie nichts dagegen, mit
einem chaotischen Künstler zusammen zu
leben. Sie hat mich sogar in meinem
Entschluss unterstützt, mich ab diesem
Jahr nur noch der Kunst zu widmen.“
Schließlich hat Uwe Handrick in seinem
vorherigen Beruf als Anlagentechniker bei
der Telekom die besten Strippen für seinen
Erfolg gezogen: „Mittlerweile erfolgen die
meisten Anfragen nach meinen Arbeiten
übers Internet!“
Die erwarteten Besucher, die sich das neue
„Barnim Panorama“ ansehen kommen,
werden dann übrigens ebenfalls auf den
Künstler „stoßen“. Dann werden seine
„Fliegenden Fische“ wenige Schritte vom
Museum entfernt darauf aufmerksam
machen, dass Wandlitz eine
Wassergemeinde ist, wo man gerne das
eine oder andere mit einem kleinen
Augenzwinkern betrachten darf.
Infos: Tel. 03 33 97/6 89 00
www.kunsthof-wandlitz.de