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Die Suche nach dem ultimativen Gag!

Stand April 2014

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Klavier und Violine, Komponist und
Pantomime, Auftritte in angesagten
Fernsehshows, Autor, Sänger und
Kabarettist, in Prenden wohnt der mit
Sicherheit vielseitigste Künstler, den
Wandlitz zur Zeit hat.

Michael Sens kann in den ganz
unterschiedlichsten Disziplinen
atemberaubende Erfolge vorweisen und ist
dennoch offenbar niemals zufrieden. Jetzt
will er ganz neu die Früchte seiner langen
Bühnen- und Auftrittserfahrung ungeübten
Wirtschaftskapitänen durch spezielle
Schulungen zukommen lassen. „Viele
Spitzenmanager haben ein Problem mit
Körpersprache und Rhetorik“, hat  der
jugendlich wirkende 50-Jährige erkannt.
Wer seine Karriere kennt, ihn in Auftritten
im Fernsehen, etwa bei „Schmidt &
Pocher“ gesehen hat, ihn zuletzt im
„Goldenen Löwen“ erlebte, der traut dem
Multitalent zu, dass er die neue Aufgabe
aus dem Stand beherrscht. Doch darauf
lässt sich ein Michael Sens nicht ein: „Bei
mir gilt: Ohne Schein geht nichts“,
verblüfft er. Tatsächlich hat er dafür schon
wieder eine neue Ausbildung gemacht,
diesmal zum „Business-Trainer“.

Geliebte Schulbank

Offenbar ist es eine unsichtbare Magie, die
ihn immer wieder auf die Schulbank zieht.
Und das, obwohl er manches lernen
„musste“ wie das Klavierspielen, das er im
zarten Alter von sechs Jahren begann:
„Welches Kind würde das so jung
freiwillig machen? Da will man doch
lieber mit anderen herumtoben statt steif
auf dem Stuhl die für kleine Hände viel zu
großen Tasten bedienen!“ Aber was bleibt,
wenn man aus einer Künstlerfamilie
kommt? Vater Egon Sens ist Freunden
„neuer Musik“ als Zwölfton-Virtuose
bekannt. Diese Stilrichtung wurde von
Arnold Schönberg in den 1920-er Jahren
aus der Taufe gehoben und gilt aufgrund
des ungewohnten Klangbilds als elitär und
nur für wenige Spezialisten zugänglich.  

Steiler Aufstieg

Mutter Susanne Sens hingegen war
Tänzerin und hatte zugleich ein Faible fürs
Kabarett. „Beide wollten, dass ich früh
musikalisch ausgebildet werde“, erinnert
sich der Junior. Zum ungeliebten Klavier
kam prompt noch ab dem siebten
Lebensjahr die Violine. „Wenn ich es
schon mache, will ich es richtig können“,
begründet er, warum er sich 1979 im
zarten Alter von 16 Jahren  an die
renommierte „Hochschule für Musik
Hanns Eisler“ bewarb und tatsächlich
sofort angenommen wurde. „Ich nutzte
während des Studiums natürlich alles, was
es an Auftrittsmöglichkeiten gab“, erinnert
er sich. Mit gerade mal 21 Jahren hatte er
1984 seinen Abschluss für klassische
Violine und Klavier in der Tasche. Er
wurde Musiker in einem Eberswalder
Unterhaltungsorchester. 1985 kam der
erste Karrieresprung. Die Uckermärkischen
Bühnen in Schwedt engagierten ihn trotz
jugendlichem Alter und wenig Erfahrung
gleich mal als „Musikalischen Leiter“.
Sens hatte sich bei dem Provinztheater
während des Studiums mit
Kompositionsarbeit etwas Geld
dazuverdient und dabei offenbar einen
bleibenden guten Eindruck hinterlassen.

Stumm am Deutschen Theater

Das war offenbar beim Vorzeige
„Deutschen Theater“ in Ostberlin ebenfalls
der Fall gewesen. „Hier hatte ich als
Student eine Zusatzausbildung in
Pantomime gemacht. Nach einem Jahr in
Schwedt bekam ich das Angebot, in
das elfköpfige Pantomimen-Ensemble zu
wechseln. Da konnte ich einfach nicht nein
sagen!“ Damit wurde Sens tonlos
erfolgreich, denn bei der Pantomime wird
bekanntlicherweise nicht gesprochen. „Das
war eine schöne Zeit, denn das Theater
machte jedes Jahr eine Welttournee.
Dadurch habe ich viele Länder gesehen!“

Student als Preisträger

Doch stumm für immer, das wollte
Michael Sens auch wieder nicht sein. Da
der ungewöhnliche Künstler aber „nichts
ohne Schein“ macht, ging es 1990 erneut
auf die harte Schulbank der „Hochschule
für Musik Hanns Eisler“, wo er ja
bereits Klavier und Violine studiert hatte.
Ob das wirklich vonnöten war? Jedenfalls
gewann er kurz nach Beginn des Studiums
sensationell den Bundes-
gesangswettbewerb im Fach
Chanson/Songs. Nach weiteren vier Jahren
an der „Hanns Eisler“ fühlte sich Sens
ausreichend gerüstet für die nächste Stufe
seiner Karriere. „Von 1997 bis 2008 war
ich als Sänger mit dem Musical-Ensemble
„SET“ auf Tournee. Wir waren sechs
Sänger und ebensoviele Musiker, die
meisten kamen aus den USA und England.
Ich war einer von nur zwei Deutschen.“
Zugleich komponierte Sens für
Bühnenstücke. Krönung war 2008, als das
Orchesterwerk „Der Zeitmacher“ vom
Jugendsinfonieorchester Leipzig unter dem
Dirigat von Ron-Dirk Entleutner im
weltberühmten Gewandhaus uraufgeführt
wurde.

Revue für den Friedrichstadt-Palast

Sens wäre nicht Sens, wenn er sich mit
„nur“ drei Abschlüssen und
atemberaubendem Erfolg zufrieden
geben würde. Um das Spektrum weiter zu
vergrößern, ließ er sich als Drehbuchautor
ausbilden. „Das war ein Privatstudium, das
ich selbst bezahlen musste“, erinnert er
sich zurück. Allerdings hatte er schon
vorher getextet. Seit seinem ersten
Soloprogramm „Endlich prominent“ trat er
mit eigenen Einfällen kabarettistisch auf.
Nach dem erneuten Studium verfasste er
2010 zwei historische Schauspiele fürs
Burgtheater Ziesar. 2013 führte der
Friedrichstadt-Palast seine Kinderrevuen
„Träume brauchen Anlauf“ und
„Keinschneechaos“ auf.  

Alleskönner

„Ich hatte nun die Breite erreicht, die mir
immer vorgeschwebt ist. Mit den drei
Instrumenten Klavier, Gitarre und Geige,
mit Gesang, Komponieren und Texten
hatte ich das nötige Rüstzeug, um, ganz
wie meine Mutter, mich voll dem Kabarett
zuzuwenden, was ich seit 2006 fast
ausschließlich mache. Dabei stehen bei
mir Musik und Liebe als Themen im
Vordergrund“, gibt er Einblick. Ab 2004
heimste er bundesweit Preise ein, 2011
wurde er sogar „Bundeskabarettmeister“.
Ein Jahr zuvor hatte ihn Harald Schmidt zu
„Schmidt & Pocher“ eingeladen. Er trat
regelmäßig in Satiresendungen wie „Alles
muss raus“ auf. In Berlin fand er im
Kabarett „Die Wühlmäuse“, im
Mehringhoftheater und im Comedyclub
„Kookaburra“ feste Auftrittsmöglichkeiten.
Zudem ist er jeden Monat in einer
Mixshow in der Schönhauser Allee in
Berlin-Mitte zu erleben. „Und
selbstverständlich trete ich sehr gerne im
‚Goldenen Löwen’ in Wandlitz auf“,
versichert er.

Konsequente Arbeit

„Mir gehen nie die Ideen aus. Ich setze mich
an den Laptop und schreibe, was mir
einfällt. Aber selbstverständlich ist man als
Kabarettist 24 Stunden am Tag  auf der
Suche nach dem ultimativen Gag“, gibt der
Mann mit den vielen Abschlüssen Einblick
in seine Arbeitsweise. Seit 2005 lebt er in
Prenden. Das Eigenheim mit den hellen
Räumen und der großen Glasfassade regt
ihn an. „Meine Frau, die aus den
Niederlande stammende Sängerin Blanche
Elliz und ich wollten in der Natur wohnen.
Ich kannte das Haus von einem Freund. Als
der beschloss, auszuwandern, habe ich es
gekauft“, erklärt er, wie Prenden zum
Multikünstler kam.

Liebe mit Schein

Übrigens hat Michael Sens noch eine
Begabung. 2011 erschien sein Buch „Das
Casanova-Prinzip“, in dem das „Geheimnis
der Verführung“ erklärt werden soll. Es geht
aber weniger um heißen Sex als um länger-
anhaltende Beziehungen. Ob dafür immer
der Trauschein wie bei ihm selbst von
Bedeutung ist?

Infos:
Tel. 01 72/3 22 49 43
www.michael-sens.de