Willkommenskultur als „Exportschlager“, das erlebt gerade der „Runde Tisch Willkommen“ in Wandlitz. Denn
mit den zunehmenden Flüchtlingswellen ist die Erfahrung der engagierten Bürger aus der überschaubaren
Naherholungsgemeinde vor Berlin plötzlich vielfach gefragt.
So erfährt der Kreis um Hannah Kickel-Andrae immer häufiger Einladungen zum Meinungsaustausch, sogar über den
Landkreis hinaus. Dabei weiß die 59-Jährige wie man informiert, ist sie doch Kommunikationswirtin. Als solche ist sie
hauptberuflich Direktionsassistentin bei der Evangelischen Akademie in Berlin. Sie stammt aus dem beschaulichen
Hannover und kam durch den Ehemann, der Pfarrer in Angermünde war und mittlerweile in Rente ist, in den
ungewohnten Osten. Ein wenig Erfahrung in der „Fremde“ brachte das also bereits mit sich.  
Positive Schlagzeilen für Wandlitz
Der „Runde Tisch Willkommen“ möchte, dass sich die knapp 100 Bewohner im Übergangswohnheim in der Zeit, wo sie
in Wandlitz sind, sicher und wohl fühlen können. „Mittlerweile ist das Verständnis bei den Bürgern sehr angestiegen. Es
gibt kaum mehr Wandlitzer, die offen Ressentiments äußern. Dafür gäbe es keine Gründe, denn straffällig, wie
ursprünglich befürchtet, werden die Bewohner des Heims soviel wie nie. Wenn etwas passiert, was selten vorkommt,
resultiert es aus den Spannungen, die entstehen, wenn so viele Personen mit unterschiedlicher Herkunft auf so engem
Raum zusammenleben müssen“, gibt Hannah Kickel-Andrae Einblick. Die Initiativen des losen Verbunds engagierter
Bürger haben teilweise bundesweit für positive Schlagzeilen gesorgt. Die Wandlitzer hatten sich mit Erfolg
ausländerfeindlichen Demonstrationen entgegengestellt. Schauspieler hatten sich erfolgreich gegen ungerechtfertigte
Abschiebungen engagiert. Bürger haben Mobiliar, Spielzeug, Hausrat, Fahrräder und Sportgeräte gespendet. Es wird
gemeinsam gekocht, gelacht und musiziert.        
Lehre bewahrt vor Abschiebung
Ehrenamtliches Engagement wie der Deutschunterricht von Dr. Brigitte Breuer und Reinhard Fiedler helfen den
Bewohnern auf Zeit, Zugang zur Gemeinde und den Einheimischen zu finden. Für manche kann das in eine wichtige
Lebensperspektive münden. Denn die Sprache fungiert oft als Schlüssel zu einer Lehrstelle, die erst mal vor
Abschiebung bewahrt. Der Vorteil liegt auf der Hand. Wenn der Asylantrag berechtigt ist, bekommen die Menschen
damit eine Existenzgrundlage bei uns. Müssen sie zurück in ihr Land, haben sie durch das neue Wissen gute
Möglichkeiten, sich dort etwas aufzubauen.      
Praktische Hilfe
Der Wandlitzer Kreis hilft auf vielfältige Weise. „Momentan sind bei uns etwa 20 Personen regelmäßig aktiv, die sich je
nach Bedarf engagieren. So gibt es Patenschaften, wir begleiten zum Arzt oder zu Behörden, stehen für Fragen zur
Seite“, beschreibt Hannah Kickel-Andrae das Engagement, das von der Gemeinde unterstützt wird. Mit dabei sind
traditionsgemäß die Vertreter der Kirchen. Dazu gehören der katholische Diakon Peter Dudyka und sein evangelischer
Kollege Albrecht Preißler.
Wichtige Erfahrung
Die Initiative aus Wandlitz ist mit ihrer relativ langen Erfahrung häufig überregional gefragt: „Immer öfter kommt es vor,
dass uns andere Orte einladen, wenn es bei ihnen darum geht, dass den Bürgern Ängste genommen werden und
Erfahrungen aus der Praxis gefragt sind. Da die Gemeinde Wandlitz ein überschaubarer Ort ist, wo man sich kennt,
können wir mehr authentische Information bieten, als es aus einer doch eher anonymen Großstadt möglich wäre“, hat
Hannah Kickel-Andrae festgestellt. Wandlitz ist damit dabei, mit einer ganz neuen Seite in Erscheinung zu treten.
Infos:
Peter Dudyka, Tel. 03 33 97/2 14 23
Stand März 2015
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Willkommenskultur als „Exportschlager“
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