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Idylle pur, so präsentiert sich das kleine Prenden den Besuchern. Im flachen Norddeutschland sticht der Flecken
durch seine ungewöhnliche Berg- und Tallage hervor, lädt mit gleich zwei Seen zum Erholen ein.
Berliner Künstler fühlen sich traditionell in der wildromantischen Natur ebenso wohl wie Hauptstädter, die hier Datsche in
Waldlage genießen und teilweise ganz hergezogen sind. Niemand würde gerade in Prenden eine streng geheime Anlage im
Wald vermuten. Diese ist aber rund um den modernsten Atombunker der DDR entstanden, der bis zur Selbstauflösung des
Staats als militärisches Geheimnis behandelt wurde! „Nicht mal die Wachmannschaften wussten, was sie hier schützen“, hält
Hannes Hensel vor Augen. Der Berliner IT-Fachmann hat sich zur Lebensaufgabe gemacht, das geheime Kommandozentrum
von Erich Honecker und seinem engsten Führungskreis, der den „Nationalen Verteidigungsrat“ bildete, museal zum Leben zu
erwecken.  
Betonpiste im Wald
Diese Anlage könnte schon bald dafür sorgen, dass die Idylle von Prenden durch den gewünschten Besucheransturm in
Bewegung gerät. Die Infrastruktur ist dafür bereits vorhanden. Von Klosterfelde kommend biegt man rechts der Beschilderung
zum Sportplatz folgend auf eine massive Betonpiste ein, die man kaum in einem „normalen“ Wald vermuten würde. Folgt man
dieser für schwere Fahrzeuge gedachten Straße, steht man schließlich vor einem massiven meterhohen Tor. Dahinter ist ein
kleines ebenerdiges Gebäude, dem man schnell ansieht, dass es wohl mal ein Wachhäuschen war. Allerdings weisen die
Reklameschilder auf „normale“ gewerbliche Nutzung hin. „Nach der Wende hat man diverse Versuche gemacht, das Gelände
zu beleben“, weiß Hannes Hensel, der das Tor zum menschenleeren Riesen-Areal mit einladender Geste öffnet. Es gilt,
seinem kleinen Geländewagen zu folgen.        
Geheime Bauten
Mitten im Wald eröffnet sich nach wenigen Minuten eine weitläufige Anlage. Insgesamt sechs mehrgeschossige langgestreckte
Plattenbauten lassen erkennen, dass dieser Teil des Waldes weder für Idylle noch für die sprichwörtliche Besiedlung durch
„Fuchs und Hase“ gedacht war. „Das Areal ist insgesamt gut 62 Hektar groß. Der bebaute Kern von zwölf Hektar war
hermetisch gesichert. Hier befanden sich neben den Plattenbauten ein größeres Küchengebäude, vier Hallen, eine
Sportanlage, vier Baracken und zehn kleinere Bauwerke. Sogar eine eigene Wasserversorgung gab es“, so der Berliner IT-
Fachmann.  „Bis zur Wende war im Westen nicht bekannt, dass sich hier der geheime Führungsbunker des Nationalen
Verteidigungsrates befand.“
Bedrückendes Wunderwerk
Heute weiß man, dass die Anlage als Teil eines komplexen Bunkersystems in der Rekordzeit von 1978 bis 1983 entstand. „Der
Bunker war in seiner Art technisch einmalig. Die Außenhülle besteht aus einer 1,65 Meter dicken Stahlbetonumhüllung, die
durch eine 4,2 Meter dicke Zerschellschicht abgedeckt ist. Darin wurden Stahlcontainer eingehängt, die beweglich waren um
die immense Druckwelle einer atomaren Explosion auszuhalten. Damit hätte der Bunker einer Atombombe, die am
Eingangsbereich in 750 Meter Entfernung eingeschlagen wäre, getrotzt“, so der 44-Jährige. Honeckers Führungsbunker
schockierte wohl selbst den DDR-Staatschef. „Er ist nur einmal zur Inbetriebnahme hierherkommen und zeigte sich sichtlich
von der bedrückenden Atmosphäre betroffen“, weiß Hensel aus Zeitzeugengesprächen, die der frühere „Dispatcher“ im
Regionalsender „rbb“ gerade wieder bestätigte. „Schließlich dürfte damals allen klar gewesen sein, dass es dann außerhalb
keine Lebensmöglichkeit mehr gegeben hätte.“ Dabei hätte Erich Honecker mit seinem „Nationalen Verteidigungsrat“ im
Kriegsfall nur eine unbedeutende Nebenrolle gespielt, denn das Kommando hätten selbstverständlich die Sowjets geführt.    
Leere Villen und Bunker  
Hannes Hensel ist weder DDR-Nostalgiker noch Militariafan. In seiner Brust schlagen zwei Herzen. Als Westberliner Bub, der
in Westend aufgewachsen ist, hat er die Bedrohung durch die Mauer hautnah erlebt und Gruseln durch Kriegsüberbleibsel
erfahren. „Mit zehn Jahren habe ich den ersten Bunker besichtigt. Später erkundeten wir verfallene Villen und Ruinen“, erinnert
er sich. Nach der Wende, „damals war ich 18 Jahre alt“, war es eine Mischung aus Abenteuerlust und Romantik, die ihn mit
Freunden nach verborgenen Geheimnissen der untergegangenen DDR fahnden ließ. „Auf diese Weise sind wir mit dem
Bunker in Prenden in Berührung gekommen.“
Erfinder und Geschäftsmann
Hannes Hensel ist Erfinder und erfolgreicher Kaufmann. Er gehört zu den Pionieren der modernen digitalen
Panoramafotografie. Sein Internetshop brachte ihm finanziellen Erfolg. Dann packte ihn die Neugierde und Lust, ein anderes
ehrgeiziges Projekt in Angriff zu nehmen. So arbeitet er an einem neuen Suchsystem für Daten auf dem Computer. „Die
Maschine soll sich dem Nutzer anpassen. Daraus wird ein auf den Anwender zugeschnittenes Ablage- und Suchsystem.“
20 000 Besucher in wenigen Wochen
Beides läuft im Bemühen um den Bunker in Prenden zusammen. So ist die Anlage momentan dank seiner Panoramafotografie
optisch in allen Teilen einsehbar. Und die vielen Geheimnisse der Anlage können in ihrer Komplexität sicher ganz besonders
von seinem neuen Datensystem zugänglich gemacht werden. Hannes Hensel ist jedenfalls kein Träumer, sondern kann
durchaus rechnen. Die „Probeöffnung“ der Anlage 2008 brachte in nur drei Monaten rekordverdächtige 20 000 Besucher. „Wir
hatten mehr Anfragen, aber dafür keine Kapazitäten“, erläutert er.
Schwarze Zahlen ohne Subventionen
Auf dieser Basis errechnete der mittlerweile gegründete Verein „Bunker 5001 e.V.“ einen Kostenaufwand von 1,5 Millionen
Euro, um die Anlage mit Führungen begehbar zu machen. „Der Eintrittspreis wird ähnlich wie 2008 bei 20 Euro liegen. Wir
sollten damit bereits im ersten Jahr schwarze Zahlen schreiben und könnten ohne öffentliche Gelder auskommen“, beruhigt
der Vereinsvorsitzende eventuelle Skeptiker in Rathäusern und Landratsämtern. Seine Planung sieht vor, dass es im Sommer
2017 los gehen könnte.
Für den Frieden
Triebfeder für sein Engagement ist, durch Blick hinter die Kulissen der Geschichte in den Menschen von heute, nach
Möglichkeit eine ähnliche Reaktion auszulösen, wie sie Erich Honecker gezeigt haben soll. Am Ende soll die Einsicht stehen,
dass Krieg keine Alternative zur Politik sein kann. „Gerade heute sehen wir wieder, wie wichtig diese Erkenntnis ist“, so
Hannes Hensel. Erich Honecker jedenfalls soll „seinen“ Führungsbunker nach der Inbetriebnahme 1983 nie wieder betreten
haben!
Infos:
www.bunker5001.com
Tel. 01 51/50 45 50 01
Stand März 2015
Technisches Wunderwerk zum Gruseln
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