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Neue Leitung für Comédie Soleil
Stand Juni 2013
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Werder ist dabei, sich als Filmstadt zu
entwickeln. Dafür sorgt ein
spektakulärer Thriller.    
„Pan‘s letztes Lied“ war ein Bühnenstück,
das Michael Klemm, der Gründer der
überregional gefragten „Comédie Soleil“,
aus der Taufe gehoben hat. Es beschäftigte
sich damit, ob Pop-Ikone Michael Jackson
einem Komplott zum Opfer gefallen war.  
Drehort Werder
Klemm erkannte das Potenzial des Stücks,
für das er viel Zeit in Recherchen gesteckt
hatte und entschloss sich, daraus einen
Film zu machen. Die Bühne der „Comédie
Soleil“ wurde erstmalig zur Filmkulisse.
Zu den Filmschaffenden, die nun auf die
Baumblütenstadt aufmerksam wurden,
gehörte der ursprünglich aus dem
westdeutschen Bielefeld stammende
Regisseur und Drehbuchautor Julian
Tyrasa.
Seine Freundin, die Potsdamer
Schauspielerin Karoline Hugler, war schon
vorher auf das kleine „Theater in der
Provinz“, das von Michael Klemm und
Nadja Winter geleitet worden war,
aufmerksam geworden. „Ich hatte hier als
Zuschauerin eine Tolstoi-Inszenierung
genossen, die mich faszinierte.“  Wenig
später wurde sie als Schauspielerin selbst
Ensemblemitglied.  
Effi Briest und Kikerikiste
Karoline Hugler war zuletzt in „Effi
Briest“ als mysteriöse, durchs Haus
geisternde „Frau des Chinesen“ über die
Kinoleinwand geschwebt. Demnächst wird
sie in der Berliner Gaunerkomödie
„HARTs 5“ in der weiblichen Hauptrolle
zu sehen sein. Fernsehzuschauer konnten
sie unter anderem in „Schloss Einstein“,
„Doctor’s Diary“, der NDR-
Dokumentation „Caspar David Friedrich“
über den berühmten Maler von Regisseur
Thomas Frick und in einer Folge der Kult
serie „Hallo Robbie“ erleben. Sie
schnupperte vier Jahre als „Kümmel“ in
der Kikerikiste Bühnenluft. Das Stück
wurde oft am Acud Theater gespielt.
Ebenfalls eine Hauptrolle hatte sie in
„L’amore teatrale“, in der sie mehrmals zur
Potsdamer Schlössernacht auftrat. Seit
2012 ist sie in der Comédie Soleil in
Werder zu erleben.
Neue Chefs
„Es ist unglaublich, welch eine hohe
Qualität hier trotz enorm geringer
finanzieller Ausstattung geboten wird. Die
Comédie Soleil ist ein sehr liebe-
volles spielfreudiges Theater“, sind die
beide Profis fasziniert. Offenbar waren die
Theatermacher von ihnen ebenso
begeistert, denn nun treten die 32-jährige
Schauspielerin und der 40-jährige
Regisseur die Nachfolge der Gründer an
und wollen das Haus als „künstlerische
Leiter“ zu neuen Höhen bringen.
Ein Jahr Zeit
Dabei ist den beiden bewusst, dass dies
eine schwere Aufgabe wird: „Wir geben
uns ein Jahr Zeit, um die prekäre
finanzielle Situation maßgeblich zu
verbessern. Momentan ist es so, dass das
Ensemble. keine tragfähige Bezahlung
erhält und den Lebensunterhalt durch
Nebenjobs verdienen muss. Gastspiele
kann sich das Theater kaum leisten, da uns
die Einnahmen fehlen, um attraktive
Gagen zu bezahlen. Wir wollen aber un-
bedingt an niedrigen Eintrittspreisen
festhalten, damit jeder zu uns kommen
kann“, beschreiben die neuen Macher die
ernste Situation.
Mehr Besucher?
Sie wollen das Problem von diversen
Seiten her angehen: „Es muss uns
gelingen, mehr Zuschauer zu gewinnen. Es
gibt Platz für 80 Personen, durchschnittlich
kommen aber nur 30 Besucher.
Insbesondere bei Jugendlichen und
jüngeren Menschen haben wir größeren
Nachholbedarf“, so Julian Tyrasa.
Es wird aber wie bisher Eigenproduktionen
auf bekannt hohem Niveau geben. Dabei
soll eine Mischung aus Klassikern,
modernen Stücken sowie Uraufführungen
für viel Abwechslung und Attraktivität
sorgen.
Einen entscheidenden Faktor sehen die
neuen Theaterchefs darin, über den
Förderverein unter Leitung von Steffen
Töppner Sponsoren zu gewinnen.      
Theater als Wirtschaftsfaktor
„Im Endeffekt werden wir aber ohne
kontinuierliche öffentliche Förderung, wie
sie andere Theater in ganz Deutschland
bekommen, kaum über die Runden
kommen. Mittlerweile sehen uns Gerichte,
wie unlängst in einem Urteil, als wichtigen
Standortfaktor an, der im Mietspiegel
Preise wie in Potsdam rechtfertigt. Also
sollte im Gegenzug etwas gemacht werden,
damit dieser wirtschaftlich wichtige Effekt
für die Stadt erhalten bleibt“,
argumentieren die beide Theaterchefs.
Natürlich sind sie sich bewusst, dass
sparsamer Umgang mit den Ressourcen
wichtig bleiben wird. Dass sie das können,
haben sie mit ihrem Kinofilm bewiesen:
„Ich habe ‚HARTs 5’ selbst produziert, für
nur 5 000 Euro!“, verblüfft Julian Tyrasa.
Ganz so preiswert wird das Theatermachen
auf Dauer nicht gehen, denn nur durch den
Verzicht der Schauspieler auf Gage konnte
das niedrige Budget bei dem neuen
Spielfilm gehalten werden.
Jedenfalls ist die „Comédie Soleil“ nun in
die Hände von Filmschaffenden
gewechselt, vielleicht zieht das dann
weitere Produktionen in die
Baumblütenstadt!
Infos:
www.comediesoleil.com
Tel. 0 33 27/54 72 35