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Die Baumblütenstadt Werder ist für Charme, Farbigkeit und Bewohner, die im Einklang mit der Natur
leben, bekannt. Bislang galt, „nur nichts überstürzen“.  
Die Entwicklung der Havelauen sorgte hingegen plötzlich für einen Boom, der so gar nichts von der
bekannten Beschaulichkeit hatte. Diesen Schnellschuss verdankt die Stadt einem Militärhistoriker, der sich
insbesondere „Marschall Vorwärts“ verschrieben hat!
Dr. Klaus-Peter Meißner kam von seiner Heimat
Dessau in Sachsen-Anhalt nach Potsdam, wo er 20 lange Jahre am dortigen Militärgeschichtlichen Institut
tätig war. Sein spezielles Interesse gehört
Gebhard Leberecht von Blücher, dem „Marschall Vorwärts“ der
Befreiungskriege gegen
Napoleon.    
Von der Uni in die Wirtschaft
Als die Wende kam, erkannte der promovierte Historiker schnell den Puls der neuen Zeit und wandelte sich
vom Wissenschaftler zum Unternehmer. Er begann, Grundstücke zu entwickeln. „Wir waren in Potsdam-
Bornim, Stahnsdorf, Teltow und Dahlewitz tätig“, zählt Dr. Meißner auf. Die Besonderheit der gemeinsamen
Unternehmen mit Freund und Partner Uwe Brühl war, für die Eigentümer der Grundstücke das finanzielle
Risiko zu übernehmen. „Das war in der Baubranche unüblich und sicherte uns interessante Möglichkeiten.“    
Konversion 
Per Zufall kamen die Havelauen von Werder ins Visier. Die früheren „Havelwiesen“ hatten zu dieser Zeit
eine lange militärische Nutzung hinter sich. Erst hatten die Nazis dort einen Fliegerhorst betrieben.
Anschließend hatte die Rote Armee das Gelände mit Kasernen belegt. Versuche, es zu entwickeln, führten
nach der Wende in einen spektakulären Konkurs, der einen schmerzhaften Stillstand nach sich zog. 2007
begann Dr. Klaus-Peter Meißner mit Unterstützung der Stadtverwaltung mit Bürgermeister Werner Große
an der Spitze, die ersten 23 Grundstücke am verlängerten Forellensteig für Eigenheime zu entwickeln. Der
Erfolg motivierte: 2010 übernahmen die Firmen von Dr. Meißner sehr zur Erleichterung der Banken den
größten Teil des Areals beidseitig des Stichkanals. „Wir haben neun Kilometer Straßen und die
Havelpromenade gebaut. Insgesamt wurden weitere  253 Grundstücke erschlossen, die nun größtenteils
verkauft sind.“  
Geschichte ganz neu
Bei soviel Weichenstellung für eine gute Zukunft der Baumblütenstadt könnte sich der mittlerweile 70-
Jährige, der seine neue Wirkungsstätte längst zum Wohnort gemacht hat, zufrieden zurücklehnen und den
Panoramablick von seinem Büro in den Havelauen über sein Lebenswerk genießen. Doch als Historiker ist
ihm der Blick nach vorne nicht ausreichend. Deshalb hat er sich 2011 schon bald nach dem Umzug nach
Werder dem Heimatverein um Dr. Klaus Froh und Dr. Baldur Martin angeschlossen. Im Vorsitzenden Dr.
Klaus Froh hat er einen renommierten Fachkollegen gefunden, der ebenfalls Militärhistoriker ist, aber sich
weniger um Blücher gekümmert hat.
Brisante Gegenwart
Im Verein keimte die Idee, zur 700-Jahr-Feier 2017 eine Chronik mit neuen Erkenntnissen
herauszubringen, die „nicht einfach die bisherigen Ergebnisse übernimmt und weiter schreibt“, so Dr. Baldur
Martin. Mittlerweile ist sie auf sieben Bände angelegt. Während Dr. Martin als langjähriger Heimatforscher
sich mit der Geschichte bis 1945 beschäftigte, übernahm der Mann, der das neue Werder durch sein
Engagement in den Havelauen maßgeblich mitgeprägt hat, die brisante Aufgabe, die Zeit von der Befreiung
vom Naziterror bis heute zu betrachten. Das bedeutet Abwägen zwischen historischen Wahrheiten und
Wünschen der Beteiligten, die vielfach weiterhin in der Stadt leben oder hier Nachkommen haben.
„Schließlich können die Interessen hier stark auseinander gehen. Wer möchte heute noch als Aktivist für die
DDR genannt werden? Wer will als Stasi-Mitarbeiter erwähnt werden? Wie sollen Politiker und Manager
behandelt werden? Wie ist mit den Diskussionen am Runden Tisch umzugehen, von denen noch alle
Protokolle vorhanden sind?“ Kein Wunder, dass Militärfachmann Dr. Klaus-Peter Meißner sagt: „Der größte
Feind des Historikers ist der Zeitzeuge. Es würde mich nicht wundern, wenn wir die eine oder andere Klage
an den Hals bekämen.“ Wie recht der Geschichtsschreiber die immer größer werdende Sensibilität der
Zeitgenossen einschätzt, belegt ein jüngster Vorfall, der der jungen Bürgermeisterin Manuela Saß manch
Sorgenfalte bescherte: Da musste sich die Stadt gegen die Klage eines Rechtsanwalts wehren, der nichts
weniger wollte, als das „Baumblütenfest“ verbieten zu lassen. Die Klage hatte keinen Erfolg. Man kann
Weichensteller und Chronist Dr. Meißner sowie dem Heimatverein nur wünschen, dass diese sich ebenso
erfolgreich gegen eventuelle Verfahren wehren können. Schließlich ist die historische Wahrheit für die
Zukunft wichtig, gerade wenn sie eine Zeit betrifft, die uns noch ein wenig näher als die Ära von „Marschall
Vorwärts“ ist.  
Infos:
Tel. 0 33 27/48 92 48
Stand Juni 2015
Vorwärts in die Geschichte!
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