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Die Menschen, die sich noch selbst ans Ende des Zweiten Weltkriegs erinnern können, werden
immer weniger. Schließlich ist es dieses Jahr bereits 70 Jahre her, dass das von den Nazis
ausgelöste Inferno mit der Kapitulation sein Ende fand. Doch was passierte dann, in dieser Zeit des
großen Umbruchs, hier bei uns, in der Blütenstadt Werder?  
Dieser Frage wollte die Werderaner Autorin und engagierte Freizeit-Heimatgeschichtsforscherin Ingeborg
Lauwaßer auf ungewöhnliche Weise nachgehen. Sie initiierte auf Anregung vom Museumsverband
Brandenburg zusammen mit der AWO in Werder ein gemeinsames Projekt mit der Förderschule am
Plessower See.    
„Aktion Mensch“ hilft bei Historie
Die hauptberufliche Mitarbeiterin im AWO-Seniorenheim wollte aus Befragungen zusammen mit Schülern
der neunten und zehnten Klasse Licht in diese Zeit bringen, über die noch so vieles im Dunkeln liegt. „Viele
der Personen, die das miterlebt haben, sprechen ungern über diese Epoche. Sie waren in die Zeit verstrickt
oder sind noch von den Ereignissen bei der sowjetischen Besatzung geschockt“, fasst Ingeborg Lauwaßer
das Problem zusammen. Umso spannender dürften die Erkenntnisse sein, die als Ergebnis der
Befragungen in einem 140 Seiten starken Buch veröffentlicht werden. „Die Herausgabe ist durch eine
Finanzierungsübernahme durch die ‚Aktion Mensch’  möglich geworden“, erläutert die Glindowerin.  
Gefangen in mehreren Ländern
Die beteiligten Schüler um Céline Müller, Marius Horn und Benjamin Tops hatten das Glück, mit dem
Ehepaar Ingeborg Ostwald und Kurt Ostwald auf Rentner zu stoßen, die sich detailliert erinnerten und bereit
waren, Auskunft zu geben. Beide wohnen mittlerweile im Seniorenheim am Schwalbenberg, wo sich der
Arbeitsplatz von Ingeborg Lauwaßer befindet, so dass „kurze Wege“ die Gespräche erleichterten. „Kurt
Ostwald berichtete sehr detailliert über seine Kindheit im NS-Staat. Er war Kriegsgefangener in Italien,
Afrika, in den USA und in England. Er hat in dieser Zeit ebenfalls viel erlebt“, macht Ingeborg Lauwaßer auf
das im Herbst erscheinende Buch neugierig.  
Essen wie vor 70 Jahren
Das Ehepaar berichtete sogar, mit welchen „Kochrezepten“ man sich über die karge Zeit gerettet hat. „Wir
haben das dann nachgekocht. Allerdings fand das niemand mehr so lecker, dass es weiterzuempfehlen
wäre“, schmunzelt die engagierte Forscherin. Ist nur die Frage, ob dies an den Rezepten oder vielleicht an
der ungewohnten Hand für die Zubereitung lag!
Infos:
Tel. 01 73/6 15 54 56
Stand Juni 2015
Geschichte zum Schmecken
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