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Familie kann schön, aber ebenso stressig sein. So mancher hat mit der Verwandtschaft seine liebe
Not.  
Dazu gehört eine Ex-Berlinerin aus Steglitz, die es als Künstlerin in die idyllischen Höhen von Glindow
verschlagen hat. Dort genießt sie an der Staffelei den weiträumigen Gartenblick. Dabei entstehen aber
weniger idyllische Landschaften, sondern sehr viel öfters kraftvolle Panoptiken mit höllischem Feuer und
erigierten Gliedern! Barbusige Hexen und erotische Teufelsgestalten bestimmen vielfach die Kunstwelt von
Sandra Dahlmann, die sich von den bunten Werken von Frida Kahlo zum Umgang mit Palette, Pinsel und
Leinwand anregen ließ.  
Bedrohliche Puppen?
Neuerdings hat die 47-Jährige eine weitere Ausdrucksform gefunden, die sie zurück zu den Anfängen als
Schneiderin führt. In ihrer Familie hat sich der Umgang mit Nadel und Faden von der Großmutter über die
Mutter und die Tanten bis zu ihr vererbt. Nun erinnerte sie sich als schon bekannte Künstlerin, bestärkt
durch Werders Kunstgeschoss-Kurator Frank Weber, an diese Fertigkeiten. Seitdem schneidert sie für
Puppen, für die sie eigene Räume schafft. Diese „Puppenstuben“ bieten eine seltsame Mischung aus
realitätsnahem expressionistischem Ausdruck und den gewohnten Traumwelten. Die Figuren scheinen zu
leben. Sie finden sich zusammen in der guten Stube, mit Tisch, Sofa und natürlich Nähzeug. Die Frauen
sind „aufgedonnert“, im Gespräch, wirklich und unwirklich in einem. Und im Hintergrund, da droht der
Leibhaftige im Satanskostüm!  
Alpträume in Glitzerwelten
Die Traumwelten von Sandra Dahlmann sind keine Erfindungen. Im lieblich zur Werkstatt umgestalteten
Bauwagen präsentiert sie ihre eigenen Alpträume. Es ist ihre Verwandtschaft. Hier finden sich Bekannte
und nahestehende Personen. „Die Puppen wirken von innen nach außen“, beschreibt die sensible Ex-
Schneiderin den schneidigen Umgang mit der Familie. Man erlebt wie sich Tante Myriam als
Männerschwarm auftakelt wie Oma Fryda als junge Witwe ihren Untermieter für sich einnimmt, bis dieser
zur offiziellen Verbindung bereit ist. Der Satan, das ist „Hellboy Henry“, ein Freund von Ehemann Jens
Dahlmann. „Er hat damit geprahlt, dass er eine böse Ader hat. Er ist stolz, einen Waschbären mit der Axt
getötet zu haben. Ich liebe Tiere, so etwas bringt mich total auf“, gibt Sandra Dahlmann weitere Einblicke.
Hexen mit Sex-Appeal
Nun könnte man meinen, die Verwandten würden sich übers künstlerische Verewigen freuen. Doch da hat
Sandra Dahlmann eine andere Erfahrung gemacht: „Keiner von denen hat sich gefallen, einige reden jetzt
nicht mehr mit mir!“ Das kann Sandra Dahlmann allerdings verschmerzen, schließlich wirkte ihre neue
Kunst so befreiend auf sie, dass sie sich nun ihrer weiteren Vorliebe, der Visualisierung von Monstern und
Hexen, aber immer mit Sex-Appeal, widmen kann, ohne diese Scheinwelten allzu ernst zu nehmen. „Seit
ich ‚Der Meister und Margarita’ von Michail Bulgakow gelesen habe, lässt mich das Thema nicht mehr los“,
gesteht sie.  
International gefragt
Damit ist die Glindowerin gerade dabei, international Bekanntheit zu erlangen, denn ihre Bilder, die sie über
Ebay anbietet, finden einen stetig steigenden Kreis an Fans. Ihre Puppenausstellung im „Kunstgeschoss“
war ähnlich erfolgreich, allerdings mit einer Ausstrahlung, die leider noch auf die Baumblütenstadt
beschränkt war. Dabei könnten Oma Fryda und Tante Myriam ebenso wie Hellboy Henry manch anderem
aus lange unterdrückten Kindheits-Alpträumen helfen!
Infos:
Tel. 01 62/2 08 96 20
www.sandraart.de
Stand Juni 2015
Von Frida Kahlo zu Oma Fryda
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