Dies ist ein Archiv-Eintrag aus dem Jahre 2016!

Naturschutzhelfer
Karsten Bathe
Telefon:01 73/3 17 85 49

Mutiger Kugelstoßer nachts allein im Wald

Stand: Juni 2016

Nachts allein in Wald und auf der Wiese, es gibt Werderaner, die haben sonderbare Vorlieben!

Während die Altersgenossen und viele Studienfreunde von Karsten Bathe Aufregung bei Disko-Musik und Tanzvergnügen suchen, schlägt dem Bliesendorfer das Herz höher, wenn geheimnisvolle Fledermäuse um ihn schwirren oder Eulen und Kautze sich als einsame Rufer im Dickicht von naturgewachsenen Bäumen und skurril im Mondlicht wiegenden Büschen betätigen. Dabei ist der angehende Lehrer alles andere als „kautzig“!

Erfolgreicher Sportler
Es ist nur so, dass in der Brust von Karsten Bathe offenbar zwei Herzen schlagen. Tagsüber trifft man ihn vielfach im Sportbereich der Uni Potsdam. Dort übt der Bliesendorfer unglaublich hart, denn ausgerechnet der kraftzehrende Wurfsport hat es ihm angetan. Zu seinen Leidenschaften gehört Leichtathletik, insbesondere aber Kugelstoßen und Diskuswerfen. „Ich habe regelmäßig Training und strebe an, mit der Kugel 13 bis 14 Meter zu erreichen.“ Er sieht sich deutschlandweit im oberen Mittelfeld und gehörte zu den ausgesuchten Teilnehmern für die Deutschen Hochschulmeisterschaften. Sport ist Teil seines Lehrer­studiums, zu dem zusätzlich das Fach Geschichte gehört. Die Prüfungen stehen vor der Tür, bereits ab kommendem Jahr möchte der Bliesendorfer vor Schülern, möglichst in der Heimatstadt Werder, stehen.

Hölzerne Freundin
So ziemlich jeder wäre mit dieser Doppelbelastung durch Sport und Studium mehr als ausgelastet. Doch wenn andere schlafen oder entspannen, zieht es Karsten Bathe statt zur Freundin hinaus in den dunklen Wald, der ans elterliche Grundstück angrenzt. Denn er ist seit drei Jahren offizieller „Naturschutzhelfer“ und stellt da gleich mal einen weiteren Rekord auf: „Bei uns im Landkreis bin ich der Jüngste, wahrscheinlich sogar in ganz Brandenburg“, schmunzelt der 24-Jährige.

Riesiges Reich
Sein „Reich“ geht von Bliesendorf über Glindow bis nach Ferch und umfasst „ein Kerngebiet von etwa 7 000 Hektar“. Bathe hat sich dabei auf Fledermäuse, Greifvögel und Schmetterlinge spezialisiert. Anlass für ihn, die Natur um sein Elternhaus herum zum erweiterten Wohn- und Schlafzimmer zu machen, waren die Pläne, hier Windkraftanlagen aufzustellen. „Um dagegen argumentieren zu können, muss man feststellen, welche geschützten Tier- und Pflanzenarten vorhanden sind. In dieser Region hatte das noch niemand gemacht. Das Gebiet war ein riesiger weißer Fleck“, blickt Bathe zurück. „Die Stadt hatte ein Unternehmen mit einem entsprechenden Gutachten beauftragt, das aber logischerweise nur bruchstückhaft sein konnte.“

Sensationelle Funde
Der junge Bliesendorfer machte sich fit und bewarb sich beim Land um die Zulassung als offizieller „Naturschutzhelfer“. Dies muss jedes Jahr erneuert werden! Nun ist er mit Fotokamera und speziellem Gerät unterwegs, um oft nachts und wenn er Zeit hat am Tag auf die Pirsch nach seltenen Tieren zu gehen. Er hat dabei mittlerweile über 100 Fleder­mausquartiere ausfindig gemacht. Einer seiner Lieblinge unter den etwa 17 Arten ist der „Große Armsegler“, der seinem Namen mit einer imposanten Spannweite von stolzen 35 Zentimetern durchaus Ehre macht. Ziemlich klein nimmt sich da hingegen das „Braune Langohr“ aus, das nachts von Pflanzen schlafende Insekten abpickt. Eine Sensation ist, dass ihm die „Große Bartfledermaus“ untergekommen ist, die sehr selten ist und offenbar hier eine bisher unbekannte Heimat gefunden hat.

Paradies für Greifvögel
Ebenfalls neu ist, dass die Wälder von Glindow und Werder offenbar ein Paradies für Greifvögel sind. Knapp 100 Horste hat allein Karsten Bathe gezählt, darunter 14 Mäusebussard-Familien. Besonderes Engagement gilt dem Rotmilan: „In Deutschland leben 60 Prozent des weltweiten Bestands. Bisher war bei uns ein Brutpaar bekannt, nun habe ich fünf weitere Horste gefunden“, benennt er wichtige Erfolge. Zu den ebenfalls sehr seltenen Vögeln zählt er den Wespenbussard, der wie ein Huhn durch den Wald läuft um die Nester von wilden Wespen und Hummeln auszugraben. „In Deutschland gibt es nur noch 1 500 Brutpaare, davon mindestens drei bei uns.“

Retter in der Not
Karsten Bathe hat hohe Wipfel ebenso im Blick wie Astlöcher, abgestoßene Federn und Verdauungs­reste. Tiere, die er nicht fotografieren kann, lassen sich so nach Laboruntersuchung nachweisen. Für Baum­höhlen hat er eine spezielle „Schlauchkamera“, die an ein Endoskopiegerät aus der Klinik erinnert. Ein „Nebenprodukt“ seiner Streifzüge von täglich zehn bis 20 Kilometern, die er zu Fuß oder per Fahrrad unternimmt, ist, dass er mittlerweile viele attraktive Pilz­reviere kennt. Manchmal fungiert er dabei als „Retter aus der Not“, nämlich dann, wenn er auf verzweifelte Spaziergänger oder übereif­rige Pilzsammler trifft, die im Dickicht die Orientierung verloren haben. Das ist ihm noch nie passiert, schließlich kennt er einen einfachen Trick: „Bei unseren Wäldern muss man nur einfach geradeaus gehen und kommt am Ende immer an einer Straße oder in einem Ort heraus“, lautet sein Tipp.

Geschichte ganz neu
Übrigens hat Karsten Bathe noch ein Hobby: Als angehender Geschichtslehrer interessieren ihn natürlich die Spuren unserer Vorfahren. Dabei ist ihm gelungen, die Geschichte von Bliesendorf ganz neu zu schreiben: Während man gerade dabei ist, auf die Erst­erwähnung 1236 hinzuweisen, kann Bathe durch den Fund von Tonscherben im Wald belegen, dass hier bereits um 1180 Menschen lebten! Jetzt wäre es sicher spannend zu wissen, mit welchen Tieren sich diese damals beschäftigten!