Stand: Februar 2009
 
„City of Talents“ feiert zehn erfolgreiche Jahre:
„Jedes Jahr 20 neue Firmen“
Wie wird man erfolgreich? An der Technischen Fachhochschule Wildau beschäftigt sich seit nunmehr zehn Jahren ein Verein mit dem Problem.
Ideengeber und Initiator ist Professor Willi Dieterle. Der Schwabe ist stolz darauf, dass man seine Herkunft nicht mehr an der Aussprache hört. Er blickt zurück auf seinen Vater, der als Busunternehmer Kurwillige beförderte. Professor Dieterle will dagegen ein wenig Heilung fürs Unternehmertum bewirken, indem er den erfolgreichen Weg zur unternehmerischen Karriere aufzeigt. Von seinem Büro im Obergeschoss des TFH
Verwaltungsgebäudes hat er Wildau bestens im Blick. „Pro Jahr begleiten wir etwa 20 Gründer. Ein Drittel davon sind auf Dauer erfolgreich, ein Drittel betreiben die eigene Firma später als Nebenjob, der Rest gibt auf, oftmals weil sie als TFH-Absolventen glänzende Aussichten in der Wirtschaft haben und gut-bezahlte Stellen annehmen“, bilanziert der 59-jährige Professor für Betriebswirtschaft und Wirtschaftsinformatik.

Firmen für die Region
„Viele der Neugründer bleiben in der Region, so dass Wildau sich immer wieder über Firmenzuwächse erfreuen kann.“
Die angehenden Chefs können sich im Rahmen eines Coaching auf Herz und Nieren testen lassen, erfahren, ob sie aus wissenschaftlicher Sicht das Zeug zum Unternehmer haben und können dann auf weitergehende Betreuung in der Startphase bauen. Die Kosten dafür werden aus Förderprogrammen vom Steuerzahler getragen. Weitere Elemente sind ein Businessplan-Wettbewerb und der neue „Unternehmer Campus Wildau“, der Management-Unterstützung für bestehende Unternehmen anbietet.
Ist Erfolg wirklich planbar?
Die Aktivitäten der „City of Talents“ versuchen also mit wissenschaftlichen Mitteln den Weg für die Praxis in der komplizierten Welt der Wirtschaft zu bereiten. Doch Professor Dieterle weiß, dass es durchaus andere Wege zum Unternehmenserfolg gibt: „Steve Jobs von Apple hat mit einer Idee und einer Garagenproduktion unsere heutige Wissensgesellschaft erst möglich gemacht. Er hat aus Intuition gehandelt, ohne Business-Plan und Coaching. Damals hatte jeder über seine Idee, dass in naher Zukunft alle einen persönlichen, leicht zu bedienenden Computer
haben, gelacht. Heute ist dies Alltag.“

Tops und Flops
Zu den „Stars“ seiner Gründungsfirmen gehört eine Personalvermittung, zu den Flops zwei Studenten, die mit einer guten Idee Bruchlandung machten. „Sie hatten ein Isoliermaterial für PCs entwickelt, das Lärm und Wärmeausstoß entgegenwirkte. Sie setzten auf zu schnelles Wachstum, verzettelten sich und scheiterten schließlich an Produktionsproblemen in China.“ Computer und Werbung spielen bei vielen Neugründungen eine wichtige Rolle und statt der sprichwörtlichen Würstchenbude war es ein neuer Partyservice, den Dieterle mit aus der Taufe gehoben hat.

Klein, aber oho
Das Geheimrezept für Unternehmenserfolg? „Ich persönlich bin ein Anhänger der Graswurzel-Philosophie: Bescheidenheit ist ein Trumpf, es müssen nicht gleich zu Beginn der repräsentative Firmensitz und das dicke Auto sein“, schmunzelt er. „Weniger ist meist mehr. Zu schnelles Wachstum birgt häufig die Gefahr eines ebenso schnellen Absturzes.“
Und was gibt es schöneres als Unternehmer zu sein? Offenbar der gut-bezahlte sichere Beamten-Sessel, denn sonst würde der Wissenschaftler wohl heute nicht im TFH-Gebäude über den Dächern von Wildau von einem neu einzurichtenden „Lehrstuhl für Entrepreneurship“ träumen, sondern an der Spitze seines erfolgreichen Unternehmens den Aufschwung in Deutschland befördern. „Am sichersten ist es, wenn der Partner einen krisenfesten Job hat“, zeigt Professor Dieterle Gespür für Selbstironie, in der ja immer ein Körnchen Wahrheit steckt. Denn sich selbst in Frage stellen können und
flexibel reagieren, das ist in Zeiten sich turboschnell wandelnder wirtschaftlicher Bedingungen für Unternehmer oft überlebenswichtig. Das hat Dieterle schließlich bestens im väterlichen Bus-Unternehmen erlebt und kann daraus und aus der späteren angestellten Tätigkeit in diversen Firmen bis hin zu Schering mit praktischen Erfahrungen die wissenschaftliche Theorie untermauern oder in Frage stellen.
Infos:
Tel. 0 33 75/50 89 53
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